Andi Brehme: Ein (zu) früher Tod des Helden von Rom

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War es nun der linke oder der rechte Fuß? Der, mit dem er das Siegtor am 8. Juli 1990 im WM-Finale von Rom gegen Argentinien erzielt hatte.? Jener Elfmeter, der zum einzigen Tor dieses denkwürdigen Spiels führte, und der Andreas Brehme auf immer in die Geschichtsbücher des deutschen Fußballs eintrug. Denn Andreas Brehme war einer der ganz wenigen begnadeten Kicker, die keinen starken Fuß hatten. Aber auch keinen schwachen. Einer, der links wie rechts die „Buden“ machte, wie es so schon auf Neuhochdeutsch heißt.
Und weil er für alles gleich zweimal gut war, durfte er auch zweimal sich den Titel als Mitglied der „Mannschaft des Jahres“ in Baden-Baden abholen. Eben 1990, als Mitglied der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, die die Nacht von Rom gegen die „Gauchos“ zu einem unvergesslichen Erlebnis machte. Und dann 1998 noch einmal, als der 1. FC Kaiserslautern, für den er gleich zweimal in seiner Karriere die Fußballstiefel schnürte, Historisches vollbrachte: Als erster und bisher einziger Aufsteiger gelang der Truppe von Trainer Otto Rehhagel der Triumph ein Jahr nach dem Abstieg aus der Bundesliga zurück zu kommen und als Aufsteiger zu Meisterehren zu kommen.
Über den 1. FC Saarbrücken nach „Lautern“, dann zum FC Bayern und zu Inter Mailand gekommen, blieb der gebürtige Hamburger immer bodenständig und erlaubte sich keine Starallüren. Bei der Trauerfeier für Franz Beckenbauer, der ihn und seine Mannschaft 1990 zum Weltmeister-Titel führte, war er noch mit dabei. Jetzt, nur wenige Wochen später, ist „Andi“ Brehme „Kaiser Franz“ gefolgt. Mit 63 Jahren erlag er in der Nacht von Montag auf Dienstag einem Herzinfarkt. Kein wirklich gutes Jahr für den deutschen Fußball und seine besten Botschafter bis dato.

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Vor 35 Jahren der WM-Schnellste

Hansjörg Tauscher gewann 1989 in Vail als bislang einziger Deutscher eine WM-Abfahrt. Was vor- und nachher passierte, verrät der 56-jährige Polizist nun nach und nach – Humor inklusive.

Gespräche mit Hansjörg Tauscher, dem Abfahrtsweltmeister von 1989, sind einfach nur köstlich. Man hört, wie da einer immer noch brennt vor Begeisterung. Wie einer leidenschaftlich erzählt und aus seinen hintersten Gehirnwindungen Geschichten hervorkramt, die sich ein Märchenerzähler nicht besser zurechtlegen könnte.

Eineinhalb Stunden dauert das Telefonat, vollgepackt mit Fakten, Erlebnissen und Gefühlsbeschreibungen, die alle verwoben sind mit diesem einen Tag. Dem 6. Februar 1989. Ein Rosenmontag, der die deutsche Mannschaft in Vail im US-Bundesstaat Colorado in Partylaune brachte, aber auch in der Allgäuer Heimat für einen Konfettiregen sorgte.

Für Hansjörg Tauscher ist dieser 6. Februar eine Art zweiter Geburtstag. Das Oberstdorfer Alpin-Ass wurde mit 21 Jahren Weltmeister. Eine Schussfahrt von zwei Minuten, zehn Sekunden und 39 Hundertstel setzte das Leben des jungen Allgäuers auf ein anderes Gleis. Wobei es laut Tauscher nicht ausgeschlossen ist, dass er auch ohne WM-Titel dastehen würde, wo er heute steht. Jetzt jährt sich dieses Ereignis zum 35. Mal. Eine gute Gelegenheit, den 56-jährigen Polizei-Hauptkommissar, Achtung Humor, in den Zeugenstand zu rufen und ihm Geschichten zu entlocken, die nur seine engsten Freunde kennen.

„Des glaubsch fei id“ und „Des deärfsch aber id schriebe“ sind Sätze, die Tauscher im Telefonat regelmäßig platziert. Mangelnder Auskunftswillen ist nicht erkennbar. Es scheint nur, dass der in der Dienststelle Sonthofen zumeist für Betrugsdelikte zuständige Hauptkommissar Tauscher eine Art Salami-Taktik anwendet. Im Online-Lexikon Wikipedia würde ja jede Menge „Zuig“ über ihn stehen, aber er habe schon noch ein paar Schmankerl. Alles preisgeben wolle er jetzt aber auch nicht, schließlich müsse es ja zum 40. und 50. Jahrestag auch „noch a bissle was zum Verzehle“ geben.

Die Fakten: Ja, sein Triumph vor den damals übermächtigen Schweizern Peter Müller, Karl Alpiger, Daniel Mahrer und William Besse kam überraschend.  Aber er habe damals die stärksten Beine gehabt und sich mit sehr aufwendigem Video-Studium eine Technik und Taktik für die berühmt-berüchtigte „Rattlesnake Alley“ zurechtgelegt. Die Klapperschlangen-Gasse, eine vom Schweizer Pisten-Designer Bernhard Russi gebaute Steilwand-Passage mit einer Doppel-S-Kurve, warf die eidgenössischen Landsleute aus der Bahn und hievte den eher unbekannten Allgäuer auf den Abfahrts-Thron. Und am Jahresende gab es Rang 4 in der Wahl „Sportler des Jahres“. Vor ihm u.a. ein gewisser Boris Becker, der Wimbledon, die US Open und den Davis Cup gewonnen hatte. Volle Kanne.

Von der ausgelassenen Gold-Party danach könne er gar nicht viel erzählen, so der Speed-Champion. „Da war ich unbeteiligt“, sagt er und schmunzelt. Er sei erst später dazugestoßen, habe nur ein Bier und einen Sekt intus gehabt, weil er von einem Termin zum nächsten geschoben wurde. Dass sein Freund und Zimmerkollege Berni Huber aus Obermaiselstein die unzähligen Medienanfragen aus Deutschland nicht nur abwies, sondern irgendwann selbst Interviews gab und sich als Tauscher ausgab, passe in die damalige Zeit, in der allerlei Quatsch gemacht worden sei. Coole Sache, damals. 1989.

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Über eine Million „Handballer“

Und? Kann man nach der Handball-Europameisterschaft nun einfach zum normalen Sportalltag in Deutschland übergehen? Eher nicht, den die MEN‘S EHF EURO 2024 hat in vielen Punkten Zeichen gesetzt. Zum Beispiel, dass Großereignisse hierzulande sehr wohl Anklang finden. 95 Prozent aller Tickets wurden verkauft, über eine Million Menschen staunten, was die Wurfkünstler in Köln, Hamburg, München, Mannheim und Berlin zuwege brauchten. Die Kasse stimmte, die giga Stimmung in der Lanxess-Arena am Rhein kann nur beschreiben, wer sie erlebt hat. Nicht nur laut, sondern emotional auf höchstem Niveau. Das erzeugte Gänsehaut. Wenn die Tribüne ein komplettes Match im Stehen mitfiebert, selten so erlebt.
Fans aus allen beteiligten Ländern fühlten sich in Deutschland wohl – das zeigten nicht nur die Anhänger von den Färöer-Insel oder aus Island. Und wie erhofft sprang der Funke der DHB-Auswahl auf dem Heim-Publikum über. Die Menschen feierten mit Wolff & Co., litten mit, bibberten und gerieten - auch dank gekonnter Präsentation der Moderatoren und Sprecher, geradezu in Ekstase.
Leider fehlten der jungen Gislason-Truppe zum großen Coup ein paar Prozente. Oder vielleicht einige gestählte Routiniers statt (zu)viel jugendlichem Drang. Der Halbfinal-Einzug, ob schmeichelhaft oder nicht, krönte die sportliche Bilanz. Auch weil die Jungs um Kapitän Johannes Golla und Spielmacher Juri Knorr so sympathisch rüberkamen. In Interviews, ihrem Auftreten abseits und auf der Spielfläche. Viele Fans schwärmten von den „Siegern der Herzen“. Die keine Ausreden nutzten und immer nach vorne blickten.
Was den Basketballern mit den Titel-Gewinn in Fernost gelang, konnten die Handballer zwar nicht realisieren. Aber die Uhr tickt für diese Formation mit Zukunft: zum Beispiel im Hinblick auf die Heim-WM 2027. Dann wird sie bald auch wieder für die Auszeichnung zur „Mannschaft des Jahres“ auf dem 7-Meter-Punkt stehen. Wie 1978 und 2007.
Logisch, dass die Zahl der Daumendrücker für eine erfolgreiche Paris-Qualifikation jetzt größer denn je ist. Sind wir nicht alle ein bisschen „Handballer“ geworden?

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Jens Zimmermann: Moderator beim „Sportler“, beim Handball und im Ski-Stadion

Egal, ob er bei Olympischen Spielen, Weltmeisterschaften, Europameisterschaften, Länderspielen oder Bundesliga-Begegnungen moderiert – Jens Zimmermann rockt die Stadien und Hallen, nimmt die Fans mit in stimmungsvolle und begeisternde Stunden und entlockt den Protagonisten in Interviews die eine oder andere Neuigkeit. Im Bénazetsaal des Kurhauses Baden-Baden ist er seit 2017 beim „Sportler des Jahres“ Moderator des Programms vor der ZDF-Sendung, und bringt dabei gewohnt launig, schlagfertig und einfühlsam die Ehrungen für die „Newcomer des Jahres“ sowie die „Trainer des Jahres“ über die Bühne. Davor begleitete er schon viele Jahre den „Sportler“ als Interviewer am „roten Teppich“ und auf der Sportiv-Meile.

Derzeit ist er bei der Europameisterschaft der Handballer vor den Matches und in den Halbzeitpausen als „Antreiber“ und „Einpeitscher“ im Einsatz. Zusammen mit seinem Kollegen Kevin Gerwin, der als Hallensprecher während der Partien fungiert, bildet er ein kongeniales Duo, und beide folgten der deutschen Nationalmannschaft vom „Weltrekordspiel“ mit über 53.000 Zuschauern im Düsseldorfer Stadion zum Auftakt über Berlin bis hin zum „Handball-Tempel“ in Köln, wo Bundestrainer Heiner Brand 2007 sein Team zur Weltmeisterschaft führte und jetzt noch bis Sonntag vor jeweils 20.000 Fans die Halbfinal-Matches sowie die Medaillen-Spiele stattfinden. „Dann habe ich in 19 Tagen 29 Begegnungen moderiert – das ist schon ein Brett!“ Der Inhaber der 2014 gegründeten Eventagentur „24passion“ mit Sitz in Stuttgart kam zur Handball-EM direkt von der Vierschanzentournee und der Tour de Ski – und bereits am Montag nach dem Finale in Köln steht mit dem Neujahrsempfang der Dehoga in Stuttgart der nächste Einsatz auf seinem Dienstplan, dann allerdings ausschließlich als repräsentative Aufgabe in seiner Funktion als Erster Vorsitzender von Pro Stuttgart.

Pause machen und erholen ist also vorerst nicht drin, zumal der 51-jährige Mitteltäler auch seit 2006 Hallensprecher bei den Heimspielen der Handballer des TVB Stuttgart in der Porsche-Arena ist, die dort am 11. Februar den Tabellen-Neunten HSG Wetzlar empfangen. Bereits seit 28 Jahren gehört der selbständige Moderator und Unternehmer für den Deutschen Handballbund (DHB) bei Heimländerspielen zum „Inventar“. Der gebürtige Freudenstädter erinnert sich: „Mein erstes Länderspiel habe ich im November 1996 in Freudenstadt angesagt und begleitet, damals spielte die deutsche Frauennationalmannschaft gegen China.“ Seitdem war Zimmermann, der in seiner Firma sechs Angestellte hat, für den DHB bei den Weltmeisterschaften der Männer 2007 und 2019 sowie bei den Frauen (2017) tätig, bei der Männer-WM 2021 in Ägypten war er für den Handball-Weltverband (IHF) im Einsatz.

Das Spektrum des ehemaligen Leichtathleten und Fußballers – nach dem zweiten Kreuzbandriss beendete er mit 24 Jahren diese Karriere –, begeisterten Tennisspielers und Skifahrers (alpin) reicht jedoch weit über den Handball hinaus. So moderierte er bei drei Olympischen Winterspielen (2010 Vancouver, 2014 Sotschi, 2022 Peking) das Geschehen im Skistadion, versorgte bei den Nordischen Ski-Weltmeisterschaften 2005 und 2021 in Oberstdorf die Zuschauer mit Informationen und präsentierte bei der Turn-WM 2019 in der Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Halle Sportlerinnen, Sportler und Wettkämpfe einem begeisterten Publikum.

„Dänemark ist absoluter Favorit“, blickt Jens Zimmermann auf das Halbfinale der Deutschen gegen den dreimaligen Weltmeister sowie Olympia-Gold- und Silbermedaillen-Gewinner am Freitag voraus. „Aber im Handball sind bekanntlich immer wieder Überraschungen möglich…!“ Und der Schwarzwälder spekuliert dann doch noch: „Wenn die Euphorie rund um das DHB-Team anhält und die positive Unterstützung durch die Zuschauer weiterhin so riesengroß ist, hat Deutschland vielleicht doch eine kleine Chance!“

Dann wäre auch die Chance groß, dass die deutschen Handballer im Dezember in Baden-Baden bei der Wahl zur „Mannschaft des Jahres“ auf einem der vorderen Plätze dabei sind.

Bild: © Marco Wolf 

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