Owen Ansah – ein deutscher Sprinter Schnellster in Europa! Wann hat es das zuletzt gegeben? Man muss in den Annalen der Leichtathletik schon Jahrzehnte zurückblättern um ein solche Dimension zu erspähen. 1960 war Armin Hary der letzte Deutsche, der einen Sprint-Weltrekord hielt. Weil man der Handstoppung In Zürich nicht traute, musste er binnen einer Stunde zweimal laufen, um seine 10,0 Sek. als Weltrekord anerkannt zu bekommen. Bei der Wahl zum Sportler des Jahres war der zweimalige Olympiasieger von Rom hinter dem Olympiasieger in der nordisch Kombination Georg Thoma.
Es dauerte 64 Jahre, ehe der gebürtige Hamburger mit 9,99 Sek. als erster Deutscher unter 10 Sekunden lief. Der Bann ist gebrochen. Jetzt wird Ansah im Hundertstel-Takt schneller: 9,98 Sek. in Regensburg. Wird es ein Sprint-Sommer, zumal sein Teamkollege Lucas Ansah-Prepah mit 10,00 Sek. auch schon an der historischen „Neun-Komma-Schwelle“ steht ?
Dieter Baumann ist der einzige Mittel- und Langstreckenläufer, der in Deutschland zum Sportler des Jahres gekürt wurde. 34 Jahre ist das her. „Wir waren mit dem Langstreckenlauf in Deutschland jahrelang am Boden, jetzt sind wir schlagartig wieder in der Weltspitze“, stellt Bundestrainerin und Trainersprecherin im DLV, Isabelle Baumann (Tübingen), jetzt fest. In den letzten Wochen hat es eine Leistungsexplosion gegeben, die mehr als erstaunlich ist.
Mohamed Abdilaahi, gebürtiger Mönchengladbacher, pulverisierte zuletzt drei von Baumanns Uralt-Rekorden über 3000, 5000, 10000 Meter und stößt damit in neue Dimensionen vor. „Das sind unglaubliche Marken, es geht voran im Laufbereich“, sagt der 27-Jährige, dessen Eltern aus Somalia stammen, „ich kann es noch gar nicht realisieren“.
Olympiasieger Dieter Baumann sieht die gestiegene Konkurrenzsituation als Ursache für diese Entwicklung. „Die Leistungen fallen nicht vom Himmel, die Jungs haben hart gearbeitet“, sagt Baumann.
Schon historisch ist der Europarekord von Frederik Ruppert (Tübingen) zu bewerten. Mit 7:57,80 Min. blieb er als erster Europäer unter der magischen Marke von acht Minuten. „Ich glaube, die Zeit, da nur kenianische und äthiopische Athleten vorneweg laufen sind vorbei“, sagte ein selbstbewußter Ruppert. Bereits vor einem Jahr hatte Ruppert den Deutschen Rekord von Ex-Europameister Damian Kallabis um acht Sekunden gedrückt. Der gebürtige Aachener setzt damit die deutsche Hindernis-Tradition fort, zu der auch der Schwabe Patriz Ilg als Welt- und Europameister Anfang der achtziger Jahre zählte.
In den plötzlichen deutschen Läufer-Hype hat sich zuletzt auch der zehnfache Deutsche Meister Florian Bremm (Frankonia Athletics) als 5000 Meter-Sieger in Turku (Finnland) eingereiht. Mit 12:56,80 Min. rannte er als erst dritter Deutscher nach Baumann und Abdelaahi unter 13 Minuten zu einer neuen Weltjahresbestzeit und pulverisierte dabei seine Bestzeit um 12 Sekunden.
Dann sind da die beiden Marathonläufer Amanal Patros (Hannover) und Samuel Fitwi (Trier) die sich in die Weltspitze vorgearbeitet haben. Petros wurde im vergangenen Jahr in Tokio sensationell Vize-Weltmeister und stellte mit 2:04,03 Stdn. und 59:23 die Deutsche Rekorde im Marathon und Halb-Marathon auf. Fitwi war zuvor Rekordhalter mit 2:04,45 Stdn.
Die deutsche Laufszene ist im Frühling 2026 in einer neuen Dimension angekommen.
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