Ein japanisches Fest, Teil II

Das Wichtigste vorweg: Die paralympischen Spiele von Tokio 2021 haben Corona getrotzt. Es gab dank eines perfekt funktionierenden japanischen Hygiene- und Sicherheitskonzeptes keine, oder zumindest kaum, Be- und Einschränkungen. Wie schon Olympia mussten die Weltspiele der körperlich behinderten Athlet:innen ein Jahr später und ohne Zuschauer stattfinden. Obwohl die japanische Hauptstadt täglich bis zu 20.000 Neuinfektionen meldete, hielt die „Para-Bubble“ ziemlich dicht.

Der Umstand, dass man quasi „entre nous“ war,  störte die meisten Teilnehmer:innen offenbar kaum noch  bei ihren Wettkämpfen in der größten Stadt der Welt. „Mittlerweile kennen wir das ja fast schon nicht mehr anders“, räsonierte Paralympics-Weitsprungsieger Markus Rehm.  Wie alle vier (in diesem Falle fünf) Jahre, beeindruckten die behinderten Sportler:innen mit großartigen Leistungen, mit vielen Rekorden in den einzelnen Klassen.  Dass Japan sein eigentlich vorgesehenes Bild eines weltoffenen und freundlichen großen Landes im fernen Osten nicht zeigen durfte, lag nicht an ihnen, sondern an einem kleinen unsichtbaren Virus.

Friedhelm Julius Beucher, der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes, sprach von „authentischen, sympathischen und erfolgreichen“ Spielen. Aus deutscher Sicht war das Ergebnis unter dem Strich recht durchwachsen. Beucher freute sich, dass „unsere Goldraketen mit etwas Anlaufzeit dann noch nachhaltig gezündet hatten.“ Die Leichtathlet:innen steuerten 15 Medaillen bei. Wie immer der Löwenanteil bei der Sammlung des Edelmetalls. Namen wie Markus Rehm, Johannes Floors, Felix Streng, aber auch Lindy Ave, die ganz zum Schluss noch für den ersten deutschen LA-Weltrekord (400 m) sorgte, werden auch in den Vorschlagsliste für Deutschlands „Sportler:innen des Jahres“ wieder auftauchen. Und das mit Recht.

Und dass die Frauen und Männer auf der Laufbahn, im Wasser, in den Hallen oder wo auch immer, oft in ihren Rollstühlen, mit einer ganz besonderen persönlichen Gelassenheit mit ihrer körperlichen Ausnahmesituation umzugehen wissen, bewies einmal mehr Johannes Floors, dem beide Unterschenkel hatten amputiert werden müssen. „Ich bin der schnellste Mensch der Welt ohne Beine. Geil!“

Bild: picture alliance

 

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Poschmanns Baden-Baden

Die Sportler-des-Jahres-Familie trauert – und kann es nicht fassen. Wolf-Dieter Poschmann ist völlig überraschend verstorben. Der langjährige Sportchef des ZDF wurde nur 70. Und viele erinnern sich gerade an die Initiative des Leichtathletik-Fachmanns in Sachen „SdJ“. Er schlug die Brücke vom Zweiten zur Gala und Wahl der Sportlerinnen, Sportler und Mannschaften, die jetzt seit über 20 Jahren exklusiv von den Mainzern ausgestrahlt wird. „Poschi“ ehrte und interviewte die Besten – die Bühne des Bénazetsaals im Kurhaus von Baden-Baden wurde auch sein Zuhause.

Und die Ausgezeichneten erlebten ihre Sternstunden, wenn sie immer kurz vor Weihnachten von Wolf-Dieter Poschmann auf die Bühne gebeten wurden. Während der Vorbereitungsphase sah man den TV-Moderator durch die Lichtentaler Allee joggen. Seine Fitness war ein leuchtendes Beispiel. Poschis Herz schlug auch für die weniger telegenen Sportarten. Ohne sein Engagement wäre zum Beispiel das deutsche Eisschnelllaufen in schwierigen sportlichen Zeiten kaum mehr auf den Sender gekommen. Der frühere DESG-Präsident Gerd Heinze zeichnete den Sportjournalisten für sein Wirken aus. Auch für die Kufenflitzer war es eine Freude und Ehre, mit Poschmann am Bandenrand zu stehen. Dort fehlt er nun ebenso wie bei Vorträgen und Moderationen. Die Sportler-Familie und die SdJ-Anhänger nicht nur in Baden-Baden beklagen einen immensen Verlust. Aber Danke, Poschi.

Bild: ZDF

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Paralympics mit Goldrand

Das war in der Tat ein goldenes Wochenende für die deutschen Athlet:innen bei den noch bis zum 5. September stattfindenden Paralympics in Tokio. Insgesamt fünf Tage hatte es gedauert, bis Schwarz-Rot-Gold am mittleren Fahnenmast bei der Siegerehrung emporgezogen wurde. Erst als Triathlet Martin Schulz und Rollstuhl-Tischtennisspieler Valentin Baus sich am Sonntag ihre Goldmedaillen abholen durften, war der Bann gebrochen. An Edelmetall und zahlreichen guten Vorstellungen der Teilnehmer:innen des Deutschen Behindertensportverbandes hatte es aber auch zuvor nicht gemangelt

Weitspringer Leon Schäfer beispielsweise, der eigentlich als Favorit in seinen Wettbewerb gegangen war und sogar auf eine Verbesserung seines Weltrekordes (7,24 Meter) gehofft hatte, errang in seiner Spezialdisziplin eine Silbermedaille. Der 24 jährige, dem nach einer Krebserkrankung der rechte Unterschenkel hatte amputiert werden müssen, gilt als Modellathlet und als das „Gesicht“ (eigentlich eher der muskulöse Body) dieser paralympischen Spiele aus deutscher Sicht.

Insgesamt zehn Medaillen (neben den beiden Goldenen noch drei Silberne und fünf Bronzene) durfte das deutsche Aufgebot bis zur Hälfte der Spiele einsammeln. Wie bei jedem weltweiten Sportevent für behinderte Sportler:innen gab es auch in Tokio nur wenige Wochen nach den Olympischen Spielen wieder einzigartige Leistungen behinderter Athlet:innen zu bewundern. Bei den Goalballer:innen beispielsweise (Mannschaftssport für Menschen mit Sehbehinderung) oder auch im Rollstuhlbasketball. Eine Mannschaftssportart, in der knallhart gekämpft wird, die Fetzen und die Stühle fliegen und die Schütz:innen mit unglaublicher Präzision aus mehreren Metern Entfernung treffen.

Der paralympische Medaillenspiegel weist Deutschland nach der Hälfte der Spiele auf Rang 21 aus. Wie in jedem Jahr werden auch 2021 wieder Mitglieder:innen dieses Kaders die Liste der möglichen Sportler:innen des Jahres mehr als nur auffüllen. Ein Wiedersehen in Baden-Baden im Dezember ist jedenfalls genauso möglich wie gerechtfertigt.

Bild: picture alliance

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Fahnen­träger Michi Teuber: Gänsehaut pur

Michael Teuber, zum 6. Mal bei den Paralympics, meldet sich aus Tokio. Der erfolgreiche Para-Cycler (5 x Gold) wurde als Fahnenträger auserkoren. Michi, Stammgast in Baden-Baden:

„Eine größere Ehre, als die Mannschaft anzuführen gibt es nicht. Wenn dann die Eröffnungsfeier näher rückt, stellt sich schon eine gewisse Anspannung ein, aber total positiv, Vorfreude eben! Die Mannschaften warten lange vor dem Stadion auf ihren Einmarsch. Aber irgendwann geht es dann in den Tunnel unter den Tribünen und da hat das Team dann richtig Stimmung gemacht! Mareike Miller und ich bekamen die Fahne in die Hand gedrückt und dann führst Du das Team Germany rein ins Olympiastadion! Wow! Dieser Moment war Gänsehaut pur, das erlebst Du nur einmal im Leben!“

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