Simon Geschke

Große Chancen gibt sich Simon Geschke angesichts der starken Konkurrenz beim Kampf um die Krone des „Sportler des Jahres“ nicht. König ist er bereits. „Bergkönig der Herzen“ bei der Tour de France 2022. Neun Tage trug der 36-Jährige das prestigeträchtige Trikot mit den roten Punkten bei seiner zehnten „Großen Schleife“ durch Frankreichs Bergwelt. So lange, wie noch kein deutscher Radprofi vor ihm. Es war ein körperlicher und mentaler Kraftakt.

Der Traum, das begehrte Jersey auch auf der großen, gelben Bühne von Paris tragen zu können, platzte am berüchtigten Col d‘Aubisque in den Pyrenäen. Schlimmer noch: Der bärtige Cofidis-Fahrer musste das Trikot der Berg-Sonderwertung stellvertretend für Gesamtsieger Jonas Vingegaard in Richtung Paris fahren.

Dieser Seelenschmerz hat sich inzwischen minimiert. Im November erneut Stellvertreter im Punktetrikot bei den Tour de France-Aftershow-Kriterien in Singapur und Saitama/Tokio, blickt „Simoni“ heute stolz auf seine Leistung vom Juli zurück. Teilweise über sich hinausgewachsen sei er. Deshalb bedeute ihm der zweite Platz in der Bergwertung der „Grande Boucle“ genau so viel, wie der sensationelle und auf dem Papier wertvollere Etappensieg 2015 von Pra Loup. „Das Bergtrikot Tag für Tag zu verteidigen, war tatsächlich schwerer und nervenaufreibender. Zumal in meinem fortgeschrittenen Alter“, resümiert der nach eigenen Worten einzige vegane World Tour-Profi.

Das Jahr barg weitere Glanzpunkte. Darunter der dritte Platz bei der Tour de Romandie und die direkt folgende standesamtliche Hochzeit mit der österreichischen Moderatorin Sophie, die er beim Giro d‘Italia kennengelernt hatte. Zeit für echte Flitterwochen fanden sie noch nicht. Die große, vegane Hochzeits-Sause mit freier Trauung soll ebenfalls im kommenden Jahr folgen.

So, wie die nächste Tour de France. „Es wird keine Kopfsteinpflasteretappe geben, weniger Zeitfahrkilometer, kein Mannschaftszeitfahren, das ist alles gut für mich“, freut sich der Wahl-Freiburger schon jetzt. Besonders angetan hat es ihm die 20.Etappe. „Die Vogesen sehe ich quasi von meinem Wohnzimmerfenster aus. Fast zuhause und dann am nächsten Tag direkt nach Paris. Da spart man sich auch diese Fliegerei aus den Alpen oder aus den Pyrenäen“, findet er es nachhaltig cool.

Klar, die Konkurrenz beim „Sportler des Jahres“ ist groß. Der direkte Konkurrent im Leben lauert aber in der Familie - „Jimi“, die kleine, starke, fleischfressende französische Bulldogge. Die ist wie sein Herrchen in Deutschland bekannt wie ein bunter Hund.

Bild: © ROTH-FOTO

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Füchse Berlin Reinickendorf

In der Berliner Max-Schmeling-Halle, Heimat des Bundesliga-Führenden Füchse Berlin-Reinickendorf, strahlt neuerdings ein Lichtlein. Der 20-Jährige Rückraumspieler Nils Lichtlein rückt sich mit seinen Toren und der beherzten Spielweise immer häufiger in den Blickpunkt der Trainer und Fans. Besonders hell strahlt Lichtlein bei den EHF-Cup-Begegnungen. So donnerte er zum Beispiel gegen die Spanier von Bidasoa Irun sieben Mal die Kugel in die Kiste der Basken.

Für die Zuschauer lohnt sich schon deshalb oft der Besuch im „Fuchsbau“, weil sie bisweilen Traum-Kombinationen mit Seltenheitswert zwischen Haudegen Paul Drux (27) und dem aufstrebenden Nils Lichtlein bestaunen dürfen. Mit bald 50 Toren trug das Duo  spürbar zur Tabellenführung in der Handball-Bundesliga bei. „Wir haben uns mit Paul  Tempospiel vorgenommen. Wir rennen viel und dadurch holen wir gute Schusspositionen für uns heraus“, stellte Jungfuchs Nils sein Licht etwas unter den Scheffel. In einer Journalisten-Runde  gab er später schon zu: „Ich glaube, dass ich mich von Spiel zu Spiel immer besser in der  Bundesliga-zurecht finde.“

Der Regensburger stieß als 14-Jähriger Gymnasiast zu den Füchsen. „Die beste Entscheidung für mich“, gibt Nils unumwunden zu. Immerhin erbeutete Niels nicht nur vier deutsche Jugendmeistertitel. Ihm gehört auch eine WM-Silbermedaille der U19. Das Leben riss leider auch Niels vor einem Jahr beim Spiel gegen Magdeburg aus dem Freudentaumel. Ohne gegnerische Einwirkungen knickte Niels um. Die schlimme Diagnose: Risse von drei Außenbändern- und einem Innenband. „Da war ich schon verzweifelt, zumal ich auch Rückschläge erlitt“, gesteht die neue Tor-Kanone im Fuchsbau.

Nach seiner Genesung kann der 20-Jährige nun unbelastet Familien-Traditionen fortsetzen. Schon Niels ´Großonkel Artur (76) hütete nämlich das Tor beim Traditionsverein Großwallstadt und Onkel Carsten brachte es nicht nur zum deutschen Nationaltorwart sowie zu Europa- und Weltmeister-Titeln. Carsten Lichtlein hält mit 712 Einsätzen auch den Bundesligarekord. Sein letztes Bundesligaspiel bestritte der 41-Jährige Torwart im vergangenen Frühjahr im Kasten der GWD Minden.

Minden! Da verzieht Nils das Gesicht, denn gerade dort fingen sich die Berliner ihre erste Klatsche der Saison ein. Onkel Carsten war es übrigens, der seinen Neffen zum Wechsel nach Berlin riet. Der Torwart wusste um die gute Nachwuchsabteilung mit dem Sportelite-Gymnasium und besten Trainern. Der Umzug von der Donau an die Spree zahlt sich aus. Jetzt blickt der Rückraum-Jungstar sogar  in Richtung Paris. An der Seine steigen in knapp zwei Jahren die Olympischen Spiele 2024. Da wünscht sich Nils zumindest heimlich, dann mit der deutschen Nationalmannschaft auf die Platte zu laufen.

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Dang Qiu – Europameister und erstmals in den „Top Ten“

Als kleiner „Dergel“ hüpfte er durch die Halle, wenn Vater Jianxin Qiu und Mutter Hong Chen Tischtennis spielten, beim TTC Frickenhausen in der Bundesliga beziehungsweise in der Oberliga. Ihr jüngster Sohn Dang Qiu – sein älterer Bruder Liang ist für Neckarsulm in der 3. Liga aktiv – wurde in Nürtingen geboren, durchlief später die Nachwuchsförderung des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB), wurde Baden-Württembergischer Meister, Deutscher Schülermeister, EM-Zweiter der U21 – stetig ging es für den Rechtshänder bergauf. Nach dem Abitur am Nürtinger Hölderlin-Gymnasium 2015 konzentrierte er sich dann ganz auf den schnellen Rückschlagsport mit dem kleinen Plastikball – Dang ist verrückt nach Tischtennis!

Manchmal fast zu sehr: „Er lebt Tischtennis, aber manchmal muss ich ihn auch bremsen und ihn auffordern, mal zwei Stunden nicht daran zu denken und einfach loszulassen“, sagt Danny Heister, sein Trainer beim deutschen Rekord-Meister Borussia Düsseldorf. Seit 2021 steht Dang (26) in Diensten des 32-maligen Titelträgers, hatte großen Anteil am Titel 2021/2022 und gewann in seiner ersten Saison am Rhein 26 von 29 Matches! Danach ging es sogar noch steiler nach oben, den bei den European Championships in München im August holte er sich die Einzel-Goldmedaille – unter anderem nach einem 4:0-Erfolg im Viertelfinale gegen Tischtennis-Idol Timo Boll, den ehemaligen Weltranglistenersten. Nach der EM knackte Dang als Neunter der Weltrangliste erstmals die „Top Ten“.

Dang Qiu wurde im Laufe seiner noch jungen Karriere bereits Deutscher Einzelmeister (2022), fünf Mal Deutscher Meister im Doppel, Mannschaftsmeister mit Düsseldorf, 2021 Team-Europameister sowie Mixed-Europameister mit Nina Mittelham. „Die Erfolge der vergangenen Monate waren herausragend“, räumte der einzige deutsche Penholder-Spieler vor dem EM ein. Nach München führte er bei der Team-WM im chinesischen Chengdu – weil Timo Boll (41), Dimitrij Ovtcharov (33) und Patrick Franziska (30) aus verschiedenen Gründen fehlten – die deutsche Mannschaft und Benedikt Duda (28/Bergneustadt) sowie Kay Stumper (20/Düsseldorf) ins Finale gegen die Gastgeber und zur hochverdienten Silbermedaille! „Wir können alle super stolz auf die Jungs sein“, lobte Rekord-Europameister Boll, „aber die Chinesen waren wieder superstark.“

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Hansis Eleven wie einst Kara Ben Nemsi: „Durch die Wüste“

  • Publiziert in Sdj News

Armel Bella Kotchap? Hm. Also ehrlich gesagt: Nein, sagt mir nix. Aber der hier doch bestimmt: Götze. Mario Götze! Klar doch, der hatte 2014 gegen Argentinien im Finale das Siegtor geschossen. Ja, den kennt der deutsche Fußball-Fan natürlich. Ja, so schwierig ist das mit dem Aufgebot für eine Fußball-Weltmeisterschaft. Überraschungen, wo man hinguckt. Und bis es soweit war, hat Bundestrainer Flick, der auch mit 57 Jahren immer noch den „Hansi“ als Rufnamen bevorzugt, bestimmt schlaflose Nächte verbracht. Denn der Hansi (O-Ton „Alternative wäre Hans oder Hans-Dieter. Das ist auch nicht besser“) hat als ehemaliger Bayern-Coach in den vergangenen Tagen bestimmt manche Watsch’n einstecken müssen. Weil er zum Beispiel den Hummels nicht mitnimmt. Dafür aber den Klostermann. Oder den Armel Bella, wie hieß der nochmal.

Wie dem auch sei: Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Oder besser gesagt: Jene 26 Kicker, die es möglichst so weit bringen sollen, wie der Neu-Frankfurter vor acht Jahren in Rio, stehen fest. Und der Mario, mittlerweile 30, geerdet, Adlerträger, Vater, kein Schnösel mehr, sei einer, „der der Mannschaft einen Mehrwert verpasst.“ Davon ist zumindest sein Mitspieler Kevin Trapp überzeugt. Der dürfte zwar als dritter Torwart auf (noch?) weniger Einsatzminuten kommen als sein Vereinskollege aus dem Mittelfeld. Was aber nicht wundert, denn geniale Gedankenblitze wie die vom Professoren-Sohn aus dem Allgäu fordert und erwartet von ihm ohnehin niemand.

Was ist über diese WM in der Wüste, die am Sonntag mit der Begegnung des Gastgeberlandes Katar gegen Ecuador beginnt, nicht schon alles in die ob der gesellschaftspolitischen Umstände plötzlich höchst bestürzte Welt hinausposaunt worden. Sogar über Fußball wurde schon spekuliert. Wer etwa die Franzosen beerben könne, die vor vier Jahren die Kroaten um das kleine Wunderkind Ivica Modric im Finale mit 4:2 abservierten. Die Argentinier werden erstaunlich hochgehandelt. Aber die Gauchos finden sich mit dem Nachbarn von der Copacabana ohnehin alle (vier) Jahre wieder im Topf der üblichen Verdächtigen mit den besten Europäern.

Und was ist womöglich mit dem ersten Weltmeister vom schwarzen Kontinent? Bei aller Bescheidenheit: Weder Senegal, Ghana, Tunesien, Marokko oder Kamerun kommen wohl für das große Jubelfoto am 18. Dezember nach dem Finale in Frage. Bliebe also die 26-köpfige Auswahl von Hans, Hansi oder Hans-Dieter Flick bei dessen erster WM als Cheftrainer. Ein bisschen weiter als vor vier Jahren, als der Flieger nach Hause bereits nach der Vorrunde abhob, sollte es in der Gruppe E gegen Japan, Costa Rica und Spanien schon gehen. Aber wie weit denn nun? „Wenn wir den Titel holen würden, wäre das schon eine Überraschung“, unkt der Neu-Madrilene Antonio Rüdiger, den Flick im Vorfeld zum Abwehrchef auserkoren hat. Was also wäre realistisch, wenn es wie im ersten Band von Karl Mays literarischem Orient-Sextett heißt: „Durch die Wüste“?

Sollten die DFB-Kicker am 18. Dezember aus den angeführten Gründen nicht zur Gala „Sportler des Jahres“ im Kurhaus von Baden-Baden erscheinen können, sei Ihnen das in diesem konkreten Fall verziehen. Ansonsten halten wir es „a bisserl philosophisch“ mit dem kickenden Kaiser: „Schau‘n mer mal“

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