Johannes Vetter gibt immer 100 Prozent

24. Juli 2020 - heute hätte die geplante Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Tokio stattfinden sollen, stattdessen startet der Weltmeister von 2017, Speerwerfer Johannes Vetter an diesem Wochenende in Zweibrücken in die Saison 2020. Trotz allem lässt der gebürtige Dresdner sich nicht entmutigen und wirkt wie aufgedreht. Und fordert die Zuständigen zu schnellerem Handeln und Lösungsansätzen auf. Fix ist, dass der drittplatzierte der Sportlerwahl 2017 bei der Leichtathletik DM an den Start gehen wird.

Die Corona-Pandemie hat so gut wie alles in Deutschland und auf der Welt lahmgelegt, so auch den Leistungs- und Breitensport. Wie hast du diese schwierige Phase als Sportler erlebt? War es dir möglich zu trainieren und wenn ja, wie?

Ich konnte mit leicht eingeschränkten Bedingungen soweit gut trainieren. Dank der Unterstützung der Stadt Offenburg hatten wir für meinen Trainer Boris Obergföll und mich eine Sonderlösung in der akuten Zeit auf die Beine gestellt.

Du hast aufgrund von Vorsicht wegen eines Muskelfaserrisses auf die erste Wettkampfteilnahme in Dresden verzichtet. Bist du guter Dinge, dass du bei den Deutschen Meisterschaften starten kannst?

Wo gehobelt wird, fallen bekanntlich auch Späne. Vor allem im Speerwurf sind kleinere sowie größere Verletzungen einfach vorprogrammiert. Ich werde dennoch jetzt in Zweibrücken in die Saison starten können und bis zur DM fit sein.

DLV-Präsident Jürgen Kessing hatte bereits im Mai eine „late season“ angekündigt, diese startet mit den Deutschen Meisterschaften in Braunschweig am 8./9. August. Wie hat sich diese Art der Motivation auf dein Training – nach der Verschiebung der Olympischen Spiele und einem Down – ausgewirkt?

Ehrlich gesagt? Keine! Ich wusste bzw. hatte immer die Hoffnung, dass Wettkämpfe stattfinden werden, egal ob mit oder ohne DM. Mein Anspruch ist es immer, eine Top-Leistung zu bringen, ganz gleich bei welchem Wettkampf. Von daher war und ist meine Motivation bei 100 Prozent.

Wie sieht die weitere Vorbereitung für dich – im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2021 in Tokio aus?

Tja, wenn ich das nur schon wüsste… Ich kann mich recht gut, trotz ungewisser Zukunft, auf die kommenden Saison vorbereiten. Dafür lagen in der Vergangenheit genügend Steine auf meinem Weg, ich komme mit sowas klar. Wir alle streben nach Normalität. Wenn es nicht anders geht, schaffe ich auch eine qualitativ gute Vorbereitung daheim in Offenburg. Natürlich würde ich mir ein paar Trainingslager in der Wärme wünschen. Da muss unser Verband so schnell es geht aktiv werden!

Siehst du eine Problematik aufgrund von nicht erfolgten Dopingkontrollen und den verschiedenen Trainingsverzögerungen deiner internationalen Konkurrenz?

Wir haben da in Deutschland eine Vorreiterrolle. Ich selbst hatte in den letzten Wochen wieder einige Kontrollen. Wie es international aussieht weiß ich nicht. Fakt ist, wer dopen will, findet immer Wege, egal ob mit oder ohne Corona.

Welche Chancen siehst du für Sportdeutschland nach dieser schwierigen Phase?

Die DFL hat uns mit der Aufnahme der Fußball-Bundesliga recht schnell gezeigt, dass Leistungssport wieder möglich ist. Da frage ich mich natürlich, warum der DOSB und andere Verbände erst viel später reagierten Ich bin mir sicher, dass man mit einer besseren und engeren Zusammenarbeit schneller Lösungen finden kann. Das würde ich mir für die Zukunft wünschen.

Wir arbeiten an Lösungen für eine Auszeichnung am 20.12.2020 in Baden- Baden. Wie ist deine Einschätzung und was glaubst du wird in diesem Jahr wichtig sein, um „Sportler des Jahres“ zu werden?

Ich bin mir ganz sicher, dass wir wieder eine tolle Veranstaltung erleben werden. Was dieses Jahr zu einer Auszeichnung beiträgt, überlasse ich den fachkundigen Sportjournalisten (lacht). Wir werden auch in einem solchen Jahr tolle sportliche Leistungen sehen und in Baden-Baden sicherlich die eine oder andere Überraschung erleben. Aber genau das ist es doch, was eine solche Veranstaltung attraktiv macht.

Haben Dich besondere Aktionen von Sportlern während des Lock-Downs beeindruckt?

Mich beeindruckt derzeit jede Sportlerin, jeder Sportler, der in dieser außergewöhnlichen Situation weiter macht, weiter trainiert, weiter kämpft. Es ist bemerkenswert, wie viele an ihren Zielen festhalten und sich nicht unterkriegen lassen! Wir sind große Vorbilder in unserer Gesellschaft, vor allem für die Jüngeren.

Bild: Daniel Merkel/BNN

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