Bei uns war er der Manfred. Manfred Straka, an seinem Stammplatz im Empfangszimmer des Kurhauses, eine Seele des „Sportler des Jahres“-Teams.
Ruhig den Ablauf des Abends im Griff – und die Tagesabläufe im Office ebenfalls. In Baden-Baden so legendär wie „Isch halt so“ – „Jetzt geh mer essen – und das ganze HÜH!!“. Die Zusammenarbeit mit seinen „Dezember-Frauen“ aus der „Dezember-Familie“, die Verbindung zwischen ZDF und ARD, der digitale Regie-Entwurf zum Vorprogramm (bis letztes Jahr in Gebrauch), beim Team-Captains-Meeting kurz mal den ganzen Abend durchgesprochen… All das fehlte schon seit Jahren und nun ist es nur noch Erinnerung. Unser Manfred hinterlässt eine schmerzende Lücke.
Und hier der persönliche Nachruf seines SWR-Kumpels Andy Köstler.
Lieber Manfred, wobei, das streiche ich wieder. Hat irgendjemand Manfred zu dir gesagt? Vielleicht einige wenige, aber für uns anderen warst du Manni.
Es ist nur ein paar Wochen her, dass wir dich das letzte Mal besucht haben. Das letzte Mal. Das ist unvorstellbar. Es war nämlich eigentlich alles normal. Relativ zumindest. Wie immer gab’s Kaffee und Kuchen von deiner Mutter. Wir haben über dieses und jenes geredet, natürlich auch über Fortschritte, die du gemacht hast nach diesem dämlichen Schlaganfall. Der zwar Jahre her war, dessen Auswirkungen dich aber immer noch extrem genervt haben, mit dem du gehadert hast, nicht laut, das war nicht deine Art, aber man konnte es dir anmerken, dass du schon etwas resigniert hattest. Ab und zu haben wir uns an die ersten Gehversuche erinnert. Auf der Straße vor deinem Elternhaus, 50 Meter, Hand in Hand, bedächtige und wackelige Schritte, wahnsinnig anstrengend für dich. Eine kurze Ruhepause auf einem kleinen Mäuerchen und wieder zurück.
Ich hatte gehofft, du hattest gehofft, dass es wieder was wird mit dem Laufen, mit der Selbständigkeit. Wir haben uns über die Jahre leider falsche Hoffnungen gemacht. Bis zum Schluss war der Rollstuhl dein Fortbewegungsmittel, nicht etwa deine Autos, die sich, mit so viel Power ausgestattet, vor der Tür langweilten.
Das war vor fast 40 Jahren anders. Du kamst neu in die Redaktion und wir haben schnell einen Draht gefunden. Wir waren dann nur noch „der Kirchheimer und der Plochinger“. Die Fahrgemeinschaft in deinem weißen Golf 1 Cabrio.
Auf der B10 im morgendlichen Berufsverkehr. Tempolimit 80, die Tachonadel maximal knapp über 80, wir immer auf der rechten Spur. „Links geht’s auch nicht schneller“, hast du gesagt. Wir sind gemütlich und stressbefreit im „Sender“ angekommen. Auch das warst du. Gas geben, wenn es drauf ankommt, aber bitte nicht auf der Straße, bei der Arbeit schon.
Akribisch, ohne Hektik. Umtriebig, mit viel Gelassenheit. Kollegial, aber bestimmt. Ohne große Worte und ohne viel Tamtam.
Geredet haben wir ansonsten viel, während der Flüge, den abertausenden von Autobahnkilometern, die wir gemeinsamen hinter uns gelassen haben.
Zum Beispiel an den Lausitzring. Die Autobahn direkt am Flughafen gesperrt, morgens um 6:30, wir den Flug verpasst. Kurz nachgedacht, einen Mietwagen geholt und losgerollt in Richtung Lausitz. Du mit dem Lieblingsspruch: „Isch halt so.“ Dinge, die man nicht ändern kann, akzeptieren, alles andere, das man beeinflussen kann, mit 100 Prozent angehen. Das warst du. Ab und zu hast du dich allerdings wahnsinnig aufgeregt. Vielleicht zu oft hast du es dann in dich reingefressen. Ich hab’s gemerkt. Es war wie bei einem alten Ehepaar, da bleibt wenig verborgen. Wenn du in einem stillen Moment reden wolltest, haben wir das getan. Wenn nicht, dann nicht. „Isch halt so.“ Manni, du wirst uns allen sehr fehlen. Allen, die dich in den unterschiedlichsten Facetten deiner Arbeit kennengelernt haben. Als Regisseur, als Redakteur, als Mitorganisator bei „Sportler des Jahres“, als Moderator (ja auch das Kapitel hast du aufgeschlagen).
Dein plötzlicher Tod ist schwer hinzunehmen. „Isch halt so“ will ich diesmal nicht akzeptieren, aber in deinem Sinne werden wir es alle müssen.