Sportler des Jahres

Mittwoch, 28. September 2016

Sabine Spitz: Mountainbike entspricht Zeitgeist

2008 in Peking erlebte Sabine Spitz (40) ihre größte Stunde: Gold im MTB. Jetzt ist die Südbadenerin bereit für die nächste Challenge – ihr Fokus aber richtet sich im Interview nicht nur auf das Rennen am Samstag, sondern den Sport, ihre Philosophie, die Grenzen des Machbaren.

Ihre Biographie verrät, dass Sie mit dem ersten Mountainbike die Natur erleben wollten (und keineswegs an Rennen dachten). Spürt die Profisportlerin noch heute dieses spezielle Feeling, „outdoor“ in einer besonderen Welt zu sein?
Sabine Spitz: „Das ist für mich nach wie vor elementar. Die Nähe zur Natur, zur Umwelt, zur Landschaft ist für mich eine zentrale Motivation bei den meisten meiner Trainingseinheiten. Ist das Wetter mal schlecht oder die Bedingungen sind schwierig, fällt es mir als Sonnenkind nicht immer leicht, aber tauschen gegen eine Hallensportart würde ich nie wollen. Outdoorsport ist für mich echte Passion“.

Auch das allererste WM-Rennen (Platz 45) lieferte keine Hinweise auf Ihre imposante Karriere. Gab es einen Punkt, da der Entschluss reifte: Ja, ich will…
Sabine Spitz: „Hmm, eigentlich war meine frühe erste WM-Teilnahme schon so ein Punkt wo ich das Gefühl hatte, dass da deutlich mehr drin ist. Ich bin da aus der letzten Startreihe auf Position 180 ins Rennen gegangen. Im heimischen Schwarzwald war das 1995 für mich als junge Wettkampsportlerin ein einzigartiges Ereignis. Wenn Du so früh die Chance hast vor 30.000 begeisterten Fans zu fahren, ist das ein emotionales Erlebnis, das Dich unheimlich motiviert, deine Grenzen auszuloten und dir neue Ziele zu setzen.“

Der erste WM-Titel 2003, das Jahr 2007 mit zwei EM-Siegen, 2008 der Olympiasieg – das klingt so logisch. Aber wie hart ist es, sich an diese absolute Weltspitze zu kämpfen. Was muss man an Entbehrungen, Einsatz, Willenskraft auf sich nehmen?
Sabine Spitz: „Darüber habe ich mir nie wirklich Gedanken gemacht. Vielleicht auch weil ich erst mit 22 zum Leistungssport gekommen bin. Es war ein neuer Lebensabschnitt und ich liebe das, was ich tue. Es war auch eine Entwicklung step by step in der man sich immer wieder neue Ziele gesetzt hat. Irgendwann werde ich vielleicht etwas anderes machen, dies aber dann sicher mit der gleichen Ausdauer und Hingabe.“

Und dann entdeckten die Medien, die Wirtschaft, Ihren Sport. Heute gleicht das Start- und Zielgelände Ausstellungen und Fan-Parks. Der erst 1996 olympisch gewordene Sport ist heraus aus einsamen Wald-Passagen…
Sabine Spitz: „Mountainbike ist eine sehr progressive Sportart. Wir sind so etwas wie die Trendsetter des Radsports, das in diesem von Traditionen geprägten Umfeld viel Innovation gebracht hat. Mountainbike ist cool, authentisch, voller Action und naturverbunden. Das entspricht genau dem Zeitgeist, so dass es eine breite Masse von Fans gibt, die auch den Wettkampfsport nach vorne bringen.“

Welche Ziele verfolgt Ihre eigene Stiftung?
Sabine Spitz: „Es geht mir darum, benachteiligte Jugendliche die vornehmlich aus einem schwierigen familiären Umfeld kommen, durch verschiedene Projekte zu integrieren und ihnen Perspektiven aufzuzeigen. Das funktioniert besonders gut über Sportprojekte. Die Stiftung schafft die Möglichkeit, solche Sportprojekte auf den Weg zu bringen und zu betreuen.“

Sie halten Vorträge vor Wirtschafts-Experten, erklären Managern, wie man sich mit 10 Minuten Sport pro Tag fit hält, sind Buchautorin – parallel dazu verläuft die Karriere. Erklären Sie bitte Ihr Zeit-Management, denn der MTB-Sport ist ein Full-Time-Job.
Sabine Spitz: „Das ist in der Tat nicht immer ganz einfach. Wichtig ist, sich Prioritäten zu setzen und die einzelnen Aufgaben dann mit voller Konzentration zu erfüllen. So habe ich das bisher alles ganz gut hin bekommen, auch wenn es oft ein Spagat ist, gerade während der Wettkampf-Saison. Man muss auch ein Stück weit flexibel sein und die Dinge kreativ organisieren. So wird z.B. mancher PR-Termin auf der Heimfahrt dann zur Trainingseinheit.“

Und wie könnte Teil II Ihrer Karriere im Sport einmal aussehen. Das Sabine Spitz Mountainbike Team gehört zu den besten der Welt.
Sabine Spitz: „Das eigene Team ist tatsächlich so eine Geschichte die ich auch mit Blick auf die Zeit nach meiner aktiven Karriere auf den Weg gebracht habe. Das eigene Team habe ich seit 2008 am Start. Ich kann da meine ganze Erfahrung einbringen und an die jungen Team-Fahrer(innen) weitergeben. Außerdem kenne ich das Umfeld mit Medien, Verbänden, Veranstaltern sehr gut und weiß genau was wichtig ist, um ein solches Team erfolgreich führen.“

Eines Ihres Lebensmottos lautet ‚Einmal mehr aufstehen als hinfallen’ Leicht gesagt, dazu benötigt man/frau eine positive Einstellung. Hilft der Sport elementar, sich diese Philosophie anzueignen?
Sabine Spitz: „Sport ist per se immer ein auf und ab, nie eine Einbahnstrasse wo es immer nur nach oben geht oder nach unten. Wenn man an sich glaubt und den notwendigen Weitblick hat, ist man im Sport – aber auch sonst – sehr erfolgreich. Davon bin ich überzeugt. Dafür gibt es keine bessere Schule als den Hochleistungssport.“

Für die Games in London wurde auf der heimischen Trainingsstrecke eine Schlüsselpassage imitiert, der letzte Test beim Weltcupfinale (Anm. Platz 6) verlief vielversprechend. Also kann die Herausforderung auf dem neuen Kurs in Hadleigh Farm (Anm.: 45 Railway-Minuten von London entfernt) beginnen.
Sabine Spitz: „Ja, das Rennen in Val d’Isère war gut für das innere Gefühl. Der Kurs hier liegt mir, hoffentlich wird es nicht zu englisch-kühl. Eine Medaille ist das Ziel, aber dafür kommen rund 12 Sportlerinnen in Frage. Nie war die Spitze breiter.“

 

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