Sportler des Jahres

Mittwoch, 29. Juli 2015

Tour-Helden für Sportlerwahl

Das öffentliche Klagen war groß – Marcel Kittel, Nummer acht der Sportlerwahl 2014, darf nicht mit zur Tour de France. Zu wenig Form, meinte sein Team Giant-Alpecin, gemein fand er und es stimmt wohl beides. Klar schien danach – für den deutschen Radsport würde Kittels Klasse mit jeweils vier Etappensiegen 2013 und 2014 nicht zu ersetzen sein. Vor einem Jahr holten der überragende Kittel, André Greipel und Tony Martin sieben der 21 Etappen, also jede Dritte. Nach Kittels Tour-Aus schien so ein gewaltiger Erfolg so weit entfernt, wie der schwere John Degenkolb vom Gewinn der Bergwertung der Tour. Und nachdem Martin sein Drama mit fünf Sekunden Rückstand beim glühend heißen Prolog in Utrecht erlebt hatte, gab es schon erste Zweifler, ob das bei der Tour 2015 überhaupt noch etwas wird.

Dann kippte auf der ersten Etappe auch noch das Wetter. Wind und Regen statt brüllender Hitze, was Etappenjäger Greipel aber nicht aus der Ruhe brachte Souveräner Sprintsieg auf der Montageinsel Neeltje Jans an der Nordseeküste. Das war sein Ziel – so früh wie möglich eine Etappe zu gewinnen. Es war sein siebter Tageserfolg und gleichzeitig ein Rekord. Noch nie hatte ein deutscher Profi in fünf aufeinander folgenden Frankreich-Rundfahrten jeweils eine Etappe gewonnen. „Alles was jetzt kommt ist Zugabe“, freute sich der Gorilla. Und setzte seine Serie fort. Bis nach Paris, wo der Zielstrich-Orkan nach über 3300 Kilometern auf den Champs Elyseées den Schlusspunkt setzte. Mit seinem vierten Tagessieg. Wieder einmal unterstrich André, dass er der Schnellste im Peloton ist.

Vorher war Polizeimeister Martin in die Herzen der Frans gefahren. Erst haderte er mit drei Sekunden Rückstand auf Gelb. Am nächsten Tag an der Kirchdachsteilen Mauer von Huy war es dann nur noch eine einzige, aber eben immer noch nicht Gelb, das Martin so gerne hätte und für das er so viel Training investiert hat. „Das Gelbe Trikot fehlt mir noch, das wäre ein Meilenstein meiner Karriere“, hatte er vor der Tour gesagt. Und der kam dann am nächsten Tag. Und das mit einer Demonstration schierer Kraft und Energie. Soloflucht über fast fünf Kilometer am Ende der superharten Kopfsteinpflaster-Etappe, der dreifache Zeitfahr-Weltmeister zwang sein Glück mit Treten am Anschlag, war im Ziel in Seraing platt, aber auch glücklich. Und endlich in Gelb, auch wenn er das Gefühl nur zwei Tage genießen konnte. Im Finale der Etappe nach Le Havre kam er zu Fall und brach sich 800 Meter vor dem Ziel das Schlüsselbein. Doch der Deutsche kehrte – nach erfolgreicher Operation – zurück. In Paris kommentierte er für die ARD kompetent und informativ die Schlussetappe. Respekt!

Während John Degenkolb, der Mann des Frühjahrs, Sieger der Klassiker Mailand – Sanremo und Paris – Roubaix, wieder „nur“ Ehrenplätze sammelte, rückte Teamkollege Simon Geschke die deutsche Formation Giant-Alpecin ins Rampenlicht. Der Bärtige, sonst ein unermüdlicher Helfer, gewann den Alpen-Abschnitt nach Pra Loup dank einer bravourösen Solo-Attacke. Dann sank er groggy auf den Asphalt, gab mit feuchten Augen emotionale Interviews („ich gehöre doch gar nicht hierher…“) und rührte die einheimischen TV-Zuschauer zu Tränen. Die ARD registrierte einen Höchststand bei den social-media-Reaktionen. Und Tour-Boss Christian Prudhomme addierte die Erfolge der Allemands (sechs von 21 Etappen) und staunte.

Auch die Medien zwischen Lörrach und Rügen widmeten dem rollenden Großereignis wieder mehr Aufmerksamkeit. Das kann man durchaus als Indiz werten, dass Greipel, Degenkolb und Co. auch bei der Wahl „Sportler des Jahres“ im Dezember für vordere Ränge in Frage kommen.

Bild: picture alliance

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Das Jahrbuch zum Sportler des Jahres 2014 ist hier zum Download als PDF erhältlich.

 

 

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