Qual der Wahl mit offenem Ausgang
Baden-Baden. Da staunten die Journalisten bei der Pressekonferenz zum Sportler des Jahres 2011: Im „Brenner’s Parkhotel“ in Baden-Baden verteilte Klaus Dobbratz von der veranstaltenden Nachrichtenagentur ISK Kopien von der allerersten Wahl 1947: ein vergilbtes Blatt Papier aus den Tiefen des Archivs, darauf Bleistiftnotizen und einige Namen, ganz oben der von Tennisspieler Gottfried von Cramm. Inzwischen ist aus der einst kurzfristig initiierten Telefonumfrage eine riesige Veranstaltung geworden. Am 18. Dezember werden zum 65. Mal Sportler, Sportlerin und Mannschaft des Jahres geehrt, vor über 600 Ehrengästen und den TV-Kameras des ZDF.
Wen wählen die deutschen Sportjournalisten am Ende einer „olympiafreien“ Zeit? Sie haben die Qual der Wahl, die Vorschlagsliste führt allein 30 Mannschaften und 57 „Solisten“ auf. „Es war ein sehr unterhaltsames Sportjahr“, resümiert Dieter Gruschwitz, Sportchef des „Zweiten“, aber eine Prognose wagt er nicht. Er freut sich vielmehr „auf eine Veranstaltung, bei der die Athleten im Mittelpunkt stehen, nicht die Show.“ Im Kurhaus an der Oos bleibt die große Athletenfamilie unter sich und das weiß auch Elisabeth Seitz. „Ich freue mich auf einen unterhaltsamen und spannenden Abend“, so die Vize-Europameisterin im Turn-Mehrkampf. Für Speerwurf-Weltmeister Matthias de Zordo, schon im Vorjahr dabei, bildet die Gala „den krönenden Abschluss eines Superjahres“.
Klaus Dobbratz nannte Namen vermeintlicher Favoriten: „Dirk Nowitzki schaffte einzigartiges“, aber auch der im Vorjahr gewählte Formel-1-Pilot Sebastian Vettel, Motorrad-Champion Stefan Bradl und die werfenden Weltmeister Robert Harting, David Storl und Matthias de Zordo. Während David Schnabel als sechsmaliger Kunstrad-Weltmeister seine Chancen kaum einzuschätzen vermag, „denn wir sind ja nicht olympisch“. Bei den Damen wurden die Winter-Asse Maria Höfl-Riesch, Magdalena Neuner und Jenny Wolf genannt, in der Mannschaftswahl die Fußballer von BVB und DFB, aber auch der Ruder-Achter, der Viererkajak und der Machata-Bob.
Frühlingshafte Temperaturen Anfang Dezember in der Kurstadt – das wäre auch am Vierten Advent nach dem Geschmack der Organisatoren, denn „Frau Holle“ hat schon manch aufreibende Momente beschert. Als vor Jahresfrist Philipp Lahm, Kapitän der Nationalelf, am Ehrungsabend kurz vor Aufzeichnungsbeginn per Privatflieger über den Schwarzwald gebracht werden musste, weil Eisregen den Hubschrauberflug vereitelte. Oder als Michael Schumacher sich persönlich hinters Lenkrad setzte, das Shuttleauto samt verdutztem Chauffeur über die tief verschneite Autobahn A5 lenkte, um pünktlich am Ziel zu sein. Erlebnisse, auf die der Veranstalter gerne verzichten würde.
Mit den Hauptdarstellern des Abends am 18. Dezember steht Klaus Dobbratz in ständigem Kontakt, die Vorfreude überwiegt. Zumal das Kurhaus nach umfangreichem Umbau in neuem Lichte erstrahlt. Brigitte Goertz-Meissner von der Baden-Baden Events GmbH weiß um die Signalwirkung der Sportler-Ehrung: „Diese Veranstaltung ist für unsere Stadt ein Höhepunkt.“
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