Der „Sportler 2018“: Ein Füllhorn voller Emotionen, Bewunderung und Respekt

Nicht nur wegen 72 unverwechselbarer Sportler-Galas zuvor in Folge. Keinesfalls nur wegen einer seit fast einem dreiviertel Jahrhundert anhaltenden permanenten „Promi-Dichte. Und auch ganz gewiss nicht nur wegen zweier Jubiläen, nämlich 50 Jahre Baden-Baden und 20 Jahre Medienpartnerschaft mit dem ZDF: An die 2018er Auflage des „Sportlers des Jahres“ wird man sich noch lange erinnern. Auch aus anderen Gründen: Weil das alljährlich von der Internationalen Sportkorrespondenz (ISK) ausgerichtete „Familienfest des Deutschen Sports“ kurz vor Weihnachten in diesem Jahr eines der emotionalsten seiner Art war.

Eines, das auch ISK-Chef Klaus Dobbratz eine gute halbe Stunde nach dem letzten „Vorhang“ im Benazét-Saal des Kurhauses nach eigenem Bekunden „einfach nur sprachlos“ machte. Sprachlos „wegen der Art und Weise, wie sich unsere Sportlerinnen und Sportlerin auf der Bühne präsentierten“, wegen der „Qualität und des Unterhaltungswertes der Laudatoren“ und nicht zuletzt wegen der „vielen unglaublichen Bilder des zurückliegenden Sportjahres, die das ZDF wieder in seine Sendung gepackt hat.“

Mit Wimbledon-Siegerin Angelique Kerber, Hawaii-Triumphator Patrick Lange und dem „Tafel-Silber“ des deutschen Eishockeys, seiner Nationalmannschaft nämlich, traten würdige Siegerinnen und Sieger vor das 720 geladene Gäste zählende, festlich gekleidete Publikum. Ihrer aller Leistungen im zurück liegenden olympischen Jahr, das mit den „European Championships“ in sieben Sportarten an zwei verschiedenen Standorten eine zusätzliche Aufwertung erfahren hatte, wurden im anregenden Gespräch mit den beiden ZDF-Moderatoren Katrin Müller-Hohenstein und Rudi Cerne noch einmal allen Anwesenden vor Augen geführt.

Doch der „Sportler“ wäre nicht der „Sportler“ und das ZDF nicht das ZDF, bliebe es während dieser 90 Minuten bei einer reinen, reich garnierten Aufzählung von Ereignissen, Ergebnissen, Erfolgen und Misserfolgen. Der festliche Höhepunkt und Abschluss des Sportjahres öffnet auch vielen Athletinnen das Herz und den Mund. Vor allem, wenn dann noch so großartige Lobredner wie der weltbeste Triathlet aller Zeiten, Mark Allen, Tennis-Legende Boris Becker und die beiden ‚76er Haudegen Alois Schloder und Erich Kühnhackl Gelegenheit und Wort ergriffen, um – meist launisch und unterhaltsam – in das Geschehen ein zu greifen.

Was auch die Ausgezeichneten zu würdigen wussten. Mitunter auch mit einem versteckten und angedeuteten schelmischen Seitenhieb. „Ich kann mir vorstellen, wie lange der Boris an dieser Rede gearbeitet hat. Er sagt ja selbst, dass er kein großer Kenner des Frauentennis ist“, freute sich „Angie Kerber“ über die Geste des gebürtigen Leimeners. Mit ihm, Michael Stich und Steffi Graf, muss sich die zweifache „Sportlerin des Jahres“ von nun an das gefühlte „Wohnzimmer“ teilen. Und über das von Becker angedachte gemeinsame Mixed der vier deutschen Wimbledon-Sieger ist auch das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Den größten Beifall, aber auch die größte Hochachtung und den ungeteilten Respekt des Auditoriums aber erhielt an diesem emotionalen Abend die Zweitplatzierte und Siegerin des Sparkassenpreises für „Vorbilder im Sport“, die seit dem 26. Juni querschnittsgelähmte weltbeste Bahnrad-Sportlerin Kristina Vogel. Als die 28jähige, in ein ebenso schlichtes wie dem Anlass angemessenes weißes Kleid gehüllt, vom „Team Vogel“, wie Cerne das Trio Eric Frenzel, Frank Stäbler und Maximilian Levy bezeichnete, samt Rollstuhl auf die Bühne getragen wurde, konnte sich ein Großteil der Gäste seiner mehr oder wenigen verstohlenen Tränen nicht erwehren.

Der öffentlich gezeigte Lebensmut der 28jährigen, die ihr Schicksal mit bewundernswerter, fast schon stoischer Akzeptanz annimmt, war einer der bewegendsten Augenblicke in 72 Jahren „Sportler des Jahres.“ Vogel blickt nach vorn, nicht zurück, berichtete von Dingen, die sie vorhat („Ich habe erstmals keinen Druck mehr“) und verkündete, an den Tisch gewendet, an dem ihre Eltern und ihr Lebensgefährte Platz genommen hatten: „Mama, Papa, Michael, ihr seht: Es ändert sich nichts.“ Ebenso berührend auch die Art und Weise, wie sich Angelique Kerber an Kristina Vogel wandte: „Ich denke, heute gehört dir die Bühne. Du bist ein Vorbild für so viele Menschen. Ich ziehe wirklich alle meine Hüte, Respekt vor deiner Leistung. Bleib so positiv, wie Du bist.“

Es war „das“ Statement der 72. Wahl zum „Sportler des Jahres“, die zum 50. Mal in Baden-Baden ausgetragen wurde. Es war ein großer Abend in einer kleinen Weltstadt mit Charme und Herz, die alle Sieger aus fünf Jahrzehnten mit einem in Stein gemeißelten „Walk of Sports“ für alle Ewigkeiten ehren wird.

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