Sportler des Jahres

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Ingrid Krämer: Gewählt in Ost und West

Vor 50 Jahren, am 31. August 1960, tauchte die Dresdner Oberschülerin Ingrid Krämer-Gulbin mit Salti und Schrauben ins malachitgrüne Wasserbecken in Rom ein. Die erst 17-Jährige wirbelte zum olympischen Gold und durchbrach eine 40 Jahre währende Vorherrschaft der US-Girls. Heute spielen die Triumphe von Brett und Turm nur noch eine Nebenrolle in ihrem Leben, berichtet die einstige Goldspringerin: „Ich feiere vielmehr meine wieder erlangte Gesundheit.“

Der Sport hinterließ Spuren. „Meine Halswirbel waren kaputt, die Arme bereits gelähmt. Den Beinen drohte das gleiche Schicksal. Ich lief Gefahr, querschnittsgelähmt zu werden.“ So mutig die blonde Sächsin einst auf den Turm stieg, vor der Operation packte sie „riesige Angst. Zum Glück ist der Eingriff wunderbar gelungen. Dafür bedanke ich mich bei Ärzten und Schwestern.“ Jetzt kann die einstige Königin des Wasserspringens wieder nach Rüsselsheim reisen, um Tochter Grit und die Enkel zu besuchen.

Die Sächsin, die in Tokio 1964 eine dritte Goldmedaille gewann, ist ein Phänomen. „Ich war 1960 ‚Sportlerin des Jahres’ sowohl der Bundesrepublik als auch der DDR. Und ich ließ es mir nicht nehmen, bei beiden Ehrungen in Baden-Baden und danach in Berlin anwesend zu sein.“ In den Annalen der westdeutschen Wahl ist zu lesen: „Obwohl an der Presse-Umfrage vorwiegend Sportjournalisten aus der Bundesrepublik teilnahmen, wurde eine junge Dame aus der Zone gekürt“… 2248 Punkte gingen an den Teenager, Augsburgs Fechterin Heidi Schmid kam auf Rang 2. Heute, als Rentnerin, verfolgt Ingrid Krämer-Gulbin den Sport aufmerksam. Nach ihrer Genesung will sie auch wieder öfter Veranstaltungen der Wasserspringer besuchen.

 

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