Hockey-Cracks jetzt auch Europameister

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Am Ende flossen sogar bei denen die Tränen, die gar nicht mehr direkt beteiligt sind. Als Niklas Wellen, der nach der Silbermedaille bei den  Olympischen Sommerspielen in Paris seine internationale Hockey-Karriere beendet hatte und nun als Experte für den übertragenen Fernsehsender (Magenta TV) brillierte, die Bedeutung des scheidenden Kapitäns Mats Grambusch skizzieren sollte, wurden die Augen wässrig und die Stimme arg brüchig. „Er macht alle um ihn herum besser“, sagte Wellen.

Größer kann eine Laudatio kaum ausfallen, und besser kann ein Abschied vermutlich nicht sein. In seinem letzten von 222 Länderspielen hatte Grambusch sein Team nicht nur zum Europameistertitel geführt – der gebürtige Mönchengladbacher durfte diesen Triumph auch noch im ausverkauften Mönchengladbacher Hockeypark vor 9000 begeisterten Zuschauern feiern. „Überragend, gigantisch. Besser hätte ich es mir nicht ausmalen können“, sagte der 32 Jahre alte sichtlich bewegte Mittelfeldstratege über das Ende seiner 14 Jahre im Dress der deutschen Nationalmannschaft.

Das Finale gegen die Niederlande war ein Showdown der besonderen Art – es traf in der Neuauflage des olympischen Endspiels schließlich der Weltranglistenzweite Deutschland auf den Primus der internationalen Hackordnung, der aktuelle Weltmeister auf den aktuellen Olympiasieger und EM-Titelverteidiger. Seit Bundestrainer André Henning nach dem Viertelfinal-Aus bei den Olympischen Spielen in Tokio 2021 und einer besorgniserregenden Serie von Niederlagen in K.o-Spielen die deutsche Mannschaft übernahm, hat das Team aber eine bemerkenswerte Resilienz entwickelt. In drei der vier großen Turniere unter seiner Regie erreichte sie das Finale, wurde 2023 in Indien Weltmeister, scheiterte 2024 in Paris erst im Penaltyschießen an der Niederlande und gewann nun ebenfalls im Penaltyschießen gegen den Nachbarn den EM-Titel. Nur bei der EM vor zwei Jahren, kein halbes Jahr nach dem WM-Titel, wurde – ebenfalls in Mönchengladbach – das Finale verpasst.

Damals war Mats Grambusch zum Pechvogel des Turniers geworden, als ausgerechnet er in seinem „Wohnzimmer“ den entscheidenden Penalty im Halbfinale gegen England vergeben hatte. Das Happy End in der Geburtsstadt war damit aber nur aufgeschoben – das Team hatte sich erfolgreich gegen die drohende Niederlage gewehrt, nachdem die Niederländer dieses Finale lange eindeutig dominierten und höher als 1:0 hätte führen können. Taten sie aber nicht, und als es durch den überraschenden Ausgleich von Weigand auf das Penaltyschießen zulief, war alles für das fast schon kitschige Ende bereit. Torwart Jean-Paul Danneberg wurde unüberwindbar in der Zusatzschicht, die deutschen Schützen zeigten sich diesmal entschlossener als im Olympia-Finale und bereiteten Grambusch und dem ebenfalls scheidenden Mülheimer Abwehrspieler Lukas Windfeder so das perfekte Karriere-Ende. Grambusch wurde noch mit der Auszeichnung zum besten EM-Spieler dekoriert, was ihn durchaus überraschte. „Das war wohl eine U32-Wahl“, sagte er augenzwinkernd. Für das Lebenswerk auf dem Platz war es durchaus angemessen.                                      

Bild: picture alliance

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