Paralympics-Star tauscht Ski und Gewehr gegen Bücher und Vorträge ein
München. „Der Sport“, sagt Verena Bentele, „hat mir so vieles gegeben. Ich durfte tolle Menschen kennen lernen und wunderschöne Momente erleben.“ Dass nun trotzdem Schluss ist mit dem Leben in der Skilanglauf- und Biathlon-Loipe, liegt daran, dass die Münchnerin mit beiden Beinen mitten im Leben steht und stets neue Ziele anvisiert. Obwohl sie niemals den Schnee vom Himmel fallen sah. Verena Bentele, von Geburt an blind, meistert ihr Dasein auf beeindruckende Weise und startet 2012 in einen neuen Abschnitt durch.
Sie ist ein Aushängeschild nicht nur für den Behindertensport und schon deshalb erfuhr die blonde 29-Jährige mit dem „Sparkassenpreis für Vorbilder im Sport“ zu Recht eine besondere Ehrung. Auf der Baden-Badener Bühne bekam Verena Bentele im Rahmen der Gala „Sportler des Jahres“ die Auszeichnung überreicht und dabei gab die zwölfmalige Paralympics-Siegerin und vielfache Weltmeisterin auch in der feinen Abendrobe eine gute Figur ab. Die Bayerin glänzte als Rednerin, die es versteht, ihre Zuhörer zu fesseln und Behinderten wie nicht Behinderten Mut zu machen. Der mit dem Preis verbundene Förderbetrag von 40.000 Euro wird jeweils zur Hälfte sie auf ihrem weiteren Weg unterstützen sowie Sportlern ihrer Wahl helfen. Verena Bentele entschied sich, „ihren“ PSV München und den Verein zur Förderung des nordischen Behindertenskilaufs Deutschland e.V. zu unterstützen.
„Für mich beginnt jetzt das Leben nach dem Leistungssport. Ich bin mir sicher, dass diese Entscheidung, die in den letzten Monaten gereift ist, die richtige ist“, lässt sie ihre Gedanken lieber in die Zukunft schweifen als in die Vergangenheit. Denn für Verena Bentele hat das Leben mehr zu bieten als nur Sport. Ihre neuen Leidenschaften: ein bisschen Radsport, etwas Dauerlauf. Und vor allem „Gehirnjogging“: 2011 schloss die gebürtige Lindauerin das Magisterstudium in Neuer Deutscher Literatur mit „sehr gut“ ab. Sie hält Vorträge über Kommunikation und Motivation, engagiert sich für gehandicapte Kinder, ist Botschafterin des Internationalen Paralympischen Komitees. Aber auch für Verena Bentele, die eigentlich Übermenschliches leistete, hat ein Tag nur 24 Stunden. Und deshalb fährt sie ihre Ambitionen auf dem Rennrad, als WM-Achte im Zeitfahren, zurück und betreibt Sport nur noch als Hobby, „auch wenn es mir schwer fällt“. Mit einem Piloten auf dem Tandem ganz locker die Alpen durchqueren, ohne Wettkampfdruck, darauf freut sie sich.
Die vielen Jahre, die sie auf Spinning Bikes, Laufbändern, unter Hanteln oder auf Langlauflatten und Rollerski schwitzte, sind Vergangenheit. Sympathisch, offen, optimistisch, intelligent: Verena Bentele ist das „Gesicht“ des Behindertensports. Nagano, Salt Lake City, Turin und Vancouver waren „ihre“ Stationen. Heute resümiert sie zufrieden: „Wir paralympischen Sportler genießen nur alle vier Jahre große Popularität, dazwischen lässt das Interesse stark nach. Aber es wird insgesamt immer besser.“ 2010 war sie bei der Wahl zur „Sportlerin des Jahres“ als Vierte nah am Podium, während ihre nicht behinderte Kollegin Magdalena Neuner gerade zum zweiten Mal ganz oben stand. „Wir haben beide über die Parallelen in unseren Karrieren gelacht“, so Neuner, die ebenfalls Skilatten und ihr Biathlon-Gewehr auf dem Höhepunkt ihrer Karriere einmottet. Bentele konstatiert: „Es gab schon einige Überredungsversuche, dass ich weiter machen soll. Aber ich war immer eine Sportlerin mit einem Dickkopf und ich weiß, dass meine Entscheidung richtig ist.“
Immer auf dem Laufenden bleiben: Hier können Sie den Sportler des Jahres als XML-Feed abonnieren.
Copyright © 2011 isk Holzgerlingen. Alle Rechte vorbehalten.
Realisation: www.prc.de | info@sportler-des-jahres.de | Impressum