DOSB-Präsident Thomas Bach über Sportprobleme und Olympia-Bewerbungen
Stuttgart. Im Sport ist nicht alles Gold, was glänzt. Die gescheiterte Münchner Olympia-Bewerbung, die verpassten Olympia-Qualifikationen der Hand- und Basketballer, Doping – Themen, zu denen der „oberste Sportsmann“, DOSB-Präsident und Thomas Bach (58) bei einem Forum in Stuttgart Stellung nahm. Der frühere Fecht-Olympiasieger und Mitglieder der Mannschaft des Jahres von 1977…
… über die Aussichten der deutschen Sportler in London 2012:
„Ich bin überzeugt, dass wir mit einer starken Mannschaft nach London anreisen und dort auch ähnlich erfolgreich wie in Peking abschneiden werden. Ich will mich aber nicht auf die Anzahl der Medaillen festlegen, da andere Spitzennationen einen enormen finanziellen Aufwand betreiben und andere kleinere Länder teilweise mächtig aufgeholt haben. Wichtig ist aber, dass unsere Sportler möglichst ihre Bestleistung abrufen und im Wettkampf alles geben.“
… zur misslungenen Qualifikation der Handballer, Basketballer, Fußballer:
„Das ist bedauerlich, aber langfristig oft nur schwer planbar. Natürlich sollten einige Ligen und Sportfachverbände ihre Politik überdenken und jungen, deutschen Talenten mehr Einsatzzeiten verschaffen. Vom Fehlen einzelner Teams ist jedoch das Wohl und Weh unserer Olympiamannschaft nicht abhängig. Schade ist freilich, dass das Frauen-Fußballteam fehlt. Zumindest da hätten wir auch eine echte Medaillenchance gehabt.“
… über eine Olympiabewerbung nach dem Scheitern von München 2018:
„Darüber werden wir gründlich nachdenken, uns aber erst recht spät entscheiden. Das erhöht vielleicht die Chance, zumal wir ja das Konzept mit den Stätten in München, Garmisch und dem Berchtesgadener Raum stehen haben. Natürlich müssen wir auch die weitere politische Entwicklung abwarten, ehe wir den Hut erneut in den Ring werfen. All das gilt es zwecks einer Bewerbung für 2022 zu bedenken, aber vielleicht geht auch eine Tür für Sommerspiele auf. Das hängt zudem vom künftigen Zyklus der Sommer- und Winterspiele in den einzelnen Kontinenten ab.“
… zum Doping im Sport:
„Da gibt es für uns im DOSB weiter eine Nulltoleranz-Grenze, um das Abschreckungspotenzial möglichst hoch zu halten. Aber es wird nie den Zeitpunkt geben, dass wir den Kampf gegen Doping gewonnen haben. Solange Menschen im Wettstreit stehen, wird es immer einige geben, die betrügen. Wir werden mit aller Entschlossenheit an die Problematik herangehen und ein noch größeres Augenmerk auf Hintermänner, Dealer und Ärzte richten. Auch das IOC erhöht die Kontrollen, allein in London werden über 6000 durchgeführt. Zudem wird es im Vorfeld zu zahlreichen, unangemeldeten Kontrollen kommen. Auf diese Weise wurden 40 Athleten kurz vor Peking erwischt und gesperrt.“
… über eine mögliche Kandidatur als IOC-Präsident und seine Zusammenarbeit mit dem jetzigen Präsidenten Jacques Rogge:
„Zu einer möglichen Kandidatur will ich zum jetzigen Zeitpunkt nichts sagen. Aber meine Zusammenarbeit mit Jacques Rogge ist weiterhin optimal und ich bewundere dessen Geradlinigkeit. Wir haben auch die gleiche Wertorientierung und dieselbe Vorstellung vom sportlichen Geschehen. Das verbindet.“
… über Sieg und Niederlage:
„Beides ist gleichermaßen wichtig und eine Essenz des Sports. Natürlich ist ein Sieg die Motivation für alles, aber man sollte nicht abheben, denn oft kann es am nächsten Tag schon anders sein. Genauso wichtig ist eine Niederlage, um die richtigen Lehren zu ziehen und nicht in Depression zu fallen. Jede Niederlage kann der erste Schritt auf dem Weg zurück zu einem Sieg sein.“
… zur Problematik der Ganztagsschulen:
„Da ist der Sport wahrlich gefordert. Wir müssen integrierte Programme zwischen Schulen und Vereinen schaffen, vielleicht auch neue Formen des Sporttreibens entwickeln. Und einfach vermitteln, dass Sport ein Teil Lebensfreude in den Schulen und im Verein darstellt. Mehr Sport erhöht insgesamt auch die kognitive Schulung und durch entsprechende Angebote in den Schulen können auch Außenseiter in der Gemeinschaft mitgenommen werden.“
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