Ein neues Sommermärchen?

Ein neues Sommermärchen?

Ein neues Sommermärchen?

Sommermärchen und Stuttgart, da klingelt’s doch gleich. Legendär ist die große Fußballparty in der Landeshauptstadt rund um das eigentlich so bedeutungslose wie unbeliebte Spiel um Platz drei bei der WM 2006, das die Elf des damaligen Bundestrainers Jürgen Klinsmann gegen Portugal mit 3:1 gewonnen und hinterher mit den euphorisierten Fans vor dem Mannschaftshotel am Hauptbahnhof gefeiert hat.

Und jetzt? Gibt es bei der EM vom 14. Juni bis 14. Juli wieder rauschende Fußballfeste, also ein Sommermärchen 2.0? Auch wenn der Begriff etwas überstrapaziert ist – märchenhaft war es ja schon ein bisschen, damals, im Sommer 2006: das Wetter, die Stimmung, die Fröhlichkeit. Ob es bei der Heim-EM wieder so kommt? Vieles steht und fällt nun anno 2024 mit dem Erfolg der deutschen Mannschaft, so ähnlich wie das auch 2006 war. Kommt das Team von Julian Nagelsmann in den berühmten Fluss, erledigt sich das mit der Stimmung womöglich fast wieder von selbst. Denn dann können Mannschaft und Fans die berühmte Welle der Euphorie reiten.

Möglich ist das mit Blick auf das bisherige Länderspieljahr der DFB-Elf allemal, denn nach der Talsohle im vergangenen Herbst drehte Nagelsmann an den richtigen Stellschrauben und stabilisierte das Gefüge wieder. Wie standhaft das Konstrukt Nationalmannschaft wirklich ist – das freilich wird sich erst im Laufe der EM erweisen, bei der der dreifache Europameister zumindest zum erweiterten Favoritenkreis zählt.

Apropos Favoritenkreis – der ist bei diesem Turnier verdammt groß, vielleicht so groß wie noch nie bei einer EM. „Das Teilnehmerfeld war noch nie so ausgeglichen – kleine Nationen wie Österreich haben enorm aufgeholt“, sagt der ehemalige Bundestrainer Berti Vogts dazu. Was er grundsätzlich meint: Etliche Länder können sich Hoffnungen auf den Titel machen. Frankreich, klar, gehört mit seiner Fülle an Topkräften dazu, England ebenso. Portugal, Europameister von 2016, sollte man, wie fast immer, auf dem Zettel haben, die Niederlande und den Weltranglisten-Dritten Belgien auch. Dazu kommen Titelverteidiger Italien als klassische Turniermannschaft und der WM-Dritte Kroatien um Altstar Luka Modric. Und, na servus: Auch Österreich gehört zum erweiterten Favoritenkreis. Mit Ralf Rangnick hat die Alpenrepublik einen Top-Trainer, der mit Marcel Sabitzer und Kollegen inzwischen auch Spieler von internationalem Top-Format zur Verfügung hat.

Man darf gespannt sein, was vom 14. Juni an passiert in den deutschen EM-Stadien und sich wieder auf große Fußballfeste freuen. Auch in Stuttgart, wo die DFB-Elf zumindest einmal am Ball sein wird – beim zweiten Gruppenspiel am 19. Juni gegen Ungarn. Wird Nagelsmanns Team Gruppensieger, steigt ein mögliches deutsches Viertelfinale am 5. Juli dann ebenfalls in der Stuttgarter Arena im Neckarpark. Und sollte sie gar Europameister werden, ist die Nationalmannschaft ein heißer Kandidat auf den Titel „Mannschaft des Jahres“ in Baden-Baden. Wie zuletzt 2014 – damals wurde Deutschland bekanntlich in Brasilien Weltmeister …

Text: Marco Seliger, Bild: picture alliance

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