Cortina-Vibrations im Deutschen Haus

Cortina-Vibrations im Deutschen Haus

Cortina-Vibrations im Deutschen Haus

Das romantische Deutsche Haus oberhalb von Cortina, sowieso nie als Hort der Ruhe konzipiert, vibrierte – die Dezibel-Lautstärke erreichte das bisherige Nonplusultra der Winterspiele. Die sechs Gold-Rodler ließen sich feiern wie nie. Mit ihrem Lieblingssong „Bella Napoli“ – und dann intensivem Humba Täterä – passend zur Weiber-Faßnacht.

Und alle gingen mit. Ob DOSB-Präsident Thomas Weikert, DSM-Geschäftsführerin Claudia Wagner (die Gastgeberin), Sport-Legenden wie Natalie Geisenberger, Gina Lückenkemper, Sprinterin mit zweiter Vorliebe für den Wintersport, Lukas Dauser oder Fabian Hambüchen – beide schon „Sportler des Jahres“. Ein Hinweis auf die Wahl 2026, wenn die Schlitten-Abteilung eine große Rolle spielen könnte. Tobi Wendt und Tobi Arlt sind jetzt mit siebenmal Gold die Erfolgreichsten in der deutschen Schnee & Eissport-Geschichte. Die Schlittler holten dreimal Platz 1, je einmal Silber. Max Langenhan und Julia Taubitz reisten nach der Nacht im Deutschen Haus als Doppelolympiasieger direkt zurück in die Heimat, nach Bayern resp. Thüringen.

Halbzeit in den Dolomiten. Team D liegt mit viermal Gold im Plan. Außer den Helden der Eisrinne sorgten Philipp Raimund im Skispringen und die zweifache „Silber-Emma“ Aicher für die Ausreißer, weitere Podest-Plätze durch die Teams (Biathlon, Alpin-Kombi…) ergänzten die gute Team D-Bilanz. Und die zweite Woche bietet viele weitere Möglichkeiten für das deutsche Aufgebot. Schlagworte sind Bob, Slalom der Frauen, Springen auf der großen Schanze in Predazzo, Rabbatz auf den Biathlon-Anlagen in Antholz und den Mailänder Eisflächen.

Und wo schlägt das wahre Herz der Games? In Cortina „the place to be“. Weil hier der olympische Geist wohnt. Überall die fünf Ringe, Welcome-Plakate, das altehrwürdige Olympic Stadium, wo die deutschen Curler bei ihrem ersten Auftritt seit Vancouver für unerwartetes Interesse und grandioses Medien-Echo sorgen. Doch schon dorthin zu gelangen, erweist sich als Challenge für Kiebitze und Beobachter. So ein bisschen frisst Olympia das Städtchen unterhalb der wuchtigen Bergwelt (Tofana, Cinque Torri, Monte Cristallo). Staus den ganzen Tag: das Aufkommen von Autos und vor allem Bussen lässt sich in den engen Gassen nur schwer koordinieren. Passanten springen verunsichert auf zu schmale Gehwege, teilweise noch vom Schnee bedeckt. Wanderer, kommst du nach Cortina d’Ampezzo, begib dich nicht in Gefahr.

Aber die nächtliche Skyline mit der Olympia-Halle, den Eisrinnen für Rodeln, Bob und Skeleton, den Skipisten für die Frauen, wirkt majestätisch. Cortina bleibt (optisch) ein Eyecatcher. Und alles verläuft bisher harmonisch, friedlich, selbst wenn die Menschenmassen vor dem Slowenien House in der Fußgängerzone erdrückend wirken. Sei’s drum. Die Präsenz der Carabinieri, die mit Blaulicht omnipräsent patrouillieren, lässt keinen Olympia-Besucher auf dumme Gedanken kommen. Alles unter Kontrolle im Ampezzo-Tal, was auch für Val di Fiemme, Livigno oder Antholz gilt. So ist die Aufsplitterung der Winterspiele eben heutzutage – ziemlich alternativlos.

Für die nächsten deutschen Feierstunden ist das D-House gerüstet. Hier dürfte auch weiterer Champagner fließen, wenn die nächsten ‚medal walks‘ durchs Gästespalier stattfinden. Und die Bob-Cracks, hochfavorisiert, haben es ja auch nicht weit – der Shuttle-Service funktioniert sowieso reibungslos. „Es macht uns so Spaß, die Besten zu chauffieren“, meinte einer der freundlichen Fahrer stellvertretend für die Chauffeure im Einsatz durch das vollgestopfte Cortina d’Ampezzo.

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