Deutschland Achter wird Europameister

In einer mehr als schwierigen Saison bestätigte das deutsche Flaggschiff um Schlagmann Hannes Ocik seine Form. Ohne einen einzigen Wettkampf im Corona-Jahr 2020 flog der Deutschland Achter mit einer Bootslänge seinen Konkurrenten davon und wurde Europameister im polnischen Poznan. Seit vier Jahren ist der Achter damit ungeschlagen und verteidigte zum achten Mal den europäischen Titel. Auch der Frauen-Achter beschließt Saison-Auftakt und Finale erfolgreich. Mit EM-Silber gewann das Boot um Steuerfrau Carina Hillemann den zweiten Platz in Polen. Insgesamt acht Medaillen brachten die Athelten*innen für den Deutschen Ruder Verband mit nach Hause. 

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Rudern: Saison-Auftakt und Finale in einem

Zu einem Zeitpunkt, zu dem die Saison normalerweise schon lange beendet ist, trifft sich am Wochenende ein Großteil der europäischen Ruderer zur Europameisterschaft auf dem Malta-See in Poznan.

Das Corona-Virus hat seine Auswirkungen auch im Rudersport hinterlassen. Kein einziger Weltcup im Jahr 2020, alle geplanten Weltmeisterschaften abgesagt, Olympia vorerst auf das Jahr 2021 verschoben. Die Ruderer hatten sich schon damit abgefunden, eine komplette Saison nur mit Training und ohne jeden Wettkampf überstehen zu müssen. Erleichterung deshalb, dass bei der täglich steigenden Zahl von Risikogebieten und den damit verbundenen Auflagen und Reisewarnungen Polen bislang verschont blieb. Damit wird der Saison-Auftakt der Ruder-Elite gleichzeitig zum Saison-Finale.

Der Deutsche Ruder-Verband nutzt diese Gelegenheit, seinen besten Athleten im Jahr 2020 noch eine Wettkampfmöglichkeit zu bieten. Neben den beiden Weltmeister-Booten mit Oliver Zeidler im Einer und dem Deutschland-Achter hat der DRV in seinem EM-Team 13 der 14 Bootsklassen besetzt.

Einer-Weltmeister Oliver Zeidler aus Schwaig hat mit 22 Konkurrenten die quantitativ und auch qualitativ am stärksten besetzte Bootsklasse. Für den 24-Jährigen kommt es zur Revanche des knapp, mit drei hundertstel Sekunden Vorsprung, gewonnenen WM-Finales 2019 gegen Silbermedaillen-Gewinner Sverri Nielsen aus Dänemark und Bronze-Ruderer Kjetil Borch aus Norwegen.

Für den Deutschland-Achter, Zweiter der Wahl „Mannschaft des Jahres“ 2019, gibt es dagegen nicht einmal einen Vorlauf. Nur fünf Boote haben gemeldet, so dass es damit direkt ins Finale am Sonntag geht. Schmerzlich dabei, dass der „Clasico“, das Duell mit dem alten Rivalen Großbritannien ausfällt. Der britische Verband verzichtet aufgrund der Corona-Situation komplett auf die EM-Teilnahme. So dürften die Niederländer, die bei der WM 2019 überraschend die Silbermedaille gewannen, härtester Konkurrent des deutschen Flaggschiffs sein. Die anderen Boote im WM-Finale kamen aus Übersee. In Poznan komplettieren Italien, Litauen und Rumänien das Achter-Feld der Männer. Für Trainer Uwe Bender ist die EM, mangels Wettkampf- und damit Vergleichsmöglichkeiten trotzdem „ein Schuss ins Blaue“. Sein Team bleibt auch in dieser Situation Favorit und hat das Ziel, zum achten Mal in Folge EM-Gold gewinnen.

Unter Druck steht, trotz der nur vier Boote im kleinsten EM-Feld, der nur auf zwei Positionen veränderte Frauen-Achter. Die DRV-Frauen sind noch nicht für Olympia qualifiziert, enttäuschten mit Platz 10 bei der WM 2019. Unerwartet gibt es plötzlich Konkurrenz im eigenen Verband. Bei der U23-EM, vor fünf Wochen in Duisburg, ruderte das DRV-Nachwuchsboot völlig überraschend zur Goldmedaille, der ersten seit über zehn Jahren. Sollte der Frauen-Achter in Poznan erneut deutlich hinter der Konkurrenz rudern, dürften die Frauen aus dem B-Team ihre Ansprüche auf die Olympia-Qualifikation anmelden.

Für die WM-Dritten Jason Osborne (Mainz) und Jonathan Rommelmann (Krefeld) wird die EM im Leichtgewichts-Doppelzweier eine weitere Zwischenstation zur angestrebten Olympia-Medaille. Bis auf die Goldmedaillengewinner aus Irland ist in dieser Bootsklasse das komplette WM-Finalfeld von 2019 am Start.

Bäumchen wechsle Dich heißt es im sonst so medaillenträchtigen Skull-Bereich der Frauen, der neun Monate vor den Sommerspielen auf der Suche zurück in die Erfolgsspur und nach den besten Olympia-Formationen ist. Vierer-Olympiasiegerin Annekatrin Thiele (Leipzig) rückt nach drei enttäuschenden Jahren im Einer zu Leonie Menzel (Düsseldorf) in den Doppel-Zweier. Deren bisherige Partnerin Pia Greiten (Osnabrück) probiert sich im Einer. Im Doppel-Vierer, bei der WM „nur“ auf Platz vier, ersetzt Europameisterin Carlotta Nwajide (Hannover) Michaela Staelberg (Krefeld).

Im Doppel-Vierer der Männer verfolgt Altmeister Karl Schulze (Dresden /Berlin) mit seinen Team-Kollegen, trotz der Enttäuschung mit Platz fünf bei der WM 2019, weiter das Ziel, zum dritten Mal in Folge Olympia-Gold zu gewinnen. Für die vier Deutschen dürfte die EM ein echter Härtetest werden. Mit den Niederländern, den Polen und Italien sind die drei WM-Medaillengewinner am Start. Nach den Finalrennen am Sonntag dürften nicht nur diese Vier etwas besser wissen, wo sie nach einem Jahr fast ohne Wettkampf auf dem Weg nach Tokio stehen.

Bild: picture alliance

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MVP bei den harten Jungs: Draisaitl schreibt Geschichte

Das deutsche Eishockey hat in den vergangenen Jahren durchaus für positive Schlagzeilen gesorgt. Obwohl die Jagd mit und nach dem Puck hierzulande eher eine Randsportart ist. Doch die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang hatte die Truppe von Marco Sturm seinerzeit in den Penalty-Himmel geschossen. Dass die schnellste Mannschafts-Sportart der Welt aber auch eine Bühne für Individualisten sein kann, bewies jetzt Leon Draisaitl. Als erster deutscher Puckjäger überhaupt wurde er zum MVP (most valuable player), also zum wertvollsten Spieler der NHL gewählt.
Die National Hockey League ist in den USA das Nonplusultra dieses oft als raubeinig verschrienen Sports mit seinen immerwährenden Bandenchecks und Stockfouls. Wer sich dort durchsetzt, und die „Hart Trophy“ sowie den „Lindsay Award“ gewinnt, der muss schon Großes geleistet haben bei den Eishockey-verrückten Amis und Kanadiern. Beide Auszeichnungen sind so etwas wie die Bambi-Verleihung in der hall of fame des Eishockeys. Leon Draisaitl wurde die Kunst des ebenso filigranen wie wuchtigen Umgangs mit der schwarzen Hartgummischeibe von Vater Peter in die Wiege, oder besser in die Schlittschuhe gelegt. Der war selbst einst deutscher Nationalspieler, förderte den Filius und ebnete ihm auch den Weg in die NHL.
Der 24-Jährige ist auf dem Eis so etwas wie Toni Kroos und Robert Lewandowski in einer Person. Genialer Passgeber und eiskalter Scharfrichter vor dem gegnerischen Goalie. In der Saison 2018/19 gelangen ihm 50 Tore und 55 Vorlagen. Ein Wert, den zuvor noch kein anderer Spieler vor ihm erreicht hatte. Zum Superstar in der Wayne-Gretzky-Welt aber reichte das (noch) nicht. Jetzt aber, nach seiner Wahl zum MVP in der Hauptrunde 2019/20, ist der gebürtige Kölner auf einmal ganz oben angekommen. Seine Edmonton Oilers wissen, was sie an ihm haben. Leon ist mit großartigen individuellen Fähigkeiten ausgestattet, gleichzeitig aber auch sehr mannschaftsdienlich. Starkult ist ihm ein Gräuel.
„Der Erfolg mit dem Team ist alles, was für mich zählt“, hatte er erst kürzlich in einem Interview mit dem Online-Magazin „breaking the ice“ beteuert. Und dennoch dürfte er mit diesen Titeln im Rücken, die noch keine deutscher Eishockey-Crack vor ihm je gewann, gute Chancen haben, als Teamplayer bei der Wahl zum „Sportler des Jahres“ 2020 ganz weit vorn zu landen. Das deutsche Olympia Team wurde 2018 mit großem Vorsprung zu Mannschaft des Jahres gewählt und in Baden-Baden ausgezeichnet.

Bild: picture alliance

 

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Kristina Vogel: Durch alle Krisen

  • Publiziert in Sdj News

Die Gewinnerin des Sparkassenpreises für Vorbilder im Sport von 2018 und Zweitplatzierte der Wahl „Sportlerin des Jahres“, hofft, dass auch in diesem herausfordernden Jahr, die Auszeichnung der deutschen Sportler im Kurhaus von Baden-Baden stattfinden kann. Die ehemalige Bahnrad-Sprinterin absolviert per Fernstudium an der Sporthochschule Köln momentan die Fortbildungen zur A-Lizenz Trainerin.


Du bist nicht mehr sportlich aktiv, wie hat dich dennoch die Lock-Down Phase getroffen?

In den ersten Wochen war es natürlich schwer selbst Sport zu machen, da auch meine Physiotherapie erstmal nicht stattfinden konnte. Also habe ich versucht selbst aktiv zu sein, über Youtube Workouts, mit Terra Bändern und Cattle Bells. Aber es gibt kaum ein Workout, das nicht auch die Beine beansprucht. Insofern bin ich froh, dass ich im Mai wieder meine regelmäßige Physiotherapie in Berlin aufnehmen konnte. Denn Sport tut mir gut und damit kann ich auch meine Spastiken ruhig stellen, die ohne Sport schon ärgern können.


Du bist Trainerin der Bundespolizei, hast du dich mit deinen Athleten ausgetauscht, über Trainingsbedingungen, emotionale Zustände?

Ja, auf meine Athleten muss ich ein Augen haben (lacht). Ich konnte aber natürlich in der ersten Zeit nicht vor Ort sein, die Athleten durften trainieren, ab er unter strengen Auflagen. Wenn ich dort aufgetaucht wäre, hätten sie die Trainingsgruppe reduzieren müssen, daher habe ich lieber verzichtet.
Glücklicherweise ist aufgrund der Olympia-Verschiebung keiner der Athleten in ein Loch gefallen, dass die Verschiebung wahrscheinlich unumgänglich ist, war eigentlichen allen Athleten klar. Natürlich war es dann ein Schock aber trotzdem ist es ein kalkulierbares Ziel, auf das die Athleten hinarbeiten können. Wichtig ist meiner Ansicht nach, dass Gruppen zusammenhalten und sich untereinander etwas geben können.
Außerdem haben wir immer wieder miteinander telefoniert, ich wollte, dass die Athleten merken, dass sie nicht alleine sind und dass ich ein offenes Ohr habe, für was sie mir erzählen möchten. Home Office ist eben schwierig als Athlet.


Denkst du der Sparkassenpreis für Vorbilder im Sport wird in diesem Jahr eine zentrale Rolle spielen und wenn ja, wen würdest du jetzt schon dafür vorschlagen wollen?

Ich glaube, dass es in diesem Jahr jemand verdient hat, der am beständigsten war. Neben der sportlichen Leistung. Jemand der versucht hat, die Menschen durch diese schwere Zeit zu tragen, der andere motivieren konnte und versucht hat, das Positive nach außen zu tragen. Ein Vorschlag meinerseits ist zum Beispiel Pamela Dutkiewicz, sie hat mit ihrem Podcast (Sprechstunde uncut) versucht was Cooles aus dieser schlimmen Zeit zu ziehen und Menschen aufzuklären.


Wir arbeiten an Lösungen für eine Auszeichnung am 20.12.2020 in Baden-Baden. Wie ist deine Einschätzung und was glaubst du wird in diesem Jahr wichtig sein um „Sportler*in des Jahres“ zu werden? Was hältst Du davon Vllt. eine Möglichkeit, in extremen Zeiten Zeichen zu setzen?


Ich glaube, dass der sportliche Erfolg in diesem Jahr vielleicht doch etwas in den Hintergrund rücken könnte. In dieser Zeit wiegt es ein bisschen schwerer, wie jemand mit dieser Art von Krise umgegangen ist. Das soll natürlich nicht falsch rüberkommen, der sportliche Aspekt ist natürlich trotzdem extrem wichtig und dementsprechend gebührt auch Wertschätzung, aber dass Athleten durch Krisen marschieren und dann trotzdem noch geile Medaillen holen ist einfach spektakulär. Vielleicht ist es in diesem Jahr einfach authentischer, wie man durch eine Krise gegangen ist, damit umgegangen und positiv geblieben ist, als eine Gold- oder Silber-Medaille.
Für mich ist zum Beispiel Frank Stäbler genau solch ein Vorbild für diese Zeit. Er ist jemand, der einfach kämpfen kann und auch immer wieder musste. Ihm wurden so viele Steine in den Weg gelegt und er macht trotzdem das Beste daraus. Für mich ist er damit ein heißer Anwärter auf die Auszeichnung „Sportler des Jahres“ 2020.
Außerdem oder neben allen Widrigkeiten, freue ich mich unheimlich auf den „Sportler des Jahres“ 2020. Es ist jedes Jahr wie ein Klassentreffen. Und es ist auch wichtig, dass sich die Sportler treffen und miteinander das Jahr ausklingen lassen. Man freut sich jedes Jahr auf dieses Event und ich hoffe, dass es -egal wie- stattfinden kann. Denn auch für alle Sportler, die in diesem Jahr noch Medaillen geholt haben, wäre es wichtig die Wertschätzung zu erhalten.

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