Löws letzte Mission.

Wohin führt der Weg der deutschen Fußball-Elite zwischen Campo Bahia, Watutinki und dem fränkischen Homeground? Einer, der schon alle besagten Mannschaftsquartiere der Nationalmannschaft mitmachen durfte und musste, strahlt vor dem Anpfiff zum ersten Gruppenspiel der um ein Jahr verlegten UEFA Euro 2020 gegen Weltmeister Frankreich vorsichtigen Optimismus aus. „Die Stimmung“, sagt der von Bundestrainer Joachim Löw vor seinem letzten großen Turnier reaktivierte Dortmunder Mats Hummels, sei „lockerer und gelöster“ als vor dem desaströsen Vorrunden-Aus bei der WM 2018 in Russland.

Was kein Freibrief fürs Weiterkommen gegen die anderen Vorrundengegner ist: Weltmeister und Top-Favorit Frankreich. Titelverteidiger Portugal mit „Fußballgott CR7“, der trotz seiner 36 Jahre immer noch voller Erfolgshunger steckt.  Und gegen und die oft unterschätzten, aber als Kollektiv sehr kompakten Ungarn, die mit „voller Kapelle“ und 60.000 Fans im Rücken gegen Ronaldo und Co. antreten dürfen. Seit dem legendären „Geist von Spiez“, der mit dem „Wunder von Bern endete“, weiß jeder, der sich zu den Millionen von Experten und verkannten Bundestrainern zählt: „Das Logis eines Turniers gewinnt keine Titel. Es kann aber zum Mythos werden oder den Boden vergiften, auf dem Großes wachsen soll.“

Am Willen des schwarz-rot-goldenen Kaders, den seit dem Russland-Debakel zumindest in Frage gestellten „ewigen Jogi“, möglichst ehrenvoll in DFB-Rente zu schicken, mangelt es wohl nicht, hört man sich bei den Betroffenen vor dem Anpfiff um. „Die Stimmung isch gut“, orakelt auch Jogi Löw, der bekannteste Schwarzwald-Export neben Kuckucksuhren und Kirschtorte. In vielen Einzelgesprächen versuchte der Weltmeister-Trainer von 2014, seine Eleven auf die letzte große Aufgabe seiner 15jährigen Amtszeit ein zu stimmen.

Die beiden „Heimkehrer“ Thomas Müller und Mats Hummels werden aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen vom Brasilien-Turnier dabei möglicherweise seine wichtigsten Assistenten sein. „Ich will in der Rolle, die der Bundestrainer von mir verlangt vorangehen“, verspricht der Dortmunder. Und der bei Bayern in vielen Rollen unverzichtbare Müller hat „richtig Bock auf ein gutes Turnier.“ Mehr als die Aufstellung wird also die Einstellung bei der Wiedergutmachung von Watutinki entscheidend sein. Und daran mangelt es offenbar nicht, um sich wie schon 2014 einen Auftritt beim „Sportler des Jahres“ 2021 zu sichern.

Bild: picture alliance

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