Berliner Finals Katapult für Sportlerwahl

„Atemberaubend“, „Herzbeben pur“, „gute Werbung für den Sport“, die Superlative rund um die Berliner Finals gingen gar nicht mehr aus. Für ein Wochenende verwandelte sich die Hauptstadt in eine große Sportmeile – und fast alle machten mit. Top-Sportler ebenso wie elektrisierte Zuschauer. Und die meisten würden den Versuch mit zehn nationalen Titelkämpfen wiederholen. Der Berliner Senat schickte Interviewer unters Volk, was man denn von dieser Mixtur halte, ob ein da capo wünschenswert sei. Ja, gerne.
Das wird ebenso diskutiert wie die nächste Ausgabe der letztjährigen Premiere der European Games. Es ist zu hoffen, dass der Drive genutzt wird. Denn auch die Rundum-Berichterstattung von ZDF und ARD kam sehr gut an, die Quoten stimmten.
Mittendrin im Berliner Getümmel: zahlreiche Athleten, die auch zum Jahresende bei der Wahl „Sportler des Jahres“ ein Wörtchen mitreden könnten. Entweder konnten sie ihre Leistungen auf dem internationalen Parkett bestätigen oder sich für kommende Großereignisse in Position bringen. Wie „Sportler des Jahres“ Patrick Lange, dessen Disziplin der Ironman (im Oktober auf Hawaii) ist, der sich dennoch beim Kurz-Tria präsentierte. Nun setzt sich der Finisher für eine „Wiederholung“ ein, „denn so etwas hat der Sport noch nicht gesehen.“ Das persönliche Ergebnis zählte für den zweimaligen Gewinner des Kona Run nicht – er wollte mitmischen, sein Team stärken. Respekt davor.
Auch die Turner haben ihr Top-Event erst im Visier: die Heim-WM im Goldenen Oktober in Stuttgart. Doch schon in Berlin sorgten sie für Ekstase. Andreas Toba holte sich nach zahlreichen Verletzungspausen die Goldmedaille im Mehrkampf, Marcel Nguyen zeigte in der Max-Schmeling-Halle, dass er sich der Höchstform nähert und Elisabeth Seitz erhöhte ihr Sortiment auf sagenhafte 22 Plätze auf dem höchsten nationalen Treppchen. Das klingt vielversprechend.
Für Ronald Rauhe steht der Saison-Höhepunkt ebenso noch bevor: die Kanu-Weltmeisterschaften in Szeged/Ungarn. Kein Grund, an der Spree nicht den Ernstfall zu proben. Platz 1 im Einerkajak – mittendrin in der Beachparty. Die zahlreichen Kameras übertrugen ebenso emotionale wie besondere Bilder von der ungewöhnlichen Regatta-Strecke samt neuen Wettkampfformen wie einem 160-Meter-Sprint. Rauhe, fünfmaliger Olympia-Teilnehmer und 15-facher Weltmeister, saugte die Stimmung auf. „Ein Event, das sich gelohnt hat.“ Vor mehreren tausend Zuschauern am Spreeufer brachte sich die DKV-Elite in Stellung. Weil es sich in Berlin für die Nicht-Fußball-Sparten lohnte, sich zu zeigen. Auch bei der Wahl der Sportjournalisten dürften 2019 Athleten im Fokus stehen, die abseits vom runden Leder Außergewöhnliches leisten.
Wenn die deutschen Leichtathleten ihre Berliner Momente bei der WM in Doha wiederholen können – rücken sie gleichfalls bei der 73. Sportler-Wahl ins Rampenlicht. Ob Weitspringerin Malaika Mihambo. Langstreckenläuferin Konstanze Klosterhalfen oder Modellathlet Andreas Hofmann, Champion im Speerwerfen. Sie lieferten vor rund 60 000 Fans an zwei Tagen im Olympiastadion starke Argumente für kommende internationale Herausforderungen. Das haben Florian Wellbrock und Sarah Köhler (je drei DM-Siege im Becken an der Landsberger Allee) längst hinter sich. Die WM-Medaillen im Petto sorgten sie für zwei ausverkaufte Tage bei den Finals. Ein Beweis mehr, die Chance der Finals genutzt zu haben.
Thomas Fuhrmann, Sportchef von SdJ-Partner ZDF, zog das Fazit aus Fernsehsicht: „Ich werde mich dafür einsetzen, dass dies die erste, aber nicht die letzte Multisportmeisterschaft war.“

Bild: picture alliance

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