Sportler des Jahres

Donnerstag, 28. Juli 2016

Miss-Sechs-Meter, ein Punkte-Weltrekord und Känguru-Spikes

Zum stimmungsvollen Sommerabend mit Live-Musik und Kunstrad-Vorführung hatten sich allerhand Persönlichkeiten aus Sport und Politik vor dem Alleehaus in Baden-Baden eingefunden. Anlass war die Eröffnung der Sonderausstellung „Sport trifft Geschichte“ im Stadtmuseum an der Lichtentaler Allee, die am Nachmittag mit einem exklusiven Rundgang bereits der Presse vorgestellt worden war. Vom unteren Balkon des dreistöckigen Alleehauses zeigte die Weitspringerin Helga Bühler-Hoffmann stolz ihren Ehrenring, den sie als zweifache „Sportlerin des Jahres“ (1965/1966) von der Stadt erhalten hatte. Die Saarländerin erinnerte sich nur allzu gerne an ihren damaligen Auftritt an der Oos: „Ich war überrascht von der Wahl, konnte den Abend jedoch sehr genießen.“ Als „gesellschaftliche Aufwertung des Amateursports“ habe sie die Auszeichnung empfunden. Bühler-Hoffman galt wegen ihrer Weite von 6,54 Metern in der Sandgrube im Jahr 1964 als „Miss Sechs Meter“.
Zehnkämpfer Guido Kratschmer, „Sportler des Jahres“ im Jahr 1980, schwelgte ebenfalls in Erinnerung, wenngleich auch mit einem Wermutstropfen: Der inzwischen 63-jährige studierte Sport-Lehrer hatte im selben Jahr in Filderstadt-Bernhausen mit 8649 Punkten einen 30 Jahre lang währenden Weltrekord aufgestellt – und durfte wegen des Boykotts der Bundesrepublik trotzdem nicht zu den Olympischen Spielen 1980 in Moskau fahren. Dafür kam Kratschmer umso gerne mit Frau und Husky zur Eröffnung der Ausstellung nach Baden-Baden. Dort, wo sonst römische Skulpturen den historischen Ursprung der Kurstadt bezeugen, sind seit dem vergangenen Freitag (8. Juli) die Sprint-Schuhe von Heinz Fütterer in einer Vitrine zu bewundern: 125 Gramm leicht, mit langen Dornen und aus feinstem Känguru-Leder. „Das hat auf der Bahn nie Wasser gezogen“, erklärte der Ehrengast beim Presse-Rundgang durchs Stadtmuseum. Mit den anschmiegsamen Schuhen war der Schwarzwälder Sprinter im Jahr 1954 Doppel-Europameister über 100 und 200 Meter im Stadion von Bern geworden. Diese Leistung brachte dem „Weißen Blitz“, wie Fütterer genannt wurde, im selben Jahr den Titel „Sportler des Jahres“ ein – wohlgemerkt vor dem zweitplatzierten Fritz Walter, der mit der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft erstmals Weltmeister geworden war, und bei dem sich der Sprinter dafür entschuldigte. Und noch etwas mache die weißen Spikes mit dem roten Längsstreifen zu einer Rarität, wie Fütterer verriet: „Sie sind nur einmal getragen und haben noch Dreck zwischen den Dornen.“

 

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