„Sportlerin des Jahres 2018“: Angelique Kerber

Ein Titel für die Ewigkeit

Es sind diese magischen Orte, die oft symbolisch für eine Sportart stehen und den Odem des Exklusiven, des Unvergleichlichen, versprühen: Wembley als „Mekka des (britischen) Fußballs“. Die „Streif“ in Kitz, das Hahnenkamm-Rennen, als die ultimative Herausforderung im alpinen Skisport. Ja, und natürlich auch dieses kleine Stückchen Rasen vor den Toren der englischen Hauptstadt. Eingepfercht zwischen steil aufragenden Zuschauerrängen, die jeden Passierschlag, jeden krachenden Aufschlag, wie einen donnernden Kanonenschlag zurückwerfen. Wer hier, auf dieser kleinen unscheinbaren Rasenfläche, der man die Attitüde des „Heiligen“ verliehen hat, besteht, der kann, der muss ein Großer, eine Große sein.

So wie sie: Angelique Kerber. Erfolge in Australien und New York hin oder her. Nummer 1 der Welt – schön und gut. Aber erst dieser Tag im Juli 2018 öffnete ihr die Tür in die Ahnengalerie der Heldinnen in Weiß. Auf einer Stufe mit glanzvollen Namen wie Billie Jean King, Martina Navratilova, Steffi Graf. Und, und, und. Ihr Zwei-Satz-Erfolg im Finale über Serena Williams verlieh ihr den Titel, der die Doktorarbeit mit „summa cum laude“ im Spiel mit dem gelben Filzball bedeutet: Wimbledon-Siegerin. Die erste Deutsche, 22 Jahre nach Steffi Graf. „Das ist der schönste Tag meiner Karriere. Jetzt kann ich sagen: Ich bin Wimbledon-Champion. Diesen Titel kann mir keiner nehmen, ich bin überglücklich“, bekannte sie nach dem Triumph. Und verhehlte dabei auch nicht: „Heute war ich so nervös wie nie.“

Doch der historische Triumph im All England Lawn Tennis and Croquet Club war kein Freibrief für weitere Erfolge. Die Kielerin quittierte einen Fehlstart in die Hartplatz-Saison. Bei den US Open war nach der Niederlage gegen die Slowakin Dominika Cibulkova in Runde drei der letzte Ball geschlagen. Letztendlich blieb nur die Suche nach neuen Reizen, neuen Impulsen. Und sie tat das, was man auch im Fußball bei solchen Gelegenheiten zu tun pflegt, weil es eigentlich „zum Geschäft“ gehört: Anqelique Kerber wechselte ihren Trainer.

Nach nur einem Jahr erklärte sie vor den WTA-Finals in Singapur ihre Zusammenarbeit mit Wim Fissette für beendet. „Unterschiedliche Auffassungen bezüglich der zukünftigen Ausrichtung“ habe man gehabt, wurde offiziell verkündet. Nun soll es einer richten, der einst die Hoffnungen der deutschen Herren trug. Als Spieler, nicht als Coach. Rainer Schüttler ist der neue Coach der Weltranglisten-Zweiten. Ein Mann, der nach dem Ende der eigenen Karriere als Inhaber einer Tennis-Akademie für größtmögliche Fitness, für akribische Arbeit und Detail-Versessenheit steht.

Es ist die Summe vieler Kleinigkeiten, des eisernen Willens, des nicht Ausweichens auch vor ungeliebten Entscheidungen, die Angelique Kerber in diesem Jahr hat weiter an sich arbeiten und dabei reifen lassen. Ein Prozess, der der Linkshänderin auch zum zweiten Mal den Titel der „Sportlerin des Jahres“ beschert hat. Garniert mit jedem einzigartigen Attribut, das ihr vor zwei Jahren noch gefehlt hatte – das der Wimbledon-Siegerin. Eines Triumphes, der einzigartig, aber nicht ihr einziger dort sein und bleiben soll.

Letzte Änderung amSonntag, 16 Dezember 2018 23:27
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Datenschutzerklärung Ok