Franzi lässt die Tribünen beben

Franzi lässt die Tribünen beben

Franzi lässt die Tribünen beben

Die TV-Reporter auf der Tribüne von Lenzerheide berichteten von „schwankenden und vibrierenden“ Kommentatoren-Boxen, weil die Fans förmlich aus dem Häuschen gerieten. Die erste Biathlon-Weltmeisterschaft in der Schweiz – und die Graubündner feierten die Winter-Zweikämpfer/innen enthusiastisch, obgleich kein Eidgenosse ganz vorne mitmischte. Biathlon = Winterzauber, fast überall.

Mittendrin die deutschen Fahnen, weil Franziska Preuß mit vier Medaillen, darunter Gold in der Verfolgung, ihr WM-Märchen erlebte. „Wenn mir das vorher jemand gesagt hätte…“, so die die 30-Jährige, die sich damit frühzeitig für die Wahl „Sportlerin des Jahres“ in Position brachte. Die Liste der in Baden-Baden gekürten Biathletinnen ist lang und reicht von Uschi Disl, über Kati Wilhelm, Magdalena Neuner, Laura Dahlmeier bis zu Denise Herrmann-Wick.  

Allzu viele Nationen bedienten sich nicht am Medaillen-Kuchen im Fondue-und Raclette-Kanton. Zu dominierend La France um Julia Simon und Norge (Johannes Thingnes Bö & Co). Überraschend immerhin amerikanische Podiumsplätze (Campbell Wright) und der Premieren-Titel für die Schwedin Elvira Öberg (Massensprint).  Auch da zitterte die Tribüne bedenklich.

Wie schon während des Weltcup-Winters vermochten die DSV-Herren, oft am Schießstand patzend, das hohe Niveau der Vergangenheit nicht zu erreichen. Welche Erleichterung aber, als die 4×7,5 km-Staffel eine Bronzemedaille zu den insgesamt fünf Treppchenplätzen für den Deutschen Skiverband beisteuerte. Alle Zurückhaltung ging auf der Lenzerheide über Bord, als Schlussläufer Philipp Horn mit fünf Volltreffern beim Showdown mit dem Gewehr und einem Sich-ins-Ziel-Retten in der Loipe Geschichte schrieb. Noch deutlich hinter Galliern und Wikingern, aber Platz 1 unter den Verfolgern.

Für Franzi Preuß bedeutete die Biathlon-WM eine endgültige Abkehr vom Zick-Zack-Kurs ihrer bisherigen Karriere. „Die ewige Kranke, der Pechvogel, der sich in den Finger schnitt oder auf der Treppe umknickte („Süddeutsche Zeitung“) setzte ihre kolossale Form der Saison fort. Als Weltcup-Leaderin angereist, kam die Bayerin mit der Mit-Favoritenrolle grandios zurecht, hatte sie das Terrain in der Ostschweiz vorher ausgiebig inspiziert und überzeugte mit Null-Fehler-Serien am Schießstand par excellence. Ihr Vorsprung beim Gold-Verfolger betrug die Ewigkeit einer halben Minute.

2026 will Franziska Preuß ihre Performance mit olympischen Meriten bei den Winterspielen Mailand/Cortina krönen. Dann finden die Rennen in Antholz (Südtirol) statt. Die Anlagen im Seitental des Pustertals kennt sie perfekt, der Biathlon-Tross ist alljährlich zu Gast und natürlich geraten auch dort die Besucherränge gehörig ins Schwanken.   

Bild: picture alliance

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