Sportler des Jahres

Sonntag, 19. April 2015

Ein Winter, der erwärmte

Gäbe es eine Wahl des Vierteljahres-Sportlers, wäre die Antwort leicht: In jedem Fall würden Winterathleten die erste Geige spielen. Die kalte Jahreszeit erwärmte die Herzen vieler Sportfans hierzulande. Super-Leistungen auf Eis und Schnee zuhauf. Wäre 2015 das Jahr der Olympischen Spielen gewesen, das Ergebnis hätte sich womöglich deutlich besser, sprich erfolgreicher, darstellt als 2014 mit acht Goldmedaillen in Sotschi. Aber das bleibt natürlich Spekulation.

Dennoch: die Weltcupfinals unterstrichen nochmals die goldene Spur, die deutsche Wintersportler durch den Schnee zogen. Severin Freund (26) krönte seine Premium-Saison mit dem Gewinn des Punkte-Rankings, als dritter Deutscher nach Jens Weißflog und Martin Schmitt. Der neue „Vorflieger der Nation“ schob sich damit auf eine Pole-Position für die 69. Umfrage unter den deutschen Sportjournalisten. Sein finales Statement lautete: „Es war die größte Saison meiner Karriere. Ich bin sehr dankbar und stolz und auch ein wenig demütig.“ Respekt!

Im Biathlon beendeten die Allrounder im fernen Sibirien einen Winter, den man so nie erwartet hatte. Vorher bei der WM hatte Erik Lesser sein Fass aufgemacht. Gold in der Verfolgung – ohne jeden Schießfehler – und mit der Mannschaft. Laura Dahlmeier und Franziska Preuß hatten mit Platz 2 im Einzel und ebenfalls in einer Gewinner-Staffel ihre Ausrufezeichen gesetzt. Überhaupt die beiden Teams. Vor Jahresfrist in den kaukasischen Bergen weit vom höchsten Olympia-Podest entfernt, meldeten sich die beiden Staffeln eindrucksvoll zurück. Und an den Bildschirmen bibberten die heimischen Fans fast wieder so euphorisch mit wie einst zu Zeiten von Magdalena Neuner, Kati Wilhelm oder Michael Greis. Die TV-Quoten der Übertragungen aus dem finnischen Kontiolathi unterstrichen das deutsche Faible für den Winter-Zweikampf. Da geht ein Raunen selbst durchs Wohnzimmer, wenn Arnd Peiffer oder Franziska Hildebrand am Schießstand treffsicher agieren. Der Verband hatte die Konsequenzen aus zwei schwachen Jahren gezogen, bis hinunter in den Jugendbereich wird ein identisches Konzept durchgezogen, Damen- und Herren-Teams rückten näher zusammen. Nach dem Motto: Gemeinsam stark. Für die Wahl zur „Mannschaft des Jahres“ melden damit gleich zwei Biathlon-Vertretungen Ansprüche an.

Dass am Ende des Winters doch Tränen kullerten, lag am Unhappy End im alpinen Skisport. Vorzeige-Techniker Felix Neureuther, Sonnyboy der Szene, vergab im letzten Rennen der Saison die Chance auf die kleine Kristallkugel. Das schöne Punkte-Polster schmolz in Méribel wie der Frühlingsschnee. Doch der 30-jährige Partenkirchner zeigte sich, wie immer, als fairer Verlierer. Er will weiterkämpfen bis zu Olympia 2018, zunächst aber muss er seinen lädierten Rücken behandeln lassen. Auch die bei Olympia gescholtenen Eisschnellläufer entsandten ein Lebenszeichen: Podiumsplätze bei sämtlichen Weltcups des Winters. Inklusive des Finals in der Gunda-Niemann-Stirnemann-Halle von Erfurt. Weltcup-Rang 2 für die 43-jährige Claudia Pechstein (3000 m). Sprinter Nico Ihle (29) sorgte für den ersten deutsche Podiumsplatz in der Addition der 500-m-Rennen seit 1991.

Für ein Eintrag auf den Vorschlagslisten der Sportlerwahl gute Referenzen. Die Wintersportler haben die Latte hoch gelegt.

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Das Jahrbuch zum Sportler des Jahres 2014 ist hier zum Download als PDF erhältlich.

 

 

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