Die Tour trotzt Corona: Emu und der lange Weg

Jetzt also doch! Allen monatelangen negativen Vorzeichen und allen „Kaputtrednern“ zum Trotze: Frankreichs „Nationalheiligtum“, die Tour de France, rollt ab Samstag für drei Wochen über die Straßen der Republik.  Zum 107. Mal. Im späten August und den halben September lang statt des sonstigen Juli-Termins. Unter Vorzeichen, wie es noch keine gab. Mit möglichst wenig Kontakt zu allen, die sie bewundern und verehren. Abgeschirmt in ihrer eigenen, cleanen, immer wieder durch getakteten und „bis zum geht nicht mehr“  hygienischen Hochleistungs-Enklave. Aber letztendlich ist das eingetroffen, was der almmächtige Tour-Direktor Christian Prudhomme bereits zum Beginn der Pandemie-bedingten Restriktionen vorausgesagt hatte: „Nur Weltkriege können die Tour verhindern.“
Und so machen sich die 176 Fahrer aus 22 Teams an der Perle der Cote d’Azur, in Nizza,  auf die 21 Etappen und 3470 Kilometer einer Tour, die – dank acht Gebirgsetappen mit vier Bergankünften und nur einem Zeitfahren – als eine der schwersten der vergangenen Jahre gilt.  Auf die nach schweren Stürzen in der jüngsten Vergangenheit in Verruf geratenen Massensprints wurde weitestgehend verzichtet. Viele wellige Tagesabschnitte sind eher etwas für Ausreißergruppen. Oder für „Einzel-Flüchtlinge“, die ihr Herz in beide Hände und ihre Füße in nimmer enden wollenden rasenden Umdrehungen in die Pedale nehmen.
Mittendrin ein junger Deutscher, dem in diesem Jahr nach seiner glanzvollen Vorjahres-Performance mit Rang vier im Abschluss-Klassement Großes zugetraut werden darf: Emanuel „Emu“ Buchmann, der Schweiger aus dem verwunschenen Oberschwaben, ist einer, dem dieses Terrain eigentlich zugutekommen sollte. Der 27jährige im Team Bora Hansgrohe ist ein Kandidat für das berühmte „Treppchen“, auf dem nach der Ankunft auf den Champs Elysées  am 21. September die drei bestplatzierten Platz nehmen dürfen. Einer, der zumindest in die Fußstapfen von Andreas Klöden treten könnte, der vor 14 Jahren die „Große Schleife“ als Zweiter beendete. Wenn nicht noch mehr.
Ein Sturz beim Critérium du Dauphiné in der vergangenen Woche schien alle Prognosen und Unwägbarkeiten über den Haufen zu werfen. Mittlerweile ist „Emu“ auf dem Weg der Besserung, fühlt sich beim Training auf dem Rad wohler als zu Fuß. Deutschlands Radsportfreunde werden seinen Weg, den auch die ARD von Beginn an in Nizza trotz Reisewarnung begleiten wird, mit Interesse vertreten. Vielleicht führt er ihn ja Ende des Jahres auch noch ins Kurhaus von Baden-Baden…

Bild: picture alliance

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