Sportler des Jahres - Artikel nach Datum gefiltert: Februar 2018

Olympia: Quantum Vorfreude auf Baden-Baden

Lange wird man – aus deutscher Sicht - diese Spiele im Gedächtnis behalten. 14 Goldmedaillen, eine unglaubliche Bilanz. Nur von Norwegen (39) in der Anzahl der Podiumsplätze überflügelt. Die klassische Wintersportnation der Wikinger, den ganzen Winter über mit Schnee gesegnet, musste sich gewaltig strecken, um seinen kleinen Vorsprung, dank Björgen-Gold (wer sonst?), zu retten.

Die rauschende Begrüßung in Frankfurt gehört bereits ebenso der Vergangenheit an wie die koreanischen Reminiszenzen. Leider oft wenige Zuschauer, mit Ausnahme am Rande der Eisflächen, beim Skeleton und Bob. Aber hilfsbereite Volunteers. Die Oly-Gäste bekamen nach Spätabend-Entscheidungen höflich und mit Verbeugung noch etwas zu essen. Deshalb hatten wir und ganz viele andere die putzigen Maskottchen Saahorang und Bandabi im Rückflug-Gepäck. Es hat Spaß gemacht.

Damit können die Veranstalter der Gala „Sportler des Jahres“ ihre Planungen prompt einleiten. Man kennt die Heldinnen und Dominatoren der Spiele. Und traditionsgemäß haben Medaillen aus der Kälte einen hohen Stellenwert beim Votum der Sportjournalisten zum Jahresende. Erstellen wir deshalb eine zeitige Liste der Referenz-Träger. Titelverteidigerin Laura Dahlmeier zog gleich mehrere Optionen. Zweimal Gold und Bronze im Biathlon, die Power-Frau aus Garmisch-Partenkirchen kämpfte bis zur absoluten Erschöpfung. Eine mögliche Konkurrentin im Punkte-Duell könnte die Rodel-Olympiasiegerin Natalie Geisenberger sein, die ihren Schlitten zum dritten Mal punktgenau durch die Ringe, pardon das schwierige Labyrinth mit der verflixten Kurve 9, steuerte. Wie Dahlmeier dürfte sie zum Saisonende noch die Weltcup-Gesamtwertung abräumen, doch das ist eigentlich Usus bei diesen Ausnahme-Athletinnen.

Sportler des Jahres – ein Teamduell? Fahnenträger Eric Frenzel brachte eine Medaille (Silber im Einzel) mehr heim als Johannes Rydzek, der im letzten Dezember auf der Kurhausbühne in Baden-Baden den schlanken Pokal entgegengenommen hatte. Frenzel war vor vier Jahren als Zweiter dicht dran, die Trophäe von 2014 hat seither einen markanten Platz auf dem Sims im Wohnzimmer. Der nächste im Bunde möglicher Kandidaten kennt die alljährliche Gala am Rande des Schwarzwalds ebenfalls schon persönlich. Als Team-Springer des DSV-Geschwaders. Jetzt hat der 22-Jährige Andreas Wellinger Eigenwerbung betrieben. Gold und Silber im Einzel, die Mannschaft auf den zweiten Platz katapultiert.

Das richtet den Blick auf die Kollektive. Sowohl der Tobi-Express Wendl/Arlt wie die Mixedstaffel im Rodeln sorgten für Bestzeiten. Francesco Friedrich holte mit Zweier- und Viererbob das Maximum heraus. Einmal auf die Hundertstel zeitgleich mit seinen Rivalen aus Kanada: zwei Besatzungen bestiegen in PyeongChang gleichzeitig den Thron. Noch besser, wenn man alle im Griff hat. Das gelang dem Sachsen am allerletzten Tag der Spiele in Koreas Nordosten. Es war vielleicht der D-Sunday für die Geschichtsbücher. Team Germany hatte völlig überraschend (nach Siegen gegen Weltmeister Schweden und Olympiasieger Kanada) das Eishockey-Endspiel erreicht. Nie sah man mehr Zuschauer in den roten Germany-Jacken bei einem deutschen Auftritt: das gesamte DOSB-Team machte Radau auf der Gegentribüne, aus der Heimat waren Hunderte in den gelben Nationaltrikots angereist. Bis das Schreckliche geschah: in Überzahl kassierten die Schützlinge von Coach Marco Sturm 55,5 Sekunden vor der Sirene den Ausgleich – und verloren gegen die russische Olympia-Vertretung in der Verlängerung (3:4). Ach‘ Quatsch: dieser Raid durch die Hallen unten am Meer, in Gangneung, das allererste Endspiel, besitzt Legenden-Charakter. Als würde Erzgebirge Aue im DFB-Pokal die Bayern weghauen.

Team des Jahres“ die Puckjäger? Ganz vorsichtig bitte. Die Kombinierer holten nicht nur das gemeinschaftliche Gold, sondern okkupierten im zweiten Einzel das Podest komplett. Mehr geht nicht. Auch nicht, was Aljona Savchenko und Bruno Masson im Eiskunstlauf ablieferten. Ins Olympia-Glück gesprungen von scheinbar aussichtloser Position, aufgrund einer Kür aus dem Lehrbuch. Dank Berge versetzenden Willens, der viele deutsche Teilnehmer bei den XXIII Winterspielen auszeichnete. Die Februar-Bilanz in Asien: ein starkes Versprechen für die Sportler-Gala in Baden-Baden. Ein Quantum Vorfreude auf den 16. Dezember kommt auf.

Bild: Martin de Jong

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Medaillen-Dusche In- und Outdoor

Längst wissen regelmäßige Besucher des Deutschen Hauses oberhalb von PyeongChang, wie man sich zu verhalten hat, wenn Medaillengewinner das Podest betreten. Dann heißt es feiern, jubeln, verstecken, wegducken. Sekt-Dusche ist angesagt. Ob Kombinierer, Rodler, Bobfahrer oder Biathleten, alle zelebrieren den schäumenden Überfluss à la Formel 1, bewaffnet mit Henkel-Magnumflaschen. Als Mariama Jamanka – nach Gold im Zweier - die vorderste Reihe ins Visier nahm, wurde sie von ihrer Anschieberin Lisa-Marie Buckwitz selbst erwischt. Alle Interviews hinterher also im nassen T-Shirt. Egal. Hauptsache, gewonnen. Und die Macher des DH ziehen auch ein positives Fazit. Nicht nur nach Medaillen, die täglich mehr wurden, sondern auch in Bezug auf die Gäste, vor allem aus der Wirtschaft. Die sich in diesem Eckchen Germany, sonst ein Golf-Club, pudelwohl fühlten. Dank des guten Speise-Angebots im lukullischen Sonderland Südkorea.

Sie feierten, studierten das Duell im Medaillenspiegel mit Norwegen – die Sportler (auch jene ohne vordere Platzierung) kamen nach ihren Wettkämpfen quasi alle hier hoch. Teammitglieder in ihren roten Germany-Jacken dominierten das Ambiente, die Stimmung konnte nicht besser sein. Sotschi wurde in Sachen Edelmetall deutlich getoppt, man ist bis zur letzten Chance bei Viererbob und Eishockey in Tuchfühlung zur Rekordausheute von Salt Lake City 2002 mit 36 Podest-Rängen.

Bemerkenswert für ein Land, in dem geschlossene Schneedecken manchmal in den Mittelgebirgen, regelmäßig jedoch nur entlang der Alpen vorkommen, und das sich jetzt auf Eis und Schnee hochschaufelt. Erste Vorschläge, die nordische Kombination nach drei Olympia-Triumphen umzutaufen kursieren bereits. Bayerisch-sächsischer Winterzweikampf klingt sperrig, zumal einer (Fabian Rießle) aus dem Schwarzwald und damit Baden-Württemberg stammt. Bitte um weitere Entwürfe.

Vor allem aber stimmt die Infrastruktur. Deutschland, das Eldorado der Bob- und Rodelbahnen mit einer weltweit einzigartigen Dichte. Viele Erfolge sind deshalb homemade. Und dank der wissenschaftlich-technischen Unterstützung von FES und IAT flutschen die Kufen zunehmend besser. Das einstige Material-Manko wurde in einen Vorsprung umgedreht. Made in Germany für den Sport. Trotzdem stehen die Athleten im Mittelpunkt. Die Willensleistung der Eishockey-Cracks, die erstmals in ein olympisches Finale stürmten oder die Überraschungen im Snowboard durch Selina Jörg (Silber) und Ramona Theresia Hofmeister (Bronze).

Am Sonntag und Montag reist das Team D in zwei Gruppen nach Hause. Jammerschade, dass unser Februar-Märchen damit endet. Die Zuschauer zuhause konnte vor den Bildschirmen gar nicht genug bekommen, von der Fünf-Ringe-Gala. Man muss sie vertrösten. Beim „Sportler des Jahres“ am 16. Dezember in Baden-Baden sehen wir viele PyeongChang-Helden wieder. Das nächste Winter-Spektakel.

Bild: picture alliance

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NoKo kein Biathlon-Ersatz mehr

Hermann Weinbuch ist keiner, der auf den Tisch springt, um zu feiern. Er genießt meist lieber still. Wenn es stilecht wäre aber müssten die deutschen Kombinierer ihren Coach mindestens auf einem Piedestal positionieren. Roten Teppich auslegen, Lorbeerkränze bereithalten. Und eine Verbeugung, tiefer, als hier von jedem Koreaner praktiziert, anbringen. Vor allem der 57-Jährige Ex-Allrounder gilt als Vater der sagenhaften Erfolgsserie. Gold für Frenzel im ersten Einzel, das komplette Podium am Mittwoch in PyeongChang. Mehr geht nicht. Statistiker erinnern an das deutsche Podium 1988 in Seoul. Das war Fechten mit Anja Fichtel, Sabine Bau, Zita Funkenhauser. Bilder und Erfolge für die Ewigkeit.
Weinbuch hat sie alle getrimmt, gebremst, gelenkt. Unterschiedliche Charaktere wie der Weltcup-Dauersieger Eric Frenzel aus dem Erzgebirge, „Sportler des Jahres“ Johannes Rydzek aus dem bayerischen Allgäu. Hinzu der Schwarzwälder Fabian Rießle, der in diesem Winter einen Quantensprung auf dem Bakken und erst recht in der Loipe machte.
Jetzt – nach dem Team-Wettbewerb – sind sie „top oft he world“, die Kombinierer des DSV. Im vergangenen Winter quasi unschlagbar, hatten sie beim Anlauf zu den Spielen in Korea plötzlich das Hinterherlaufen einstudiert. Die Norweger hatten ihrerseits ihr Wellental durchschritten und dominierten wie es sich in einem nordischen Wettbewerb für zünftige Wikinger ja auch gehört. Und der Japaner Watanabe erstürmte beim Super-Event in Seefeld das sonst von Frenzel gepachtete Podest. Weinbuch? Blieb ruhig, der Weg nach Olympia sei noch lang, meinte der Über-Trainer. Auguren hielten dagegen, das würde Nichts mit Olympia. Der sagenhafte Vorsprung sei schneller aufgebraucht als Schnee im milden Breisgau.
Das Gegenteil ereignete sich in den Bergen oberhalb des Ostmeeres. Auf den Punkt so topfit, dass die Herren Frenzel und Rydzek– zusammen mit dem Team – frühzeitig für die Sportler-Wahl zum Jahresende in tragende Rollen schlüpfen könnten. Auch weil sie – auch dank Hermann Weinbuch – eine Sportart in den Fokus, in die Medien und in die Öffentlichkeit führten, die früher meist nur über die Bildschirme flimmerte, wenn Biathlon aufgrund von Starkwinden verschoben wurde.

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Wenn der Medaillenregen nicht nachlässt

Salopp ausgedrückt könnte man sagen: dem Team Deutschland fliegen die Medaillen nur so um die Ohren. Speziell die DSV-Adler um Andreas Wellinger blieben in Fluglaune: Silber für das Team. Dass sie am Montagabend gegen die starken Norweger im Teamwettbewerb nach zwei Durchgängen eher geringe Chancen auf Gold hatten, sei’s drum. Denn Silber glänzt mindestens genauso schön, weiß Olympiasieger Andreas Wellinger, der bereits am Wochenende seine erste Silberne – zusammen mit Skeleton-Ass und Newcomerin des Jahres 2017 Jaqueline Lölling – im Deutschen Haus, in den Bergen Pyeongchangs, begießen konnte. Nun also ein weiterer Stockerlplatz für den Deutschen Ski Verband. Die Freude darüber – zeitgleich wird über die Alpinen die Nase gerümpft – ist immens. Und so bringen sich die DSV-Adler in (Pole?-)Position, wenn im Dezember die deutschen Sportjournalisten dazu aufgerufen werden, die Mannschaft des Jahres zu wählen. Das Team hat sicherlich gute Chancen, aber gleichzeitig starke Konkurrenz.

Zur selben Zeit wie die Springer schossen im Zweier der Männer die Bobs durch den Eiskanal. Gleich drei Teams aus Deutschland hatten sich für die Olympischen Spiele qualifiziert und wollten es den Rodlern und Skeletonis gleichtun: Medaillen abräumen. Nach zwei Läufen lagen Nico Walther und Christian Poser auf dem Goldplatz, dahinter die Kanadier, Johannes Lochner und etwas zurück auf Platz 5 Francesco Friedrich. Beim Finale Furioso landeten Friedrich, der sich im dritten Lauf zurück auf den zweiten Platz kämpfen konnte, und der kanadische Zweierbob einen ungewöhnlichen Coup. Die „Ahornblätter“ und die deutsche Crew mit Friedrich und Thorsten Margis landeten gemeinsam auf Platz 1. Für beide Schlitten wurde die identische Zeit gestoppt, „sicherlich auch dank des Kopfeinziehers“, der vielleicht einige Tausendstelsekunden einsparte, wie Friedrich während der DOSB-Pressekonferenz erläuterte.

Das macht Lust auf mehr. Die Damen in Zweier und die Königsdisziplin Viererbob am Sonntag könnten diese für Team D so erfolgreichen Olympischen Spiele in Pyeongchang krönen.

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Abseits

Die Eindrücke, die man als Medienvertreter während der Olympischen Spiele sammeln kann, sind in Südkorea endlos. Nicht nur sportliche Highlights fallen einem während dem dreiwöchigen Aufenthalt in Asien ins Auge, sondern auch was abseits des Rampenlichts passiert.
Wer die offizielle „Pyeongchang 2018“ App auf seinem Smartphone installiert hat, um per Liveticker immer über sämtliche Ergebnisse informiert zu sein, bekommt zwischendurch auch Notfallhinweise. Weil die Trockenheit extrem ist, surren täglich Warnmeldungen in Landessprache („kein Feuer im Freien, Zündhölzer nicht achtlos wegwerfen“ etc.) über die Mobil-Telefone. Während einer Bus-Tour höchst abwechslungsreich, wenn plötzlich Dutzende von Handys Alarm schlagen. Was tun? Auf Regen warten, der ist nach den XXIII Winterspielen angesagt.
Essenszeiten sind gewöhnungsbedürftig. Weil fast alle Wettkämpfe in der Nacht enden, beginnt der Run von Zuschauern oder Akkreditierten nach Mitternacht auf die Lokale. Es gibt genügend, einige sind auf die Late-Night-Esser eingestellt. Plätze finden ist schwierig, Zusammenrücken obligatorisch. Auf den überall montierten Riesen-Fernsehern flimmern meist Kochsendungen, was die Hungernden beim langen Warten nicht unbedingt positiv stimmt. Bei panierten Hühnchen-Schenkeln nimmt der Gedanke an heimisches Essen allerdings von Tag zu Tag zu.
Immerhin gibt es automatisch Amuse-gueules. Auf koreanisch: Essiggurken und ein anderes (weißes) Naturprodukt. Die sind im Nu verputzt, bevor die Hühnchen kommen. Scharf, sehr scharf, teuflisch scharf. Immer paniert, üppig, eigentlich lecker. Aber halt um 1.30 Uhr ein bisschen wie der Metallklotz im Magen wirkend. Landestypisches Bier dient als (Runter-)Spülmittel.
Nach den verdrückten Hühnchen sofort ins Bett zu kullern, ist eher ungemütlich, also ist noch ein Abstecher ins „Nuts“ nötig. Das Café liegt unweit des Media Village (GMV) und hat sich durch Mundpropaganda zur Stammkneipe für Gäste aus aller Welt gemausert. Wer hier nicht war, hat die Olympischen Spiele verpasst. Hier treffen sich alle, Charaktere, Nationen, Kulturen. Eben genau, was diese vielfältigen Spiele im beschaulichen Gangneung ausmacht. Und ab und zu, spricht auf einmal die ganze Bar deutsch.
Die Koreaner haben sich mit Olympia angefreundet. Dank High Tech. Die operieren bei Fragen mit mobilen Übersetzungsgeräten, weil Englisch so verbreitet ist wie Sauerbraten mit Spätzle. Aber einige Standard-Floskeln haben sie drauf. „Sold out“ (wenn die Kneipe überfüllt ist) oder „Closed“ (wenn nur noch die Angestellten essen). Egal: geht man zum CU, einem 24-Stunden-Gemischtwarenladen. Den gibt es an jeder Ecke. Den Rechnungsbetrag nennt der Computer. Eine Art Späti auf Koreanisch.
Danke an die Volunteers, oder Workforce, wie das hier heißt. Die Menschen in ihren grau-roten Anoraks sind omnipräsent und zahlreicher als Sportler, Betreuer, Techniker und Medienmenschen zusammen. Nicht immer ist klar, was sie tun. Offenkundig: Bus fahren, eine ganze Transportlogistik ist für sie eingerichtet. Auf den Gehsteigen von PyeongChang und Gangneung tauchen sie stets in Mannschaftsstärke auf, die perfekten jungen Damen immer lachend, das Handy im Nonstop-Einsatz. Sie lassen die Maschinerie rotieren. Organisieren schon jetzt die Zug-Plätze für die Rückreise zum Airport in Seoul. Wenn wir sie nicht hätten. Und das Nuts und die Gurken. Scharfe Sachen, diese Spiele am Ostmeer. Mal völlig unabhängig von Medaillen, Bestzeiten und Höchstnoten

Bild: ISK

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Eine goldene Halbzeit-Bilanz

Schwarz-Rot-Gold hat Olympia 2018 in Pyeongchang in der ersten Woche dominiert: Die deutschen Athletinnen und Athleten waren in den Loipen, am Schießstand, im Eiskanal bei Rodlern und Skeletonis sowie  auf den Sprungschanzen zur Halbzeit die erfolgreichsten Teilnehmer der Spiele. Neun Gold-, vier Silber- und vier Bronzemedaillen hat die Delegation des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) vor Ort bisher bereits für sich verbuchen können. Das ist schon zur Hälfte der Spiele fast so viel wie in Sotchi vor vier Jahren. Damals war es zwar insgesamt 19 mal Edelmetall, doch Olympiasieger stellt das deutsche Aufgebot in Südostasien schon jetzt mehr (neun gegenüber acht 2014.)
Mit entscheidend für die daraus resultierende gute Stimmung im deutschen Team waren auch die beiden frühen Goldmedaillen durch Biathlon-Star Laura Dahlmeier und Skispringer Andreas Wellinger. Die „Sportlerin des Jahres 2017“ setzte bereits im ersten Rennen, dem Sprint, ein Ausrufezeichen und unterstrich ihre guten Leistungen. Mit Gold in der Verfolgung und einer weiteren Bronzemedaille über 15 Kilometer setzte die 24jährige aus Partenkirchen noch „einen drauf.“
Andreas Wellinger schickt sich an, der strahlende jugendliche Held dieser Spiele aus deutscher Sicht zu werden: Gold von der Normalschanze, Silber von der Großschanze, und der Mannschafts-Wettbewerb steht noch vor der Tür. Da ist mit nur 22 Jahren gerade ein ernsthafter Kandidat für den Titel „Sportler des Jahres 2018“ am Werk.
Berechtigte Aussichten, diese Auszeichnungen auch als Mannschaft zu erhalten, haben nach ihrer sensationellen Kür und der damit verbundenen Goldmedaille im Eiskunstlauf auch Aljona Savchenko und Bruno Massot. Die makellose Darbietung der beiden nach der Choreografie von Christopher Dean, dem unvergessenen „Bolero-Tänzer“ mit Jayne Torvill von 1984, war der emotionale Höhepunkt der Tage von Pyeongchang bisher. „Kuscheltier-Alarm“ von den Rängen begleitete das erste Gold im Paarlauf für Deutschland seit Ria Baran / Paul Falk 1952. Dass  die deutschen Rodlerinnen und Rodler – trotz des Missgeschicks von Felix Loch – mit ihren Schlitten dem „Rest der Welt“ fast davon fahren, war dagegen eher zu erwarten.
Noch aber werden olympische Geschichten – sportlich wie persönlich – in Südkorea geschrieben. Darunter sindmit Sicherheit auch Starterinnen und Starter, die im Dezember in Baden-Baden nicht minder aussichtsreich ins Rennen gehen wie jetzt auf den koreanischen Wettkampfstätten.

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Newcomerin Jacka in der Silberspur

Seit dem Jahr 2017 findet, in Zusammenarbeit mit Lotto Bayern und der Zusatzlotterie „Die Siegerchance“, die Wahl zum Newcomer des Jahres statt. Lölling wurde durch ein Gremium aus ehemaligen Sportlern des Jahres als erste Siegern gekürt, bei der Gala Sportler des Jahres zusammen mit der „Siegerchance“ in Baden-Baden ausgezeichnet – und jetzt durfte die Sauerländerin, die erst vergangene Woche ihren 23. Geburtstag feierte, in Pyeongchang Silber im Skeleton entgegennehmen. „Jacka“ ist wirklich in der Spur.
Der Eiskanal oberhalb des südkoreanischen Wintersport-Resorts scheint ohnehin prädestiniert für die deutschen Schlitten-Cracks. Hier hagelte es, vor allem durch die Rodler, Medaillen. Zumindest für jene, die in der berühmt-berüchtigten Kurve 9 die Balance behielten. Doch das favorisierte Fahrerfeld blieb eng zusammen, Lölling selbst meinte: “Es war vom ersten bis zum vierten Lauf ein richtiger Nervenkrieg. Und es war so knapp, ich glaube, es gab noch kein Olympiarennen im Skeleton, das so knapp ausging.“

Die junge Skeleton-Mannschaft um Lölling – durchweg zum ersten Mal bei den Olympischen Spielen – pusht und motiviert sich gegenseitig. Das half auch der Sportlerin von der RSG Hochsauerland, die sich erstmals in ihrer Karriere einem ständig zunehmenden Erfolgsdruck ausgesetzt sah. Weltmeisterin, mehrfache Weltcupsiegerin – plötzlich sollte sie – beinahe wie selbstverständlich – weitere Meriten für Sportdeutschland einfahren. Gerade weil die Bahn „anders stand als in den Trainingswochen zuvor, waren die zehn Testläufe eigentlich zu wenig“, und doch fand sie sich nach den ersten zwei Läufen auf Platz 1 der Liste. Kleine Fahrfehler, u.a. in der Felix-Loch-Gedächtniskurve (Nr. 9), notierten sie vor dem finalen Durchgang auf Position drei. Lölling wusste: „Ich musste im Finallauf alles geben und zeigen was ich wirklich kann, dann ist eine Medaille drin“, und so glänzte der Abend sogar noch silbern für die Newcomerin des Jahres 2017 und Jacqueline konnte mit Skisprung-Olympiasieger Andreas Wellinger, mit dem sie schon bei den Youth Games in Lillehammer Erfolge gefeiert hatte, erneut auf ihre Medaillen im Deutschen Haus anstoßen und „einfach nur genießen“.
Gratulationen gab es zuhauf – vom DOSB, Freunden und Familie sowie von Friederike Sturm, Präsidentin der staatlichen Lotterieverwaltung Bayern: „Grandiose Leistung unserer Newcomerin des Jahres – ein echter Jackpot für die Glücksspirale. Lotto gratuliert herzlich zu Silber.“ Jetzt ist „Jacka“ nicht mehr Newcomerin, sondern steht bereits auf der Liste der Anwärterinnen um Deutschlands Wahl zur „Sportlerin des Jahres“ 2018.

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Im Eislauf-Himmel angekommen

Die magische Kür von Aljona Savchenko/Bruno Massot

Was selbst das deutsche Traumpaar Marika Kilius/Hans-Jürgen Bäumler nicht geschafft hatten, das verwirklichten nun im weiten Rund der Gangneung Ice Arena die gebürtige Ukrainerin Aljona Savchenko und der in der Normandie aufgewachsene Bruno Massot. Sie holten olympisches Gold im Paarlaufen, das erste für Deutschland nach 66 Jahren und dem Sieg von Ria Baran/Paul Falk 1952 (schon 1951 waren die beiden zu „Sportler und Sportlerin des Jahres gekürt worden) in Oslo.

Zumindest Aljona Savchenko ist damit im Eislauf-Himmel angekommen. Fünf Anläufe hatte das blonde Energiebündel dafür benötigt. 2002 belegte sie noch mit ihrem damaligen Partner Stanislaw Morozow den 15. Platz in Salt Lake City. Nach ihrem Wechsel 2003 zu Robin Szolkowy schaffte sie dann 2006 in Turin bereits den Sprung auf den sechsten Rang. Danach begann für die ehrgeizige Paarläuferin der Traum vom olympischen Gold, doch 2010 in Vancouver und 2014 in Sotchi reichte es „nur“ zu Bronze.

Jetzt aber lief die 34-Jährige in Korea mit ihrem fünf Jahre jüngeren Partner Bruno Massot die Kür ihres Lebens. Das hatten die Beiden schon beim Grand-Prix-Finale in Japan angedeutet, als sie die Weltbestleistung auf 157,25 Punkten steigerten. Nun übertrafen sie diese Marke mit ihrer magischen Kür von PyeonChang noch und sprangen mit 159,32 Punkten vom vierten Platz nach dem Kurzprogramm auf das höchste Podest. Tränen flossen allenthalben, ob bei Aljona, Bruno oder Trainer Alexander König.

Es war ein „Tränenmeer“ und es dauerte lange, bis die Anspannung in eine erlösende Glückseligkeit überging. Freuen durfte sich darüber auch im fernen Florida der einstige Eistanzkönig Christopher Dean, der 1984 in Sarajevo mit Jayne Torvill und dem „Bolero“ schon einmal für eine Sternstunde des Eiskunstlaufens gesorgt hatte. Er hatte zur Musik von „La Terre vue du ciel“ (Die Erde vom Himmel aus gesehen) im  vergangenen Sommer die Choreographie der neuen Kür von Savchenko/Massot einstudiert. Und diese Kür mit traumhaften Übergängen, kniffligen Schritten, Sprüngen und Hebungen geriet zu einem Meisterwerk.

Auf geradezu geniale Weise verschmelzen Elemente des Paarlaufens und des Eistanzens. Aljona Savchenko und Bruno Massot haben das Kunstwerk vollendet, Eislauf-Geschichte geschrieben. Jetzt geht es noch zu den Weltmeisterschaften Ende März in Mailand und dann dürften Schaulaufen und Ehrungen folgen. Und am Ende des Jahres dürften die Beiden auch bei der Ehrung „Sportler des Jahres“ einen Spitzenplatz einnehmen.

Bild: picture alliance 

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Team Deutschland dominiert in Südkorea

Läuft gut, für Team D in Korea. Noch vor Halbzeit das Gold-Ergebnis von Sotschi mit achtmal on top egalisiert. So lautet (erst) ein Zwischenstand in PyeongChang und Gangneung. In der angesagtesten Kneipe unten am Meer (Nuts) wird man als Deutscher schon leicht komisch angerempelt. „Ihr schon wieder. Wie macht ihr das nur?“ Das wird bei einem oder zwei Gläsern lokalen Bieres „Kloud“ dann vertieft.
Und in der Tat. Das war so nicht immer vorauszusehen. Dass Eric Frenzel sich nach einer eher mittmäßigen Weltcup-Saison zum Überflieger der olympischem NoKo-Szene katapultieren würde zum Beispiel. Er lief wie ein junger Gott, meinte einer zum Langlauf des Fackelträgers. Die anderen Saison-Hauptprotagonisten staunten unisono. Unerwartet auch der Coup des Tobi-Expresses in der Rodel-Röhre. In Anwesenheit von DOSB-Präsident Alfons Hörmann holten die Berchtesgadener ihr drittes Olympia-Gold. Material und eigene Klasse setzten sich durch. Selbst die favorisierten Weltcup-Dominatoren Eggert/Benecken zogen – als Drittplatzierte - den Hut. „Die waren einfach zweimal eiskalt, haben verdient gewonnen.“
Überhaupt könnte es in der Eisrinne nicht besser laufen. Bevor die beiden Tobis ihren Olympialauf vergoldeten, waren bereits die Damen zugange. Natalie Geisenberger (Zweitplatzierte bei der Wahl zu Deutschlands „Sportlerin des Jahres“ 2014) konnte sich ebenfalls den Traum der dritten olympischen Goldmedaille erfüllen. Ein Eintrag in Guinnessbuch des Schlittensports scheint der Münchnerin gewiss. Nicht zu unterschlagen, Dajana Eitberger, die bei ihrem Debüt unter dem Licht der fünf Ringe direkt zu Silber fuhr.

Bild © MdJ

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Glück und Leid

Enttäuschung an Tag 2

Fassungslos sitzt man vor dem Fernseher und sieht wie der haushohe Favorit, der nach drei Läufen noch auf Platz 1 lag, bis auf Platz 5 abrutscht. Und weg der zum Greifen nahe vierte Olympiasieg auf dem Rodelschlitten. Aber der Sport schreibt seine eigenen Geschichten. Aufgrund eines Fahrfehlers musste sich Felix Loch am Sonntag zwei Newcomern (aus Österreich und den USA) geschlagen geben. Der Drittplatzierte der Wahl „Sportler des Jahres“ 2014 zeigte sich sichtlich enttäuscht, weiß aber auch „mit solch einem Fehler, hat man es nicht verdient Olympiasieger zu werden.“ Ans Aufhören wird nicht gedacht und so schallt bereits die Kampfansage für 2022 durch die deutsche Presse. Durch sein Abrutschen auf Platz 5 gelingt allerdings einem anderen Deutschen der ganz große Coup. Johannes Ludwig erobert den dritten Platz und damit olympisches Edelmetall. Der Oberhofer hatte Ende 2016 seinen ersten Weltcupsieg errungen und kann sein Glück kaum fassen. Zudem wird er auch in der Mixed-Staffel am Donnerstag an den Start gehen.

Medaillenregen an Tag 3

In jeder Arbeitswoche ist der Montag der am meisten verfluchte Tag - nicht aber wenn man dem Team Deutschland angehört und sich momentan bei den Olympischen Spielen in Südkorea befindet. In PyeongChang hagelte es Medaillen für Deutschland. Die amtierende Sportlerin des Jahres Laura Dahlmeier erkämpfte sich im Alpensia Biathlon Center zwischen gezuckerten Bergspitzen die zweite Goldmedaille. Souverän mit nur einem Schießfehler und einem Start/Ziel-Sieg. Uschi Disl (Sportlerin des Jahres 2005), selbst Biathlon-Queen, traut Laura Dahlmeier weitere vier Podestplätze zu: „Bei Laura ist momentan alles möglich.“

Und nicht nur die Fans der Biathlon-Damen werden mit Meriten verwöhnt, auch die Biathlon-Herren trumpfen groß auf. Zwar konnte Arnd Peiffer keine zweite Goldmedaille erkämpfen, landete aber trotzdem auf einem zufriedenstellenden 8. Rang. Es hat den Anschein, als stünden die Bibber-Spiele im kalten PyeongChang unter dem Stern der Überraschungen. Benedikt Doll sicherte sich an Tag 3, nach einem Verfolgungskrimi die Bronzemedaille und damit nächstes Edelmetall für Deutschland. Im weiteren Verlauf des Abends kam Silber hinzu. Doch diesmal nicht für die bei den Highlights stets so präsente Carina Vogt, bei der Premiere des Damen-Wettbewerbs vor vier Jahren mit Gold dekoriert. Sie patzte, dafür sicherte sich die in diesem Winter konstant springende Katharina Althaus den zweiten Platz.

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