Ein Festival der Emotionen an der Oos: Zum 63. Mal veranstaltete die Internationale Sportkorrespondenz (ISK) vier Tage vor dem Heiligen Abend das große Familienfest des deutschen Sports, die Proklamation der „Sportler des Jahres“ und zum 40. Mal traf man sich im wunderschönen stimmungsvollen Ambiente des Kurhauses von Baden-Baden. Speerwerferin Steffi Nerius, Schwimm-Star Paul Biedermann und die deutschen Fußballerinnen, die im September durch einen 6:2-Finalsieg über Englang Europameisterinnen geworden waren, standen in diesem Jahr ganz oben auf dem Podest des Treppchens, das aus dem Votum von mehr als 1300 deutschen Sportjournalisten gebildet worden war.
Gemeinsam mit dem Medienpartner Zweites Deutsches Fernsehen (ZDF) veranstaltete die ISK kurz vor dem Jahresabschluss erneut ein Feuerwerk an Gefühlen, an Lebensfreude, aber auch an Besinnlichkeit, in dessen Mittelpunkt vor allem die Sportlerinnen und Sportler standen, die teils unter großen persönlichen Anstrengungen und Entbehrungen noch „auf den letzten Drücker“ im Kampf gegen „General Winter“ angereist waren. Souverän und charmant führte das „Mainzelmännchen-Duo“ Kathrin Müller-Hohenstein und Rudi Cerne durch die mehr als 90minütige Sendung, die das ZDF am Sonntagabend ab 21.55 Uhr zeitversetzt gesendet hatte.
Beim „Sportler des Jahres“, traf sich bis zum frühen Morgengrauen wieder alles, was Rang und Namen hatte in der Welt von Platzierungen, Pokalen und Prämien. Diskus-Hüne Robert Harting hatte sich entschlossen, an diesem Abend den guten Dr. Jekyll zu geben und nicht den bösen Mr. Hyde, der zuweilen ihn ihm wohnt. Der 25jährige, in Berlin mit Gold im Wettbewerb mit der antiken Scheibe dekoriert, ist in Wort und Tat zumindest ebenso unberechenbar wie Fußball-Torwart Jens Lehmann. Mal ausflippend und polternd, mal den „Charming Boy“ spielend.
Dem Anlass angemessen zeigte er sich im illustren Ambiente des Baden-Badener Kurhauses in Jeans, Hemd und Sakko dieses Mal nicht nur friedfertig, sondern sogar eloquent plaudernd. „Ich werde auch weiterhin Klopapier kaufen müssen“, antwortete Harting auf die Frage, was sich denn für ihn nach seinem WM-Sieg geändert habe. Dritter war der 2,01 Meter große und 126 Kilogramm schwere Modellathlet hinter Schwimmer Paul Biedermann und Formel-1-Nachwuchsstar Sebastian Vettel geworden. Einer von vielen, die alljährlich das Prädikat „Weltklasseathlet im feinen Zwirn“ beim Familienfest des Deutschen Sports verdienen.
Die Tränen nicht zurück halten konnte Steffi Nerius, die ihre zwei Jahrzehnte währende Karriere nicht nur mit dem WM-Titel im Speerwerfen, sondern auch als Deutschlands „Sportlerin des Jahres“ beendete. „Es war einfach ein supergeiles Jahr zum Abschluss.“ Froh und zufrieden, dass sie überhaupt noch einigermaßen rechtzeitig ins Kurhaus zur Ehrung kommen konnte, war Slalom-As Maria Riesch, die über die Stationen Val d’Isère, Genf, Flieger nach Straßburg und von dort mit dem Vip-Shuttle nach Baden-Baden angereist war. „Ich bin erst vor zwanzig Minuten angekommen“ gestand die alpine Ausnahmeläuferin, als sie den Preis für Rang drei hinter Schwimm-Weltmeisterin und Vorjahressiegerin Britta Steffen in Empfang nahm.
Ähnlich erging es Phelps-Bezwinger Paul Biedermann, der nachts um drei in St. Petersburg aufgestanden war, um die Reise an die Oos anzutreten. Gemeinsam mit etlichen „alten“ Spitzensportlern feierte die aktuelle Generation der Medaillengewinner und Weitenjäger bis tief in die Nacht hinein. Angesichts der vielen Kameras und des gigantischen Aufwandes, der heute bei einem solchen Ereignis betrieben wird, meinte der Schwarzwälder Georg Thoma, vor 50 Jahren als Olympiasieger in der Nordischen Kombination „Sportler des Jahres“ zurück blickend: „Meine Mutter hat mir damals gesagt: „Bub, bevor Du was Dummes sagst, sagst Du besser gar nix.“ Und der damalige Ministerpräsident und spätere Bundeskanzler Kurt-Georg Kiesinger „hat mir die Wange getätschelt und gesagt: „Brav, mein Sohn.“
„Ein bisschen traurig, dass ich diesmal nicht oben mitmischen konnte“, war Turn-Europameister Fabian Hambüchen, der bei der WM verletzungsbedingt zuschauen musste. Aber auch ihm erging es so wie Ariane Friedrich, die in Berlin Dritte im Hochsprung geworden war: „Alle, die bei der Wahl vor mir lagen, waren Weltmeister. Da kann man doch nur sagen, dass richtig und gerecht gewählt wurde. Aber vielleicht stehe ich ja auch mal da oben. Es wäre sicher ein tolles Gefühl.“
Eine Königin dieser Sportler-Nacht war zweifellos Britta Heidemann. Die Degenfecht-Olympiasiegerin, 2008 Zweite der Wahl, wurde als Vorbild und für ihr Engagement abseits der Planche (u. a. zugunsten von Kindern) mit dem Sparkassenpreis ausgezeichnet. „Eine besondere Würdigung“, strahlte die attraktive, in ein herrliches Abendkleid gehüllte Athletin. „Es ist einmalig, eine so große Summe für den Sportnachwuchs weitergeben zu können“, erklärte Britta Heidemann, bevor sie sich in Feierlaune unter ihre Sportskameraden mischte.
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