Olympia elektrisiert in Deutschland die Menschen. Über alle Maßen – das unterstreichen die Reaktionen auf die Bewerbung für die Spiele 2036+. Natürlich feiert München kolossal, aber auch KölnRheinRuhr und die restliche Nation ist in einer Art Fünf-Ringe-Euphorie. Ein Delegierter preist den „Geist von Baden-Baden“ – dort wo sich seit 1960 Schwarz-Rot-Gold beim „Sportler des Jahres“ trifft. Vom Kurhaus geht ein Vibe aus. Ja! zum Sport.
Der Zuschlag für die bayerische Metropole wird als Plus für das ganze Land gewertet. Ein Aufbruch. Sätze wie „Deutschland braucht ein Signal… Sport ist der Kit, der uns zusammenhält… Positiver Patriotismus… Unseren Kindern das Geschenk machen… Wir sind bereit… Chance statt Belastung“ machten die Runde. Bundespräsident Steinmeier, die höchsten Politiker aus Bayern und NRW, die Bürgermeister, Sportminister Rauhe, DOSB-Chef Weikert, Medienschaffende, sehen in der Baden-Badener Entscheidung einen Meilenstein für den Sport hierzulande. „Der Lärm von sporttreibenden Kindern ist unsere Zukunft“ sagt Ronald Rauhe. Das muss man sacken lassen.
Und: Nicht (allein) München, sondern die gesamte Republik sei nun am Zug. Die Politik garantiert „100prozentige“ Unterstützung, selbst die ausgeschiedenen Großstädte Hamburg und Berlin reihen sich ein ins Feld der Olympia-Aktivisten. Denn: man registriere auch beim IOC „eine hohe Neugier und Aufmerksamkeit“ für den deutschen Vorstoß. Also sich nicht Kleinmachen vor der künftigen Konkurrenz aus Katar oder Indien, Istanbul oder Budapest. Denn das Feuer sei „entfacht“, die Bewerbung ein „Mehrwert für unser Land.“
Auch der sonst eher zurückhaltende Thomas Bach, jetzt IOC-Ehrenpräsident, äußert seine „volle Sympathie“ für Spiele daheim. Der ehemalige Fechter stand 1977 mit dem Florett-Quartett als „Mannschaft des Jahres“ auf jener Bühne, die Frank-Walter Steinmeier jetzt für die Verkündigung des Votums nutzte. Im Saal mit Michael Groß, Matthias Steiner, Darja Varfolomeev zahlreiche Erstplatzierte der Sportler-Wahl. Und alle stimmen ein in den „Ja zu Olympia“-Chor. Nicht einmal der Makel der sonst so heftig diskutierten Finanzierung störte die Feier. Das sei nun wirklich zu stemmen, so die Aussagen zu den monetären Herausforderungen.
Baden-Baden, das sich „Olympische Stadt“ nennen darf, hat wieder einmal Zeichen gesetzt. So kann es weiter gehen am Rande des Schwarzwalds. Am 20. Dezember bittet das Kurhaus zur 80. Wahl „Sportler des Jahres“. Viele Gäste der als „historisch“ bezeichneten Versammlung sind dann wieder präsent: bei der Kür der Nachfolger von Franziska Preuß, Leo Neugebauer und der Basketball-Nationalmannschaft. Dann dürfte bereits die Frage im Raum stehen, wie der Münchner Olympia-Countdown verläuft. Es sind, in positivstem Fall, ja nicht einmal mehr zehn Jahre…
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