Gold und Süßes für das unzertrennliche Duo

Gold und Süßes für das unzertrennliche Duo

Gold und Süßes für das unzertrennliche Duo

 
Die beiden besten Freundinnen haben es wieder getan. Und wie! Vier Jahre nach ihrem Erfolg in Peking rauschten Lara Nolte und Deborah Levi erneut mit ihrem Zweierbob zum Olympiagold. Souverän mit Startrekord und drei Laufbestzeiten wiederholten sie am vorletzten Wettkampftag der Winterspiele im Sliding Center von Cortina ihren Triumph. Damit sind sie die ersten Athletinnen in Schwarz-Rot-Gold, die sich in ihrer Sportart mit zwei olympischen Goldplaketten schmücken können. Durch ihren zweiten Rang vor vier Tagen im Monobob ist Nolte nunmehr auch die hierzulande erfolgreichste Bobsportlerin.

Ihre Emotionen, sagte Nolte nach dem historischen Erfolg, spielen jetzt noch mehr verrückt als in Peking, „was sie niemals für möglich gehalten hätte“. Damals sei das für sie und Debbie derart überwältigend gewesen, weshalb sie glaubten, betrunken zu sein. „Jetzt schweben wir auf Wolke sieben, mehr geht nun wirklich nicht“, sprudelte es aus Nolte heraus, wobei sie ihre Anschieberin glücksstrahlend in den Armen hielt, sie drückte, herzte und beide wie ein Flummi umhersprangen.

Noltes Gefühlsausbruch ist nur allzu verständlich, nachdem sie im Monobob das ersehnte Gold um einen Wimpernschlag verfehlt hatte und danach viele Tränen der Enttäuschung geflossen sind. Drei Läufe hatte die 27-Jährige dominiert, im Schlussdurchgang zog die Amerikaner Elana Meyers Taylor noch um vier Hundertstelsekunden an ihr vorbei. „Das ist jetzt vergessen“, sagte Nolte, „der erneute Sieg mit Debbie ist mit nichts zu toppen.“

Im Gegensatz zu ihren Rivalinnen, die im oberen Teil der 1440 Meter langen Eispiste mit ihren Kufengefährten ins Schlingern gerieten, meisterten Nolte und Levi die Schwierigkeiten problemlos. Sie mussten zwar auch leichte Rutscher und Bandenberührungen quittieren, hielten ihr Gerät aber stets auf Zug. Ihre Gesamtfahrzeit betrug 3:48,46 Minuten. Damit lagen sie 53 Hundertstelsekunden vor ihren zweitplatzierten Teamkolleginnen Lisa Buckwitz und Neele Schuten. Die Amerikanerinnen Kaillie Armbruster Humphries und Jasmine Jones hatten als Dritte einen Rückstand von 75 Hundertstelsekunden.

Seit nunmehr acht Jahren sind Nolte und Levi ein unzertrennliches Duo. Im Herbst 2018 hatten sie sich beim Anschubtraining kennengelernt. Levi sprintete die 100 Meter damals in 11,70 Sekunden. Nach den ersten Testläufen habe es gleich den sofortigen Klickmoment gegeben, erzählte Nolte, indem sie danach zusammen essen gegangen seien. „Obwohl wir satt waren, wollten wir noch einen Nachtisch haben, weil wir Süßes mögen. Wir kauften uns einen Kuchen, den wir noch gemeinsam aßen. Irgendwie stimmte die Chemie von Anfang an.“

Nach ihrem Olympiasieg in Peking zog Nolte, die aus Unna stammt, nach Frankfurt, wo Levi, die ein Jahr älter ist, lebt und trainiert. Sie sei ihr gewissermaßen hinterhergezogen, damit sie sich nicht nur im Winter, sondern auch im Sommer jeden Tag sehen und zusammen trainieren können. Für großes Aufsehen sorgten beide im Oktober vorigen Jahres mit einem ungewöhnlichen Fotoshooting in der Innenstadt der Mainmetropole. Unter dem Motto „Wintersiege werden im Sommer gemacht“ verwandelten sie die Straßen in eine symbolische Bobbahn, um auf ihren Sport und die Winterspiele „Milano Cortina 2026“ aufmerksam zu machen.
Richtig gestritten, versicherte Nolte, hätten sie sich noch nie. Vielmehr pflegen sie eine ähnliche Harmonie wie Deutschlands erfolgreichste Winter-Olympioniken, die Rodler Tobias Wendl und Tobias Arlt. Die siebenmaligen Olympiasieger hätten in ihrer 25-jährigen Karriere noch nie ernsthafte Meinungsverschiedenheiten gehabt, sagen sie. Und so wie das Rodler-Duo fahren Nolte und Levi auch gemeinsam in den Urlaub. Im vergangenen Sommer flogen sie nach Malaysia, um dort Kraft und Zuversicht für die Olympiasaison zu tanken. Ihr zweiwöchiger Trip nach Südostasien hat sich wahrlich gelohnt.

Bild: picture alliance

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