Episch, packend, historisch. Das Zehnkampf-Duell zwischen Weltmeister Leo Neugebauer und Ex-Weltmeister Nikas Kaul zog Millionen TV-Zuschauer in seinen Bann. Am Ende gab es Gold und Silber für Neugebauer und Kaul. Neugebauer, Sportler des Jahres 2025, holte als siebter Deutscher den EM-Titel, sein Vorsprung betrug ganze 38 Punkte.
„Ich freue mich wahnsinnig über unsere beiden Medaillen“, strahlte der neue Europameister. „Wir genießen Gold und Silber“, freute sich auch der Titelverteidiger.
Völlig erschöpft aber glücklich bissen die beiden Giganten symbolisch in ihre Medaille, die goldene von Neugebauer glänzte im Schein des Flutlichts ein wenig mehr. Zehnkampf – das ist die Disziplin der Deutschen! Zwei Olympiasieger (Willi Holdorf 1964, Christian Schenk 1988), drei Weltmeister (Thorsten Voss 1987, Niklas Kaul 2019, Leo Neugebauer 2025) belegen dies. Und wie sich Willi Holdorf 1964 in Tokio gegen den Esten Rein Aun ins Ziel taumelnd Gold holte, machte es ihm Neugebauer in Birmingham (wie schon in Tokio) nach.
Die Spannung war kaum zu überbieten: Neugebauer lag mit 23 Sekunden vor dem abschließenden 1500 Meter-Lauf vorne. Neugebauer blies ab der Hälfte des Rennens mächtig die Backen auf, Kaul holte vorne Sekunden auf. Doch Kauls Aufholjagd fehlten am Ende nur vier Sekunden zur Titelverteidigung von München 2022. Neugebauer wankte auf den letzten Metern, taumelte und fiel über die Ziellinie zu Boden. Er hatte das Drama für sich entschieden. Ein Zehnkampf mit einem filmreifen Ende. Die Helden lagen sich im Ziel in den Armen und feierten gemeinsam ihren Erfolg nach einem zwölfstündigen Wettkampf im Glutofen von Birmingham. Es war der erste deutsche EM-Doppelsieg im Zehnkampf seit 60 Jahren. Ein Kampf für die Geschichtsbücher. Das Ergebnis: 8611 zu 8575 Punkte, doch Zahlen können diesen Wettkampf, den 3,7 Millionen an den Fernsehschirmen verfolgten, nicht wiedergeben.
Hindernisläuferin Gesa Krause mit drittem EM-Titel historisch
„Ich habe mir mein sportliches Lebenswerk geschaffen.“ Hindernisläuferin Gesa Krause strahlte vor Glück, nachdem sie bei der EM in Birmingham zum dritten Mal Europameisterin über 3000 Meter Hindernis geworden war und Geschichte geschrieben hatte. Die 34-Jährige, nur 1,67 Meter große Läuferin, sicherte sich zehn Jahre nach ihrem ersten EM-Titel in Amsterdam nach einem einzigen Tempolauf wieder Gold. Es ist die Krönung einer einzigartigen Karriere mit insgesamt sieben internationalen Medaillen. Schon 2015 in Peking und 2019 in Doha war Krause mit zwei WM-Bronze-Medaillen auf der Strecke der Afrikaner in die Phalanx der Kenianerinnen vorgestoßen.
Sie überwand Rückschläge, wie bei der WM 2017 in London, als sie nach einem Sturz wieder aufstand und in einer furiosen Aufholjagd noch Neunte wurde und dafür größten Respekt und Ehrungen erhielt. Hinfallen, aufstehen, weiterlaufen steht für Krauses Widerstandskraft und Motivation der 13-fachen Deutschen Meisterin.
„Hindernislauf ist die schönste Disziplin“, lautet ihre Liebeserklärung. „Ich lebe meinen Traum, konnte mein Hobby zum Beruf machen und damit Geld verdienen, und ich kann meine sportliche Situation mit meiner Familie teilen“, lautet ihre Lebensphilosophie. „Die Geburt meiner Tochter mit Tochter Lola Emilia 2023 hat mein Leben natürlich total verändert, meine sportlichen Ziele sind aber geblieben“, stellt die Hinderniskönigin, die seit 2011 bei fast allen internationalen Großereignissen dabei war, fest. Trainer Wolfgang Heinig (75) kämpfte in Birmingham mit den Tränen. Krause ist sein Lebenswerk.
Der Traum beider: 2028 in Los Angeles zum fünften Mal nach London, Rio, Tokio und Paris bei Olympischen Spielen an den Start zu gehen. Nur Diskuswerfer Lars Riedel und Hochspringer Carlo Tränhardt schafften dies. Es sind historische Leistungen.
Bild: picture alliance