Das erste europäische Endspiel für den SC Freiburg ist auch deshalb so besonders, weil schon das Erreichen des Viertelfinals eine Premiere war. Zudem war bis Samstag nicht klar, dass die Freiburger auch in der kommenden Saison wieder im Europapokal dabei sind. Doch dann: Ein überzeugender Sieg gegen Leipzig, Platz sieben und die Conference-League-Playoffs gesichert. Wenn jetzt noch das Europa-League-Endspiel gegen Aston Villa gewonnen wird, winkt sogar die erstmalige Champions-League-Teilnahme.
Als klar war, dass der Sport-Club im Rückspiel gegen Braga die Niederlage aus dem Hinspiel wettmacht und das Finale erreichen würde, brachen bei den Fans alle Dämme. „Es war ein schöner Platzsturm, das war Freiburg-like, sehr friedlich und schön. Wir haben das sehr genossen. So einen Moment hatten wir noch nie, deshalb war es umso schöner“, sagte Vincenzo Grifo, seit dieser rekordträchtigen Saison bester Torschütze des Vereins.
„Was mir eine große Freude bereitet, ist wenn man sieht, wie es die Menschen verbindet. Es ist die Kraft des Fußballs, wie da alle mitfiebern. Das zieht jetzt andere Kreise“, sagt Julian Schuster, der nach der Ära Christian Streich eine große Aufgabe vor sich hatte. Doch der neue SC-Trainer führt den Verein weiter in neue Sphären und erinnert daran, was die Freiburger in dieser Saison schon erleben durften: Das internationale Derby gegen Basel zum Auftakt, auswärts in Bologna, der finale Gruppenspieltag in Lille, Genk, Celta Vigo, Braga.
Nach dem Sieg gegen Leipzig und Platz sieben steht fest: Der Sport-Club wird im kommenden Jahr zum vierten Mal in fünf Jahren international dabei sein. Das erste Europapokal-Finale der Vereinsgeschichte weckt auch Begehrlichkeiten, wie Matthias Ginter sagt: „Da ich aus Freiburg bin, meine Familie und Verwandtschaft hier sind, ist es logischerweise so, dass ich ein paar Kartenanfragen mehr habe. Ich hoffe, dass ich noch alle irgendwie unterbringen kann.“
Statt den „Breisgau-Brasilianern“ ist es in Freiburg heute schwierig, einzelne Spieler hervorzuheben, Torhüter Noah Atubolu und Senkrechtstarter Johan Manzambi dürften etliche Vereine in Europa auf dem Schirm haben. Ein Freiburger Erfolgsfaktor: Das neue Stadion ist international in schnellster Zeit eine echte Festung geworden, seit das geliebte Dreisamstadion aufgegeben werden musste. Die meisten Heimsiege in einem europäischen Wettbewerb in Folge sprechen eine klare Sprache, auch deshalb sagt Atubolu mit Blick aufs Besiktas-Stadion: „Ich hoffe, dass wir es in Istanbul auch zu einem Heimspiel machen können.“
Das hätte nicht nur die Champions League zur Folge, sondern Grifo sagt auch: „Diese Stadt, dieser Verein, diese Jungs, jeder Mitarbeiter hat sich dieses Spiel so verdient. Ich würde mir wünschen, dass wir das Unmögliche wahrmachen.“
So oder so steht jetzt schon fest: Freiburg hat in dieser Saison viele Herzen und Sympathien gewonnen. Der Platz auf der Liste für Deutschlands „Team des Jahres“ ist ihnen sicher. Und wer weiß: Vielleicht machen sie es ja der Frankfurter Eintracht nach, die 2022 erst die Europa League gewinnen und dann in Baden-Baden als Nummer 1 gefeiert wurde. Der SC Freiburg sollte sich den 20. Dezember für die Gala bereits freihalten.
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