Fränky from Musberg

Es war vor knapp einem Jahr, als Frank Stäbler zu einer Versammlung der deutschen Sportjournalisten geladen war – und seine Zuhörer baff registrierten, dass der Ringer schon damals das Unternehmen „WM 2015“ akribisch vorbereitet hatte. Selbst, wie viele Fans ihn aus Musberg (bei Stuttgart) nach Las Vegas begleiten würden. Und natürlich, dass er sich dort auf den Thron hieven wollte. Wie geplant, so vollzogen. Im Spieler-Paradies setzte der 26-Jährige alles auf eine Karte. Gold in der 66-kg-Klasse (griechisch-römisch), was es seit 21 Jahren nicht mehr für einen deutschen Mattenfuchs gegeben hatte. Hinterher überschüttete ihn eine Welle der Begeisterung. Hunderte, Tausende von Mails aus der Heimat, es twitterte nur so über den Großen Teich. Weil sie ihn so mögen, den sympathischen Schwaben. Der alles für seinen Sport gibt, gleichzeitig auf dem Boden blieb, die Heimat preist. Und sagt: „Seit meiner Kindheit träume ich von diesem WM-Gürtel.“ Und jetzt könnte er das Ringen, vor Jahresfrist noch vom olympischen Aus bedroht, hierzulande aus dem Schattendasein führen. Danke, Fränky! Schon zweimal gastierte der Medaillengewinner von Europa- und Weltmeisterschaften bei der Gala „Sportler des Jahres“. „Aber um hier etwas zu reißen, muss es schon der Titel sein“, sein Kommentar und seine Überzeugung. Jetzt gelang in Nevadas Spielhölle exakt dieser Coup, der ihn gleichzeitig auf eine Pole Position für die Sommerspiele 2016 in Rio rückt. Vor drei Jahren in London war er Fünfter, auch aufgrund verständlicher Nervenanspannung. Doch die nächsten Schritte Richtung Podium wurden gleich nach seiner Rückkehr geschmiedet. Den Journalisten hatte Frank Stäbler damals von seinem Zuhause vorgeschwärmt. Die staunten, denn wer findet auf der Deutschlandkarte schon Musberg, am Rande des romantischen Siebenmühlentals gelegen? Jetzt ist klar: der Teilort von Leinfelden-Echterdingen ist eine echte Ringer-Hochburg. Als noch Schnee fiel, gab es dort sogar einen Ski-Hügel („Piz Mus“) samt verwitterter Holzsprungschanze. Ein größerer Gegensatz zum Gamble-Eldorado Las Vegas in der Wüste ist wohl kaum mehr möglich. Also komm‘ bald heim, Fränky. Auch für die Sportler-Parade (am 20. Dezember) in Baden-Baden.

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2mal Gold

Acht Medaillen, darunter zwei Goldene. Die deutsche Bilanz von Peking konnte sich sehen lassen. „Die sportliche Welt ist in Ordnung“, so ein Fazit der Leichtathletik-WM im Vogelnest. DLV-Cheftrainer Idriss Gonschinska konstatierte nach intensiven neun Tagen aber auch: „Die Wettbewerbsdichte wird enger und sich in Richtung Rio weiter verschärfen.“ TV-Experte Frank Busemann beschrieb einige unerwartete Podiumsplätze als nette Bonbons, die sich aber nicht zwingend wiederholen müssten. Es durfte mehr gefeiert als vermutet, im deutschen Lager. Mit vier Frauen im Speerwurffinale – und am Ende der zweiten Goldmedaille für Katharina Molitor. Mit dem allerletzten Wurf auf 67,69 Meter. Ein Triumph, den die 31-Jährige „kaum fassen konnte“. An diesem Gefühlszustand dürfte sie bisher wenig geändert haben. Zu zementiert schien ihre jahrelange Position hinter Christina Obergföll und Linda Stahl. Doch sie ist bekannt für Ausdauer und einen ganz starken letzten Durchgang. „Nebenher“ spielt sie in der zweiten Volleyball-Bundesliga (Bayer 04 Leverkusen) – auch der team spirit hat es ihr angetan. 30 von 66 DLV-Starter erreichten in China Finalplätze. Die Bronzemedaille von Rico Freimuth beim Gladiatorenkampf der Zehnkämpfer zählte ebenso zu den angenehmen Überraschungen wie Rang 4 für Christina Obergföll. Die „Sportlerin des Jahres“ von 2013 freute sich riesig für ihre Kollegin – und fühlt sich – nach Baby-Pause – bestätigt auf ihrem Weg Richtung Olympische Spiele 2016. Bemerkenswert sind einige Fortschritte auf den Laufstrecken. Nur zwei Hundertstel beispielsweise fehlten der 4×100-m-Staffel der Männer zu Bronze. Für die 69. Sportler-Wahl bedeutet das: die olympische Kern-Sportart darf – einmal mehr – auf viele Punkte und womöglich Podiumsplätze hoffen. Der 20. Dezember in Baden-Baden könnte nochmals ein Happy Day für die Leichtathletik werden. Wie im „Vogelnest“, so im ehrwürdigen Kurhaus…

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Gesa und Cindy

Das „Vogelnest“ von Peking wird vielen deutschen Leichtathletinnen als unerwartete Medaillen-Plattform im Gedächtnis bleiben. Wirklich nur Insider hatten auf einen Podiumsplatz von Gesa Felicitas Krause über 3000 m Hindernis gesetzt. Und wohl gar niemand erwartete Cindy Roleder auf dem Silberrang über die 100 m Hürden. Respekt, die Damen: das sind dicke Ausrufezeichen für die Wahl „Sportlerin des Jahres“ zum Jahresende. Gesa Krause hatte sich in mehreren Höhencamps in Schwung gebracht – und dann spurtete die 23-jährige Hessin auf der Zielgeraden magistral – katapultierte sich auf den Bronzerang, denkbar knapp hinter den beiden ersten Plätzen. Hinterher konfrontierte sie die Medien-Vertreter mit wohl formulierten Statements. Zum Beispiel: „Ich will als Läuferin wahrgenommen werden. Man arbeitet das ganz Jahre, ist aber kaum, präsent.“ Das könnte sich im Hinblick auf Rio 2016 durchaus ändern. Das kleingewachsene Energiebündel, die ein tolles Abitur (2,1) baute – aber das Studium nun quasi auf Sparflamme schaltete, um sich ganz auf den Sport zu konzentrieren – will noch mehr. Denn, wie sagt sie: „Ich kann noch schneller laufen…“ Cindy Roleder, EM-Dritte des Vorjahres (in 12,82 Sekunden), war mit überschaubaren Zielen nach China gereist. „Das Finale oder zumindest das Halbfinale“ peilte sie an. Dann aber gelang der 26-Jährigen „das Rennen meines Lebens“, wie sie es auch ungläubigen TV-Reportern beschrieb. 12,59, persönliche Bestzeit: Silber, nur zwei Hundertstel vom WM-Titel entfernt. Sie feierte mit Fahne, die halbe DLV-Mannschaft wollte sie umarmen. Prickelnde Momente im Vogelnest für die auch engagierte Siebenkämpferin aus Leipzig. Die Leichtathleten melden sich couragiert zu Wort – auch für die Wahl der Sportjournalisten.

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Achtung, der Achter!

In den Wertungen zur „Mannschaft des Jahres“ hieß die Qual der Wahl in den letzten Jahren häufig „Fußball & Achter“ – und meist erhielten die Ball-Künstler die meisten Punkte. Wie 2009 (DFB-Frauen), 2010 (DFB-Männer), 2011 (Borussia Dortmund), 2013 (Bayern München) und 2014 (DFB-Männer). Doch 2012 ging das Flaggschiff des DRV als Erster über die Ziellinie. Als Anerkennung für Olympia-Gold und eine grandiose Siegesserie. Jetzt meldet sich die Formation von Ralf Holtmeyer zurück. Mit dem souveränen EM-Titel von Posen, ein Hattrick, eine echte Ansage.


Hannes Ocik (23) aus Schwerin sitzt nun am Schlag. Doch einige der Recken von einst nehmen ihre bekannte Position im Boot ein, das so tempostark über den Malta-See powerte – am Ende mit einer knappen Bootslänge Vorsprung – vor Dauerrivale Großbritannien – gewann. Das Ziel lautet Rio 2016, aber schon jetzt scheint die Crew weiter als erwartet. Baumeister Holtmeyer sprach in der Rheinpfalz von „noch Luft nach oben“, selbst der Saison-Höhepunkt Anfang September in Savoyen (Lac d’Aiguebelette) dürfte nur eine Zwischenstation auf dem Weg zu den Sommerspielen für den Deutschland-Achter sein.

Es wurde errechnet, dass die Ruderer bis zu 8000 Kilokalorien pro Tag zu sich nehmen, in der Woche legen sie 200 Trainings-Kilometer auf dem Dortmund-Ems-Kanal zurück. Recken eben. Und manchmal wundert sich Holtmeyer doch, „dass es noch genügend Verrückte gibt“, die sich solche Fron antun. 

Einer, der seit anderthalb Jahrzehnten exakt solche Extrem-Herausforderungen sucht, ist Marcel Hacker. Der 38-jährige Magdeburger holte, zusammen mit Stephan Krüger, das nächste EM-Gold für den Deutschen Ruderverband in Polen. Eine echte Story, da der Dauerbrenner seit 1999 im Einer brillierte. 2000 gewann er Olympia-Bronze, 2002 den WM-Titel (und Platz 12 in der Wahl „Sportler des Jahres“), jetzt wechselte er in den Doppelzweier. Auch Hacker, den die FAZ eine „epochale Erscheinung“ nannte, träumt von Rio 2016. Für das dritte EM-Gold sorgte der Frauen-Doppelvierer, 2012 mit Olympia-Silber dekoriert, 2013/2014 mit der WM-Krone.

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