Sportler des Jahres

Dienstag, 30. August 2016

Olympia 2016: Eine Bilanz (nicht nur) nach Medaillen

Die Rio-Reiser sind zurück, der segnende Christus über der brasilianischen Metropole hat (zumindest im übertragenen Sinne) seine ausgebreiteten Arme über den Athleten wieder geschlossen. Was bleibt nach 16tägigem Wettkampf-Stress aus der Sicht des Aufgebotes des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)? Misst man die ersten olympischen Spiele auf südamerikanischem Boden nur an der Medaillenbilanz, dann kann die schwarz-rot-goldene Delegation durchaus zufrieden sein: Rang fünf in der Nationenwertung. 42 Medaillen insgesamt, davon 17 Goldene, zehn Silberne und 15 mal Bronze.
Aber Olympia ist nicht nur die Bilanz einer Gesandtschaft von Sportlern. Einer Delegation quer durch alle Wettbewerbe. Die Spiele sind nicht nur ein statistisches Leistungs-Resümee von einzelnen Athleten. Von Mannschaften und von scheinbar zusammen gewürfelten Haufen wie dem der Fußballer, die erst am Ende zu einer Einheit wurden. Olympia ist vor Allem das Schaufenster und der mediale Präsentierteller von Sportarten, die innerhalb eines Zeitraums von vier Jahren maximal in diesen 16 Tagen jene Wertschätzung erfahren, die sie durch Training, Einsatz, persönliche Opferbereitschaft und private Entbehrungen ihrer Protagonisten eigentlich verdienen.

Wer wird sich in wenigen Wochen noch an Schützin Barbara Engleder erinnern, die nach ihrem Gold im Dreistellungskampf im schönsten Niederbayerisch gestand „I brauch heut‘ abend noch a Weißbier.“ Eine von vielen wunderbaren, berührenden Geschichten Olympias. Denn dass die 33jährige überhaupt antreten konnte, stand bis kurz vor den Spielen noch auf der Kippe. Zwei ihrer Waffen, mit denen sie in Rio an den Schießstand sollte, waren vom Hochwasser in ihrer Heimat beschädigt worden. „Die sand beide unterganga.“ Aber dank der Hilfe ihres Ausrüsters sei sie dann doch noch mit wettkampffähigem Material angereist.

Oder die von vielen Emotionen begleitete Medaillenflut der Kanuten. Eine Equipe, die das Trauma des Unfalltods ihres Trainers Stefan Henze verarbeiten musste und sich doch in diesem Wechselbad der Gefühle auf ihr persönliches sportliches Highlight konzentrieren sollte. Da wäre auch noch die Geschichte des Kunstturners Andreas Toba, der mit einem Kreuzbandriss ans Pauschenpferd humpelte, unter größten Schmerzen seine Übung durchturnte, um seiner Riege die Teilnahme am olympischen Finale zu ermöglichen. Unter Tränen gestand er später, dass „das Herz mehr schmerzt als das kaputte Knie.“

Es sind viele andere Athletinnen und Athleten, die an dieser Stelle eine Würdigung verdient hätten. Aufgrund ihres Erfolges, ihres Einsatzes, vielleicht aber auch nur wegen ihres Pechs. Einfach aufgrund der Tatsache, dass Sport nicht planbar und (Gott sei Dank) nicht vorausberechenbar ist. All das wird auch noch einmal aufleben, wird Revue passieren in vielen Bild- und Ton-Sequenzen beim „Sportler des Jahres 2016“ im Dezember in Baden-Baden. Dann, wenn Olympia, und vor allem seine großen und kleinen Helden noch einmal ein Gesicht bekommen. Nicht nur jene, die sich in den statistischen Buchhalter-Bilanzen als Medaillen-Gewinner unter den fünf Ringen eingeschrieben haben.

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