München als Wohnzimmer für Team D

In München werden Träume wahr. Unglaublich viele Zuschauer, die für eine grandiose Renaissance des Olympiaparks sorgen. Erlebt beim Triathlon – oder die proppenvolle Innenstadt währen des Straßenradrennens sowie bei den Marathonläufen. Und schon morgens ein gut gefülltes Stadion unter dem legendären Zeltdach bei der Leichtathletik. Zum Wohlfühlen sind diese 9-Sportarten-Games auch für viele deutsche Teilnehmer. „Jetzt stehe ich hier und habe die Goldmedaille in der Hand“, wunderte sich Elisabeth Seitz in der Mixed Zone über sich selbst. Europameisterin am Stufenbarren, was für eine Krönung ihrer bisherigen Karriere.

„Seit 2009 bin ich im Nationalteam, so oft im Finale gestanden, um mal Bronze zu gewinnen, jedoch auch Vierte, Fünfte, Achte. Aber Erste...“ Davon habe sie immer geträumt, aber nicht geglaubt, dass es wahr werden könnte. Der durch Verletzungen in die Länge gezogene Wettkampf vermochte die 28-jährige Stuttgarterin nicht aus der Ruhe zu bringen. „Und dann ging alles so schnell. Aber ich hatte schon vorher gemerkt, dass ich auf meinem höchsten Fitness-Level bin.“ Als Appetizer hatte es Bronze mit dem Team gegeben, auch historisch und so beeindruckend wie die Stimmung in der mit 9000 Zuschauern ausverkauften Olympiahalle.

Dass die 18-jährige Chemnitzerin Emma Malewski am Schwebebalken triumphierte kam noch unerwarteter – und krönte einen EC-Tag an der Isar. München meldet sich mit den Championships als Giga-Sportstadt zurück. „Sappradi“ hätte Harry Valerien gesagt. Es „läuft“ heißt das heute. Und das buchstäblich beim Bahnradsport. Das provisorische 200-m-Rund, aufgebaut in Halle C der Messe, Medaillen-Eldorado des BDR. Im Team noch zusammengespannt, duellierten sich Mieke Kröger und Lisa Brennauer im Finale der 3000-m-Verfolgung. Überraschend sorgte diesmal der Endspurt der 29-Jährigen aus Bielefeld für die Entscheidung, während Brennauer ihre Karriere „definitiv“ mit Silber beendete.

Bei den Herren sorgte der 20-jährige Nicolas Heinrich, gerade erst zum U23-Europameister aufgestiegen, für eine Sensation: Sieger nach hartem 4-km-Rundendrehen. Eher erwartet dagegen Gold für Emma Hinze im 500-m-Zeitfahren. Mit deutschem Rekord, die Cottbuserin ist die schnellste Frau draußen in Riem, dem ehemaligen Flugplatzgelände. Auf dem Holzoval setzte sich der Podiums-Reigen im Ausscheidungsfahren und Scratch fort. Rund um den Olympiaberg präsentierten sich die deutschen Triathleten (Mannschaft) stark, an der Kletterwand am Königsplatz jubelten tausende Fans über vertikale Künste und weiteres Edelmetall. Und dann rasteten die Fans am Odeonsplatz restlos aus, als Marathonläufer Richard Ringer (33) mit einem phänomenalen Zielsprint für den nächsten Coup sorgte. Einen „magic moment“ nannte Katrin Müller-Hohenstein (ZDF) diesen Husarenritt. Ja, das Team D nutzt seinen Heimvorteil. Eine Art Sommermärchen mit zig Highlights und viele der München-Champions werden wir im Dezember bei der Gala „Sportler des Jahres“ in Baden-Baden wiedersehen. Die Referenzen überzeugen allemal.

Logisch jedoch, dass Ausreißer nach hinten vorkommen. Vielleicht sorgen die Enttäuschungen auf der guten alten Regatta-Strecke (u.a. Achter und Oliver Zeidler), dass Oberschleißheim künftig für den Ruder-Nachwuchs ein Update erfährt. Fact auch, dass sich die Briten, Italiener, Niederländer hier ebenso wohlfühlen. Wir gewinnen ohnehin den Eindruck, dass die Haupt-Kommunikation zwischen Marienplatz und Viktualienmarkt in Englisch und Italienisch verläuft. Weltmännisches Munich/Monaco.      

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