Giro und andere deutsche Radler-Träume

Am Samstag (8.Mai) startete die 104. Ausgabe des Giro d‘Italia in Turin mit einem Einzelzeitfahren und wird am 30.Mai in Mailand, ebenfalls mit einem Kampf gegen die Uhr, eben. Dazwischen liegen 21 Etappen über rund 3450 Kilometer und 47.000 Höhenmetern. Acht Bergankünfte und ein geschotterter Hauch von „Strade Bianche“. Ein Giro für die Kletterkönige. Noch nie konnte ein Deutscher die dreiwöchige Italien-Rundfahrt gewinnen. Wer wird zum 90.Geburtstags des „Maglia Rosa“ das Rosa Trikot auf den Schultern tragen?

Acht deutsche Fahrer und einer in der Kapitänsrolle: Kletter-Ass Emanuel Buchmann von BORA-hansgrohe. Vielleicht der Trumpf 2021. Der Tour de France-Vierte von 2019, der nicht nur wegen Corona 2020 ein Seuchenjahr durchlebte, sondern eine verletzungsbedingt enttäuschende Große Schleife durch Frankreich zu verdauen hatte, verlängerte jüngst seinen Vertrag beim Raublinger World Tour-Rennstall um drei weitere Jahre. Der Ravensburger fühlt sich dort „superwohl“.

Einen Podestplatz in Italien visiert der 28-Jährige bei seinem Giro-Debüt fest an. Die Hoffnungen der deutschen Fans ruhen auf „Emu“, der in diesem Jahr auf die Frankreich-Rundfahrt verzichtet, die nicht ganz dem favorisierten Kletterprofil des Bergspezialisten entspricht.

Neben Giro-Debütant Buchmann feiern auch Max Kanter (Cottbus), Sprinter des Team DSM, und Alexander Krieger (Alpecin-Fenix) Premiere. Während der 23-jährige Kanter bereits im vergangenen Herbst bei der Vuelta ein Grand-Tour-Rennen erfolgreich absolvierte, ist es für den Stuttgarter Krieger die erste große Landesrundfahrt überhaupt. Der 29-Jährige vom belgischen Pro-Kontinental-Team Alpecin-Fenix ist Anfahrer für Kapitän Tim Merlier. Nach einem schweren Trainingsunfall im Dezember 2020, mehreren Operationen, sowie der Verwicklung in einen Massensturz bei der Türkei-Rundfahrt im April, ist Debütant Krieger „aufgeregt, aber voller Vorfreude. Wir haben eine tolle Truppe und sind zuversichtlich, dass wir bei der ein oder anderen Etappe ein Wörtchen mitzureden haben.“

Für die deutschen DSM-Pedaleure Kanter, Nikias Arndt (Bonn) und Nico Denz (Albbruck/Waldshut) zählt Teamspirit und das Augenmerk auf die Doppelspitze Romain Bardet und Jai Hindley.

Max Walscheid (Neuwied), Sprinter und Anfahrer, vom Team Qhubeka–Assos, ist für die Positionierung von Europameister Giacomo Nizzolo bei den Sprintankünften zuständig. Gleiches gilt beim achtmaligen Giro-Teilnehmer Roger Kluge (Berlin/Lotto-Soudal) für Caleb Ewan. Der 37-jährige Paul Martens (Rostock) stellt sich beim Giro noch einmal völlig in die Dienste von Jumbo-Visma und wird im Sommer seine lange Profikarriere beenden.

Kein Giro, aber ein echter Vertrags-Coup: Felix Gross, Protagonist der Newcomer-Liste 2020 beim Sportler des Jahres, unterschrieb einen Dreijahresvertrag bei World Tour-Equipe UEA-TeamEmirates. Groß, dreifacher U23-Europameister in der Einerverfolgung und U23-Europameister im 1000 Meter-Zeitfahren, der für das Kontinentalteam rad-net-ROSE auch Straßenrennen fährt, hat zuvor Tokio im Blick, sofern der 22-Jährige von Bundestrainer Sven Meyer für den Bahnvierer nominiert wird. „Ich freue mich riesig, es zu UEA-Team Emirates geschafft zu haben, aber in der aktuellen Situation bereite ich mich physisch und moralisch zu tausend Prozent auf die Olympischen Spiele mit dem Bahnvierer vor“, erklärt Groß. Schon nach den Spielen soll der Leipziger als Stagiaire bei den Profis zum Einsatz kommen. Teamkollege in spe ist Tour de France-Sieger Tadej Pogacar.

Ob Italien oder Tokio oder sonst wo - es bleibt spannend, welchen erfolgreichen deutscher Radprofi wir am 19.Dezember 2021 beim Sportler des Jahres in Baden-Baden begrüßen dürfen.

Bild: Arne Mill

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