„Ich wäre gerne bei euch dabei gewesen“, sagte der trotz aller Erfolge uneitle Superstar Dirk Nowitzki – und schickte liebe Grüße ins Baden-Badener Kurhaus, wo sich die Kollegen Spitzensportler, die Funktionäre und die Journalisten im Saal bereits Garnelen mit Spargelspitzen zur Vorspeise und das Rinderfilet an Griesnockerln als Hauptgang hatten schmecken lassen. Zwei völlig unterschiedliche Charaktere bekam das Publikum bei der 65. Sportlergala bei den Frauen präsentiert: hier die Siegerin und dreifache Biathlon-Weltmeisterin von 2011, die Wallgauerin Magdalena Neuner, die aufgrund des Rummels um ihre Person ihre Karriere im Frühjahr mit dann 25 Jahren beenden wird; dort die Zweite Andrea Petkovic, die gerne die Aufmerksamkeit auf sich zieht.
Stuttgarter Zeitung
Nowitzki wäre gerne zur Preisverleihung in den Galasaal des Kurhauses von Baden-Baden gekommen. Er fühlt sich wohl unter den Meistern des Spitzensports. Aber wegen des langen Tarifstreites sind die Teams erst seit gut einer Woche im Training. Am nächsten Sonntag steht das erste Spiel an. Niemals hätte Teambesitzer Mark Cuban seinem besten Mann die Freigabe zu einem Abstecher nach Deutschland erteilt.
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Es war kurz nach Mitternacht, als Magdalena Neuner im Kurhaus in Baden-Baden ein kleines Rindersteak zum Abendbrot aß. Rund vier Stunden nach den anderen Gästen. Die Ehrung zur deutschen Sportlerin des Jahres hatte sie mit schmucker neuer Frisur entgegengenommen, danach folgte für die Bayerin ein Marathon mit Fotoaufnahmen, Videos, Interviews und Autogrammen. Auch Sportler zückten Zettel, Bilder und Handys, um Magdalena Neuner für sich zu verewigen. Es war beeindruckend, mit welcher Freundlichkeit die 24-Jährige das alles erledigte.
Ostthüringer Zeitung, Gera
Bei der großen Sportler-Ehrung, der 65. Auflage der Wahl im Galasaal des Kurhauses, war Baden-Baden bei den Mannschaften in Dortmunder Hand. Sieger Borussia Dortmund. Zweiter die deutsche Fußball-Nationalmannschaft, die ja inzwischen auch wieder mit einer ganzen Reihe Spieler aus Dortmund bestückt ist. Und Dritter die Ruderer des Deutschland-Achters. Die waren am Fest-Tag aus dem Trainingslager in Italien angereist. „Mit Verkehrsproblemen“, wie Bundestrainer Ralf Holtmeyer verriet. Und die Ruderer hatten einen straffen Zeitplan.
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Und schon sind wir bei Magdalena Neuner, über die Christian Neureuther (der es als Rosis Mann wissen muss) einmal sagte: „Wenn du der ins Gesicht schaust, geht’s dir richtig gut.“ Auch uns Sportjournalisten. Hinter der Neuner machen wir unser Kreuzchen, ohne Antidopingprofessor Franke lange zu fragen, ob bei ihr wohl alles mit rechten Dingen zugeht, also mit Müsli und Naturheilkräutern. Die Hand würden wir uns abhacken lassen für dieses bayerische Naturwunder mit dem offenen Lachen.
Die Welt
Was soll ich anziehen? Sichtlich wohl auf dem Parkett im Kurhaus fühlte sich Andrea Petkovic, bei den Frauen die Nummer zwei. „Ich habe drei Wochen lang ein bisschen Alpträume gehabt, was ich anziehen soll“, meinte die Weltklassefrau mit dem Tennisracket. Ehe sie mit den Moderatoren Rudi Cerne und Katrin Müller-Hohenstein ein Tänzchen wagte. Bei der Pressekonferenz gab sie sich bescheiden: „Von Steffi Graf bin ich noch meilenweit entfernt.“
Augsburger Allgemeine
Lena in Royalblau. Für Frauenpower sorgte auch Biathlon-Königin Magdalena Neuner, standesgemäß in Royalblau gehüllt. Die zehnmalige Weltmeisterin sorgte mit ihrer Aussage für Erheiterung, dass ja jeder im Saal wisse, dass sich ein achter Weltmeistertitel anders anfühle als ein zweiter. Die 24-Jährige, die im kommenden März ihre Karriere beenden wird, kündigte an: „Ich werde sicher wiederkommen, dann ganz ohne den Stress eines Wettkampfs.“ Es klang nicht wie ein leeres Versprechen.
Nürnberger Nachrichten
Männer-Jahr. Wenn Leichtathletik-Weltmeister (Harting, de Zordo, Storl) es bestenfalls auf Platz fünf schaffen, wenn (der vorübergehende) Platz eins der Golf-Weltrangliste nicht mehr einbringt als Rang sieben (Kaymer) und auch ein blutjunger Motorrad-Champion und ein – Sensation – deutscher Surfweltmeister mit 17 nicht auf dem Wahl-Stockerl landen, dann ist der Beweis erbracht: Die Männer sind die Krone der Schöpfung – zumindest im Sportjahr 2011 war es so (früher nicht immer, da fiel die Wahl unter lauter starken Frauen schwer).
Münchner Merkur
Sympathisch und bescheiden. Sowohl Sebastian Vettel als auch Dirk Nowitzki hätten es verdient gehabt, zum „Sportler des Jahres“ gewählt zu werden. Doch es kann nur einen geben. Sympathisch und bescheiden hat NBA-Triumphator Nowitzki nicht nur seine Sportart hierzulande populärer gemacht – er ist auch der erste Mannschaftsspieler auf dem Thron in Baden-Baden. Das macht die Ehrung noch wertvoller.
Schwarzwälder Bote (Oberndorf)
Kaymer hätte Dirk gewählt. Trotz des überragenden Formel 1-Weltmeisters Sebastian Vettel sieht auch Golf-Star Martin Kaymer in Dirk Nowitzki Deutschlands wahren Sportler des Jahres 2011. „Wenn ich bei der Wahl eine Stimme gehabt hätte, so hätte sie Dirk erhalten. Ich habe das ganze Jahr über die NBA-Saison verfolgt und es ist unglaublich, was er geleistet hat.“ Der Weltranglisten-Vierte aus Mettmann fand sogar: „Als MVP den Titel zu holen, ist einfach überragend und bedeutet Sportgeschichte. Dirk Nowitzki ist für mich auf und abseits des Spielfeldes ein Vorbild. Deutschland kann stolz sein, so einen Botschafter zu haben.“
Thüringer Allgemeine (Erfurt)
Die Show vor Ort. Das Beste seines Auftritts auf der großen Leinwand bekamen die TV-Zuschauer gar nicht mit, nur die vor Ort. Selbst ein Knuddelchen wie Magdalena Neuner, selbst ein Jürgen Klopp konnte da mit der Fülle an Sympathie, die diesem Dirk Nowitzki zufloss, nicht mithalten. Als der noch angestöpselt wurde und mehrere Minuten trotzdem Zwischenrufe der Moderatoren nicht merkte, bereits sichtbar zu sein, alberte er herum, biss in seine Trophäe oder sein Handy, schnitt er eher weniger attraktive Grimassen und klemmte sich eine Wäscheklammer an die Nase. Im Kurhaus lacht die Sportelite.
Main-Post (Würzburg)
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