Frauen-EM und ein großer Traum

Frauen-EM und ein großer Traum

Frauen-EM und ein großer Traum

Bundestrainer Christian Wück hat klare Vorstellungen, was von der deutschen Frauen-Nationalmannschaft bei der EM in der Schweiz (2 bis 27. Juli) zu erwarten ist. „Das Ziel ist, dass wir die Leute über begeisternden, ehrlichen Fußball hinter uns bekommen. Wir sagen den Spielerinnen immer wieder: Ihr spielt für eine ganze Nation, ihr repräsentiert Deutschland.“ Fast einen ganzen Monat richten sich die Blicke auf seine Spielerinnen – und einen Trainer, der nach einem Jahrzehnt im männlichen Nachwuchsbereich nun erstmals ein Turnier mit den DFB-Frauen bestreitet.

Zur Erinnerung: Noch unter Martina Voss-Tecklenburg erreichte das Team vor drei Jahren das EM-Finale gegen England, wo erst in der Verlängerung der Gastgeber glücklich gewann. Der Showdown in Wembley sollte fast 18 Millionen Menschen vor den Fernseher locken – das schaffte wenige Monate später kein einziges Spiel der Männer-WM in Katar. Und weil Deutschland bei den Frauen auch achtfacher Europameister ist, spielt traditionell eine hohe Erwartungshaltung mit.

Erst einmal muss die Gruppenphase gegen Polen in St. Gallen (4. Juli), den weiteren Partien gegen Dänemark in Basel (8. Juli) und gegen Schweden in Zürich (12. Juli) überstanden werden. Danach würde im Viertelfinale schon ein Hochkaräter wie England, Frankreich oder Niederlande warten. Druck spürt Wück angeblich nicht. „Für mich ist das ein Erlebnis, bei dem ich jeden Moment genießen möchte, ähnlich wie bei den Europa- und Weltmeisterschaften im Jugendbereich.“

Der zweifache Familienvater hat die U17-Junioren vor zwei Jahren zum Gewinn von EM und WM geführt, aber er weiß selbst am besten, wie lange ihn damals die Öffentlichkeit in Ruhe gelassen hatte. Im Grunde waren die Fernsehkameras nur am Spieltag an, jetzt wird – auch durch Social Media – (fast) alles öffentlich. Als Schlagersänger Wolfgang Petry auf Einladung von Kapitänin Giulia Gwinn im Trainingslager vorbeischaute, filmte auch noch der halbe Staff mit. Der 52-jährige Wück ist noch dabei, sich umzugewöhnen.

Die Irritationen über Kommunikationsschwierigkeiten sind ausgeräumt, die Harmonie hergestellt. Die Nations-League-Spiele gegen die Niederlande (4:0) und Österreich (6:0) haben die Zuversicht geschürt. „Wenn wir an unser Limit gehen, hat es jeder Gegner der Welt gegen uns schwer. In unserer Mannschaft steckt – defensiv wie offensiv – enorm viel Wucht und Intensität“, sagt Wück. Nur: Die letzten Länderspiele sind fast vier Wochen her, einen weiteren Test wollte der Chef nicht. Co-Trainerin Maren Meinert: „Wir feilen lieber an allen Mannschaftsteilen, damit es im Nachhinein noch runder ist.“

Punkstück ist die Offensive, was bei der aktiveren Ausrichtung als unter Interimscoach Horst Hrubesch Sinn macht. Klara Bühl, Lea Schüller, auch Linda Dallmann, alle vom FC Bayern, verfügen über besondere Anlagen, wenn der Ball gut läuft. Elisa Senß (Eintracht Frankfurt) könnte die seit einem Jahr verletzt fehlende Lena Oberdorf im Mittelfeld ersetzen, Janina Minge vom VfL Wolfsburg soll die Abwehr zusammenhalten. Zum Gerüst gehört unbedingt Ann-Katrin Berger, Torhüterin bei NJ/NY Gotham FC in den USA, die schon bei den Olympischen Spielen 2024 fast im Alleingang die Bronzemedaille sicherte. Auf die von zwei Krebserkrankungen geheilte 34-Jährige muss Verlass sein, wenn der Titeltraum lange leben soll.

Bild: picture alliance

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