Die Getreuen von Olympiasieger Max

Die Getreuen von Olympiasieger Max

Die Getreuen von Olympiasieger Max


Die Frage ist durchaus interessant: Wer hat die meisten eigenen Fans bei den Winterspielen in Italien? Vielleicht Mikaela Shiffrin? Oder Mario Odermatt? Oder Johannes Hoesflot Klaebo? Oder Ilia Malinin? Letzterer vielleicht. Möglicherweise ist es aber auch Max Langenhan, der frisch gekrönte Rodel-Olympiasieger, der Dominator der letzten beiden Weltmeisterschaften aus Ernstroda am Fuße des Thüringer Waldes, dort wo er als Achtjähriger beim BRC 05 Friedrichroda mit dem rasanten Kufensport begann. Der bodenständige Champion ist daheim außerordentlich beliebt.

Nicht von ungefähr reisten deshalb mehr als 100 Getreue nach Cortina d’Ampezzo, um „ihrem Liebling“ am Eiskanal Pista Olympica Eugenio Monti die Daumen zu drücken. Ihr Kommen zahlte sich aus. Sie sahen eine „Vorstellung von einem anderen Stern“, wie der frühere Bundestrainer Norbert Loch Langenhans perfekten Auftritt bezeichnete. „Dieser Rückhalt war Wahnsinn. Es kamen all die Leute, die mich immer unterstützt und zu dem gemacht haben, der ich jetzt bin“, schwärmte der Goldjunge am Sonntagabend im Deutschen Haus.

Die Partygesellschaft empfing ihn dort mit dem Rennsteiglied, dass er textsicher mitschmetterte: „Ich wandre ja so gerne am Rennsteig durch das Land, den Beutel auf dem Rücken, die Klampfe in der Hand“, sang er im Beisein des früheren Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees, Thomas Bach. Anschließend bedankte er sich bei seiner leidenschaftlichen Anhängerschar mit den Worten: „Ihr seid die Größten“.

Am liebsten hätte der Sympathieträger seine Goldplakette in „eintausend kleine Stückchen zerteilt“ und jedem eins geschenkt. Einem widmete er dabei sein neues Schmuckstück noch besonders – seinem viel zu früh verstorbenen Sportgymnasiallehrer Uwe Lehmann. Er war 2017 beim Klettern verunglückt. „Uwe war einer meiner Entdecker“, erzählt Langenhan mit Tränen erstickter Stimme, „und er war derjenige, der gesagt hat, aus dem Max könnte mal was werden. Jetzt freut er sich einfach an einer anderen Stelle.“

Sie alle waren vor Ort in den Dolomiten – seine Eltern, die vier Geschwister, Lebensgefährtin Susanne, dazu zahlreiche Freunde und Förderer und erlebten, wie ihr umjubelter Held trotz extremer Nackenschmerzen in allen vier Läufen den von ihm gehaltenen Bahnrekord verbesserte. „Max fliegen die Herzen vieler Menschen zu, was nicht verwundert“, sagt sein Manager Jens Roß. „Denn Max ist eine ganz besondere Persönlichkeit, von denen es nur wenige gibt.“ Der 26-Jährige nehme sich selbst nicht zu wichtig, versprühe eine gewisse Lockerheit und Leichtigkeit. Am meisten zeichne ihn aber seine Sozialisierung aus. Laut Roß ist er „ein Teamplayer in einer Einzelsportart, nimmt sich ganz bewusst Zeit für Kinder, für Fans, für Sponsoren, ja für alle.“

Langenhans Wertschätzung drückt sich auch darin aus, dass er unlängst zum dritten Mal in Folge zum „Thüringer Sportler des Jahres“ gewählt wurde, was noch keinem anderen Athleten der Region vergönnt war. Dass der Sportsoldat, der sich als Perfektionist bezeichnet, diese Erfolgsserie fortsetzen wird, daran zweifelt nach dem Triumph von Cortina wohl keiner mehr. Möglicherweise kehrt er gar als Doppel-Olympiasieger heim. Am Donnerstag steht noch die Team-Staffel an. Bei den Winterspielen 2014 in Sotschi erlebte sie ihre Premiere, gewonnen hat seitdem immer Deutschland. Viel Muße zum ausgelassenen Feiern mit seinen Fans gönnte er sich deshalb nach dem Gold-Coup auch nicht. Seine Konzentration gilt vielmehr der noch anstehenden Herausforderung.

Doch nicht nur auf den nächsten Wettkampf freut sich Langenhan. Schon jetzt fiebert er dem Tag entgegen, wo Friedrich Merz das ihm gegebene Versprechen einlösen wird. Beim Ost-Ministerpräsidententreffen auf Schloss Ettersburg nahe Weimar im vorigen September kam der weltbeste Schlittenfahrer mit dem Bundeskanzler ins Plaudern – aber nicht etwa einfach so. Heraus kam eine handfeste Verabredung zwischen beiden. Wie Ohrenzeugen bestätigten, lud Langenhan den CDU-Politiker zum gemeinsamen Rennrodeln ein. Merz sagte tatsächlich zu – und durfte dafür die Rodelbahn seiner Wahl bestimmen. Der Sauerländer entschied sich für die Piste im heimischen Winterberg. Nach den Winterspielen soll es dann – in welcher Form auch immer – zum Showdown kommen.

Bild: picture alliance

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