Wimbledon zum Zweiten? - Kerber und das Jahr danach

Was für die Aufsteiger im Mannschaftssport, das trifft auch für viele andere Sportlerinnen und Sportler zu: Das zweite Jahr ist meistens das Schwerere. Deswegen mag es auch kein bisschen verwundern, wenn Angelique Kerber vor ihrem ersten Aufschlag auf dem „heiligen Rasen“ von Wimbledon im deutschen Duell gegen Tatjana Maria sagt: „Das wird in diesem Jahr mindestens genauso schwer werden wie beim vergangenen Mal.“ 2018: das war der große Triumph der gebürtigen Kielerin auf dem Belag und auf dem ganz speziellen Centre Court, der ihr noch gefehlt hatte. Wimbledon-Siegerin: das ist so etwas wie der Ritterschlag des „weißen Sports.“
Die Auslosung meinte es für das am heutigen Montag beginnende Turnier nicht gerade gut mit „Angie“, die – das Erreichen des Achtelfinales vorausgesetzt – dort schon auf Serena Williams treffen könnte. Jene Gegnerin, die sie vor Jahresfrist im Finale hatte bezwingen können. Das also, was man im Jargon gemeinhin eine Hammer-Auslosung nennt. Eine Wiederholung dieses Sieges vorausgesetzt, ist in der Runde der letzten acht ein Duell mit der French-Open-Siegerin und neuen Nummer eins im Tennis-Zirkus, der Australierin, Ashleigh Barty, möglich.
Immerhin lässt Eastbourne schon einmal hoffen, wo die Linkshänderin ihre gute Form unterstrich. Dort, bei der Generalprobe für das bedeutendste Tennis-Turnier der Welt, traf sie im Finale auf die Tschechin Karolina Pliskova, der sie allerdings deutlich mit 1:6, 4:6 unterlag. Ihre Knöchelverletzung, die sie in Roland Garros noch behindert hatte und zum Aus in der ersten Runde führte, ist mittlerweile überwunden. Wie so oft, sagt sie selbst über sich, müsse sie sich „in das Turnier reinbeißen und das eine oder andere Zitterspiel überstehen.“ Auf den ersten Turniererfolg in diesem Jahr muss sie also noch warten. Aber wer weiß, vielleicht folgt der ja schneller, als erwartet.
Wenn sie dann aber endlich „ausgezittert“ hat und womöglich am 14. Juli noch einmal an Ort und Stelle steht wie vor Jahresfrist, dann wäre auch eine Wiederholung ihres Triumphes nicht nur im wohl bekanntesten Stadtteil Londons, sondern auch in Baden-Baden möglich. Dort, wo sie als „Sportlerin des Jahres“ 2018 in einer berührenden und emotionalen Rede, an die zweitplatzierte Radsportlerin Kristina Vogel gewandt, versicherte: „Eigentlich müsstest Du heute diese Trophäe bekommen.“

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.