Es waren gemischte Gefühle, mit denen Deutschlands beste Biathletin von der Olympia-Generalprobe abreiste. Einerseits hatte Franziska Preuß beim Weltcup in Nove Mesto, dem letzten vor den Winterspielen, endlich ihren lang ersehnten ersten Podestplatz der Saison erkämpft: Platz drei im Einzelwettbewerb. „Ich freue mich wirklich sehr, dass es geklappt hat, dass die Hürde im Kopf weg ist“, sagte sie der ARD danach. Andererseits blieb ihr zwei Tage später im Massenstart nur Rang 13. „Es war eine zähe Partie“, lautete der Kommentar der 31-Jährigen.
Von ihrer phänomenalen Form der vergangenen Saison ist die Verfolgungs-Weltmeisterin noch ein gutes Stück entfernt – dennoch geht sie als Deutschlands größte Hoffnungsträgerin in die olympischen Wettbewerbe von Antholz. Fantastische Stimmung dürfte im südtiroler Biathlon-Mekka garantiert sein. Ob allerdings auch die DSV-Frauen und Männer in den Kampf um die Medaillen eingreifen können, ist ungewiss. „Für eine Medaille“, sagte Philipp Nawrath, „muss uns schon ein richtiger Sensationstag gelingen.“
In der Favoritenrolle sind andere. Neben Preuß standen in dieser Saison noch Nawrath als Zweiter und Philipp Horn als Dritter jeweils einmal auf dem Podest – das war es aber abseits der Staffeln auch schon. „Es gibt noch Baustellen, die man in den Griff kriegen muss“, sagte Preuß, die wegen einer Corona- und Grippeinfektion vor Weihnachten pausiert hatte. Bisher hat sie bei Olympischen Spielen eine Bronzemedaille mit der Staffel errungen. Eine olympische Einzelmedaille aber fehlt der Weltcupgesamtsiegerin der Vorsaison und „Sportlerin des Jahres“ 2025 noch – und genau das ist ihr großes Ziel.
In Nove Mesto nun schloss sie auch ein Karriereende direkt nach den Winterspielen nicht aus. „Vielleicht waren es meine letzten Weltcup-Rennen“, sagte sie in Tschechien. Außerdem nominiert für die Spiele sind Selina Grotian, Janina Hettich-Walz, Julia Tannheimer, Vanessa Voigt und Anna Weidel. Bei den Männern sind es neben Nawrath und Horn noch Lucas Fratzscher, Justus Strelow und David Zobel.
Vor allem für die 21 Jahre alte Selina Grotian war es eine Zitterpartie. Wie Preuß hatte sie wegen einer Corona-Infektion im Dezember aussetzen müssen und zwei Rennen verpasst. Als der Weltcup Mitte Januar in Ruhpolding – der letzte im Qualifikationszeitraum – anstand, hatte sie die Norm für die Spiele noch nicht erfüllt. Mit den Rängen 15 und 13 aber klappte das Unterfangen. Sie sprach von „hundert Millionen Steinen“, die ihr vom Herzen gefallen seien. Die Garmisch-Partenkirchnerin gilt als großes Talent und hatte in der vergangenen Saison sensationell ihren ersten Weltcupsieg gefeiert.
Mit Blick auf die Winterspiele, die für die Biathleten am 8. Februar mit der Mixed-Staffel beginnen, bleibt DSV-Sportdirektor Felix Bitterlang vorsichtig optimistisch. Preuß, sagte er, sei „absolut da, wo es darum geht, das Bärenfell zu verteilen“. Auch das Team sei nicht weit weg und das Podium in Sichtweite.