Keine „Sportlerin des Jahres“ in den Top-10: Cavendish und das Cricket-Team
Manchester. 2012 steht Großbritannien im Zeichen der fünf Ringe. Dem vorolympischen Jahr aber drückten Athleten ihren Stempel auf, mit denen nicht viele rechneten. „Sportler des Jahres“ auf der Insel ist der Radrennfahrer Mark Cavendish. Er siegte mit großem Abstand bei der Abstimmung durch die Zuschauer des Fernsehsenders BBC. Bemerkenswert: In der Auswahl der besten Zehn befand sich keine einzige Sportlerin. Darüber herrscht Unverständnis in der Öffentlichkeit.
„Ich bin sprachlos“, freute sich Cav. Der 26-Jährige gewann die Straßen-Weltmeisterschaft und das Grüne Trikot der Punktewertung bei der Tour de France. Er ist nach Tommy Simpson (1965) und Chris Hoy (2008) der dritte Radfahrer, dem diese Ehrung zuteil wurde. Mark Cavendish gewann fünf Tour-Etappen und trug das maillot vert im Team HTC Highroad von der elften Etappe bis auf die Champs Elysées. Unterstützt von seinen Landsleuten David Millar, Bradley Wiggins und Geraint Thomas kurbelte der Mann von der Isle of Man im September in Kopenhagen zum Triumph. „Dass wir in einem relativ kleinen Land Champions hervorbringen können, ist großartig“, sagte Cavendish bei seinem Dank an die Kollegen. So kam das Regenbogen-Trikot nach fast einem halben Jahrhundert wieder nach England.
Als „Mannschaft des Jahres“ wurde die englische Cricket-Auswahl ausgezeichnet. Sie hatte nach 25 Jahren die Trophäe Ashes den Australiern abgerungen. Der Mannschaftsdirektor Andy Flowers wurde als „Manager des Jahres“ geehrt. Ihm wurde der Vorzug vor Sir Alex Ferguson, der seit 25 Jahren Manchester United erfolgreich betreut, gegeben.
Sir Steven Redgrave, im Jahr 2000 nach seiner fünften Goldmedaille im Rudern als „Sportler des Jahres“ geehrt, nahm den Ehrenpreis für seine Karriere entgegen. Bei der Übergabe würdigte die Princes Royal sein Engagement für wohltätige Zwecke. Die Auszeichnung „Overseas Sports Personality of the Year“ erhielt der serbische Tennisspieler Novak Djokovic. Er gewann 2011 drei Grand Slams. Roger Federer und Rafael Nadal waren vor ihm geehrt worden.
„Es empört mich, wie wenig Notiz die britischen Medien vom Frauensport nehmen“, beklagt sich Hope Powell, die Nationaltrainerin der Frauen-Elf. „Wir spielen bei der Weltmeisterschaft und erreichen das Viertelfinale. Wir werden von Medien umlagert. Und dann verschwinden wir in der Versenkung.“ Ob Presse oder Fernsehen, der Frauensport werde stiefmütterlich behandelt. Dabei spielten allein 1,3 Mio. Frauen auf der Insel Fußball. Aber nicht einmal fünf Prozent der Sportberichterstattung betreffe das „schwache Geschlecht“.
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