Paralympics mit Goldrand

Das war in der Tat ein goldenes Wochenende für die deutschen Athlet:innen bei den noch bis zum 5. September stattfindenden Paralympics in Tokio. Insgesamt fünf Tage hatte es gedauert, bis Schwarz-Rot-Gold am mittleren Fahnenmast bei der Siegerehrung emporgezogen wurde. Erst als Triathlet Martin Schulz und Rollstuhl-Tischtennisspieler Valentin Baus sich am Sonntag ihre Goldmedaillen abholen durften, war der Bann gebrochen. An Edelmetall und zahlreichen guten Vorstellungen der Teilnehmer:innen des Deutschen Behindertensportverbandes hatte es aber auch zuvor nicht gemangelt

Weitspringer Leon Schäfer beispielsweise, der eigentlich als Favorit in seinen Wettbewerb gegangen war und sogar auf eine Verbesserung seines Weltrekordes (7,24 Meter) gehofft hatte, errang in seiner Spezialdisziplin eine Silbermedaille. Der 24 jährige, dem nach einer Krebserkrankung der rechte Unterschenkel hatte amputiert werden müssen, gilt als Modellathlet und als das „Gesicht“ (eigentlich eher der muskulöse Body) dieser paralympischen Spiele aus deutscher Sicht.

Insgesamt zehn Medaillen (neben den beiden Goldenen noch drei Silberne und fünf Bronzene) durfte das deutsche Aufgebot bis zur Hälfte der Spiele einsammeln. Wie bei jedem weltweiten Sportevent für behinderte Sportler:innen gab es auch in Tokio nur wenige Wochen nach den Olympischen Spielen wieder einzigartige Leistungen behinderter Athlet:innen zu bewundern. Bei den Goalballer:innen beispielsweise (Mannschaftssport für Menschen mit Sehbehinderung) oder auch im Rollstuhlbasketball. Eine Mannschaftssportart, in der knallhart gekämpft wird, die Fetzen und die Stühle fliegen und die Schütz:innen mit unglaublicher Präzision aus mehreren Metern Entfernung treffen.

Der paralympische Medaillenspiegel weist Deutschland nach der Hälfte der Spiele auf Rang 21 aus. Wie in jedem Jahr werden auch 2021 wieder Mitglieder:innen dieses Kaders die Liste der möglichen Sportler:innen des Jahres mehr als nur auffüllen. Ein Wiedersehen in Baden-Baden im Dezember ist jedenfalls genauso möglich wie gerechtfertigt.

Bild: picture alliance

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Fahnen­träger Michi Teuber: Gänsehaut pur

Michael Teuber, zum 6. Mal bei den Paralympics, meldet sich aus Tokio. Der erfolgreiche Para-Cycler (5 x Gold) wurde als Fahnenträger auserkoren. Michi, Stammgast in Baden-Baden:

„Eine größere Ehre, als die Mannschaft anzuführen gibt es nicht. Wenn dann die Eröffnungsfeier näher rückt, stellt sich schon eine gewisse Anspannung ein, aber total positiv, Vorfreude eben! Die Mannschaften warten lange vor dem Stadion auf ihren Einmarsch. Aber irgendwann geht es dann in den Tunnel unter den Tribünen und da hat das Team dann richtig Stimmung gemacht! Mareike Miller und ich bekamen die Fahne in die Hand gedrückt und dann führst Du das Team Germany rein ins Olympiastadion! Wow! Dieser Moment war Gänsehaut pur, das erlebst Du nur einmal im Leben!“

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Kappel & das starke Para-Team D

Fünf anstatt der „normalen“ vier Jahre dauerte die Vorbereitung – wegen der Corona-Pandemie –, jetzt ist es endlich so weit: Am 24. August beginnen die Paralympics. „Mein Ziel für Tokio: Ich will unbedingt eine Medaille! Die sieht einfach unfassbar gut aus – und welche Farbe sie letztendlich dann hat, ist zunächst mal egal!“ Niko Kappel, Paralympics-Sieger 2016 in Rio de Janeiro im Kugelstoßen, ist hoch motiviert und zuversichtlich: „Ich will mit Edelmetall aus Japan zurückkommen!“

Unmittelbar vor dem Abflug gab sich der Kleinwüchsige aus Schorndorf, der für den VfB Stuttgart startet, locker und aufgeräumt, als er den Medien Rede und Antwort steht. Die Olympischen Spiele hätten ihn „heiß gemacht und eine Gänsehaut verursacht, und ich werde kämpfen und alles geben“, erklärt er. Der 1,40 Meter messende Power-Athlet ist sich sicher, dass die 13,57 Meter, seine Siegesweite von Rio, diesmal nicht für eine Medaille ausreichen werden, wurde der Weltrekord mit der Vier-Kilo-Kugel doch seitdem mehrmals auf aktuell 14,31 Meter gesteigert. Zwischendurch hielt der 26-Jährige mit 14,30 Meter selbst die Bestweite, ehe ihn der usbekische Weltmeister Bobirkon Omonow übertraf. „Es kommen diesmal fünf Athleten für den Sieg in Frage, darunter auch ich!“ Neben Omonow schätzt Kappel auch den Polen Bartosz Tyszkowski, den Briten Kyron Duke und den Amerikaner Hagg als stark ein, „außerdem weiß man ja nicht, was aus China oder Brasilien kommt“. Die Stärke der Konkurrenz in dieser Disziplin zeige die Tatsache, dass es in den letzten zwei Jahren vier Weltrekordhalter aus vier verschiedenen Ländern gegeben habe.

Tokio war bereits 1964 Austragungsort der Para-Sommerspiele. Diesmal fallen nach der Eröffnungsfeier vom 25. August bis zum 5. September in 22 Disziplinen 539 Medaillenentscheidungen, wobei der Radsport in Bahn und Straße aufgeteilt ist. Für das „Team D Paralympics“ hat der Deutsche Behindertensportverband (DBSV) 58 Athletinnen und 76 Athleten nominiert. Dazu kommen zwei Guides in der Para Leichtathletik sowie ein Pilot im Para Radsport. Begleitet werden sie von 119 Personen aus dem Funktionsteam. Insgesamt werden etwa 4.400 Teilnehmende aus rund 160 Nationen in der japanischen Hauptstadt erwartet.

Im deutschen Team ragen einige Aktive heraus: Andrea Eskau ist mit 50 Jahren nach wie vor das Multitalent, sammelte die „Para Sportlerin des Jahrzehnts“ in drei Disziplinen im Sommer wie im Winter bereits 15 Medaillen. Leichtathletin Martina Willing jubelte bereits 14 Mal über Edelmetall, Radsportler Michael Teuber über fünf Goldmedaillen. Das Küken im Team D ist Leichtathletin Lise Petersen mit 16 Jahren, älteste Starterin die 66-jährige Dressurreiterin Heidemarie Dresing. Die erfahrenste Athletin im deutschen Team ist Speerwerferin Martina Willing (61): die Para- Leichtathletin feierte 1992 in Barcelona ihre Premiere und erlebt in Tokio ihre achten Spiele.

Aussichtsreich in ihre Wettkämpfe gehen zum Beispiel Weitsprung-Weltrekordler Markus Rehm, der Sprinter und Fahnenträger von Rio, Johannes Floors, die Dressur-Equipe oder die Rad-Teams. Bei den Kugelstoßern ist auch das ebenfalls kleinwüchsige Kugel-Nachwuchstalent Yannis Fischer (19) dabei, der mit seinem „Vorbild“ Niko Kappel (26) in Stuttgart bei Peter Salzer trainiert. Dass in Tokio keine Zuschauer für Stimmung sorgen dürfen, „ist halt so, meine Motivation kommt eher daher, dass ich weiß, wer alles zuhause mit mir mitfiebert“.

Niko Kappel jedenfalls ist voll auf seinen Wettkampf in Tokio fokussiert. „Am Montag, 30. August, um 9.57 Uhr Ortszeit (MEZ nachts um 2.57 Uhr) geht es los!“ ARD und ZDF berichten live aus Tokio, über 60 Stunden Übertragung sind geplant. Zusätzlich zu den Fernsehübertragungen bieten beide Sender Livestreams an. Startschuss ist am Dienstag, 24. August, um 13 Uhr mit der Eröffnungsfeier (ARD). Die Sendezeiten sind meist zwischen 9 und 13 Uhr sowie von 14 bis 15 Uhr.

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Letzte Oly-Destination Römerberg

Nicht der Fudschijama, sondern der Frankfurter Römerberg beendete die 32. Olympischen Spiele aus deutscher Sicht. Die Willkommens-Zeremonie für viele Sportler des Team D – vor 500 zugelassenen Gästen, fast alle ausgerüstet mit schwarz-rot-goldenen Utensilien. Sehr häufig fiel das Wort „Danke“ – für die Leistungen bei den ungewöhnlichsten Sommerspielen. Die Analyse der Medaillenausbeute (37, davon zehn in Gold) erfolgt später – jetzt galt das „welcome home“ der DOSB-Delegation, die zu 95 Prozent geimpft war. Und sich, wie Verbandspräsident Alfons Hörmann betonte, mit großer „Disziplin, Professionalität und Sensibilität“ den pandemischen Vorgaben gestellt hatte.
Auf dem „Sport-Balkon“ des malerischen Platzes der Business-Metropole wurde es immer wieder eng, wenn Moderator Jens Zimmermann die Tokio-Rückkehrer, mit Medaille um den Hals oder einfach dem Stolz in der Brust, in Japan alles gegeben zu haben, präsentierte. Sie lachten, winkten, forderten das Publikum zu La Ola auf. Team D setzte einen sympathischen Schlusspunkt unter diese „Spiele des Sports“ (Hörmann). Und einige konnten das Geschehene noch immer nicht fassen. Für Lukas Dauser ist Silber am Barren „noch nicht greifbar.“ Bronze-Ringer Frank Stäbler berichtete von nur „fünf Stunden Schlaf“ während der letzten fünf Tage. Doch die „Glückseligkeit“ mache alles wett.
Kunstturnerin Elisabeth Seitz will – nach ihrer besten Platzierung im Mehrkampffinale – auch 2024 in Paris noch angreifen, „um das nächste Mal hier mit einer Medaille zu stehen.“ Dorothee Schneider aus der Gold-Equipe in der Dressur fand es unglaublich, „aus dem Flieger auszusteigen und gleich gefeiert zu werden“. Ob auf dem Römer – oder wie vorher in der Bubble von Tokio, das Mannschaftsgefüge half dem Team D die wohl schwierigste Mission zwischen den fünf Ringen irgendwie zu meistern
Einig sind sich viele, dass die 2016 eingeleitete Spitzensportreform à la longue greifen wird. Aber auch, dass die monetäre Unterstützung der Besten weiter ausgebaut werden müsse. Nationen, die in Japan die Podeste häufiger stürmten, geben hier die Richtung vor. Während der Römer jetzt wieder den Touristen am Main gehört, kommen auf die sportlichen Globetrotter weitere Ehrungen auf regionaler Ebene zu. Aber der nächste Berg, der sich auftürmt, ist der Merkur, Baden-Badens Hausgipfel, von dem man einen guten Blick auf die Location der Wahl „Sportler des Jahres“ - am 19. Dezember - hat.  

Bild: ISK

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