Sportler des Jahres - Juli 2020

Bartko: Sportler-Wahl muss stattfinden

Auf der Bahnradmaschine gelang Robert Bartko in Sydney 2000 die Gold-Doublette, er führte den Vierer zur „Mannschaft des Jahres“. Und dreht auch heute an den Stellschrauben des Sports, aktuell als Leiter Verbands-Beratung und Sportförderung beim DOSB - doch drei Monate home office stellten den engagierten Macher vor ungewohnte Herausforderungen. Vor allem, weil es galt, auf die die Hilferufe der Verbände vor allem zur Finanzierung zu reagieren. „Jetzt steht die Rückkehr zum Wettkampf-Betrieb bevor“, hofft auch der 44-Jährige auf baldige Normalität.
Herr Bartko, früher reisten Sie von einer Wettkampfstätte zur anderen, bis vor gut einem Jahr zum Beispiel im Auftrag des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, vorher als Sportdirektor der deutschen Eisschnellläufer. Aber wie lange liegt Ihr letzter Besuch einer Sport-Veranstaltung nun zurück?
„Das war bei den Bahnrad-Weltmeisterschaften Anfang März im Berliner Velodrom. Und seitdem arbeite ich im home office. Das DOSB-Büro (Anm.: sein Arbeitsplatz seit dem Sommer 2019) war geschlossen, es gab keinen Publikumsverkehr, die digitale Arbeit aber sorgte für eine neue Dimension des Team Play.“
Also glühten im wahrsten Sinne des Wortes die Drähte?
„Ja, eine intensive Zeit, angesichts der Beschränkungen selbst des Trainings – und das am Ende des olympischen Zyklus. Wir konnten, wenn nötig, die Verbände in verschiedenen Themen unterstützen und erlebten, wie in der Krise Kreativität entstand. Bei Verbänden, Vereinen, den Olympia-Stützpunkten. Die Bereitschaft an Lösungen mitzuarbeiten suggerierte, dass nicht Resignation regierte, sondern immer neue Perspektiven gefunden wurden.“
Aber den Sportlern zog die Verschiebung der Tokio-Spiele erstmal den Stecker.
„Natürlich. Leistungssportler auf dem Weg zu den Olympischen Spielen kann dadurch ein Stück Motivation fehlen, einige sind erst mal in ein Loch gefallen. Dass in dieser Phase der Sinn des Trainings nachgefragt wird, kann man verstehen.“
Während die Fußballer früh wieder in Punkterunden einstiegen...
„Geisterspiele sind sicher ein Zwischenschritt und ich weiß nicht, ob man das DFL-Hygiene-Konzept zum Vergleich heranziehen kann, das lässt sich 1:1 nicht auf andere Sportarten übertragen. Und: Fußball gehört auch zur Sport-Landschaft. Wir hoffen, dass der aktuelle Beschluss der Sportminister der Länder zum Wettkampfsport jetzt zeitnah zu einer bundesweit einheitlichen Position führt und wir ein Ende des Fleckenteppichs bekommen. Dann kann man die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen. Wir hoffen, dass sich die wirtschaftlichen Auswirkungen beschränken, damit die Strukturen und der Zusammenhalt erhalten bleiben.“
Sie standen mit dem Vierer, der erstmals die 4-Minuten-Schallmauer in 3:59,710 unterbot, in Baden-Baden auf der Bühne – und sind häufig Gast bei der Sportler-Gala. Was kommt 2020?
„Sie muss stattfinden. Das ist eine Gelegenheit, die Sportarten zu verbinden, Sportler und Trainer zu würdigen. Mehr denn je wäre die Veranstaltung ein wichtiges Signal und die Wahl, auch wenn sie nicht einfach wird, eine Chance, besondere Leistungen zu beleuchten. Im Mittelpunkt hier steht immer der Athlet, dieses Format müssen wir auch im Jahr 2020 nutzen.“
Daheim vor den Toren Berlins: als Macher und Vater von drei Kindern, das war privat eine neue Erfahrung.
„Es ging vielen so, nicht nur der Familie Bartko. Aber wenn man so will, hat die Krise unserer Familie ganz gutgetan, so isoliert in unserem Dorf. Es entwickelte sich eine besondere Gesprächskultur: beim home schooling zum Beispiel mit unserem Junior, der an der Eliteschule in Potsdam lernt. Wir hätten eigentlich fünf Büro-Räume zuhause benötigt.“
Nichts ist so schwer wie der Blick in die Glaskugel…
„Der aktuelle Umgang mit der Extrem-Situation sollte eine Belohnung finden. Und wenn es in Tokio ganz außergewöhnliche Spiele werden, dann kann man das auch als Signal für den globalen Zusammenhalt nutzen. Niemand kann etwas vorhersagen, aber vom Herzen her hoffe ich auf keine weiteren Unterbrechungen.“  

Bild: Uli Hugger

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Johannes Vetter gibt immer 100 Prozent

24. Juli 2020 - heute hätte die geplante Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Tokio stattfinden sollen, stattdessen startet der Weltmeister von 2017, Speerwerfer Johannes Vetter an diesem Wochenende in Zweibrücken in die Saison 2020. Trotz allem lässt der gebürtige Dresdner sich nicht entmutigen und wirkt wie aufgedreht. Und fordert die Zuständigen zu schnellerem Handeln und Lösungsansätzen auf. Fix ist, dass der drittplatzierte der Sportlerwahl 2017 bei der Leichtathletik DM an den Start gehen wird.

Die Corona-Pandemie hat so gut wie alles in Deutschland und auf der Welt lahmgelegt, so auch den Leistungs- und Breitensport. Wie hast du diese schwierige Phase als Sportler erlebt? War es dir möglich zu trainieren und wenn ja, wie?

Ich konnte mit leicht eingeschränkten Bedingungen soweit gut trainieren. Dank der Unterstützung der Stadt Offenburg hatten wir für meinen Trainer Boris Obergföll und mich eine Sonderlösung in der akuten Zeit auf die Beine gestellt.

Du hast aufgrund von Vorsicht wegen eines Muskelfaserrisses auf die erste Wettkampfteilnahme in Dresden verzichtet. Bist du guter Dinge, dass du bei den Deutschen Meisterschaften starten kannst?

Wo gehobelt wird, fallen bekanntlich auch Späne. Vor allem im Speerwurf sind kleinere sowie größere Verletzungen einfach vorprogrammiert. Ich werde dennoch jetzt in Zweibrücken in die Saison starten können und bis zur DM fit sein.

DLV-Präsident Jürgen Kessing hatte bereits im Mai eine „late season“ angekündigt, diese startet mit den Deutschen Meisterschaften in Braunschweig am 8./9. August. Wie hat sich diese Art der Motivation auf dein Training – nach der Verschiebung der Olympischen Spiele und einem Down – ausgewirkt?

Ehrlich gesagt? Keine! Ich wusste bzw. hatte immer die Hoffnung, dass Wettkämpfe stattfinden werden, egal ob mit oder ohne DM. Mein Anspruch ist es immer, eine Top-Leistung zu bringen, ganz gleich bei welchem Wettkampf. Von daher war und ist meine Motivation bei 100 Prozent.

Wie sieht die weitere Vorbereitung für dich – im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2021 in Tokio aus?

Tja, wenn ich das nur schon wüsste… Ich kann mich recht gut, trotz ungewisser Zukunft, auf die kommenden Saison vorbereiten. Dafür lagen in der Vergangenheit genügend Steine auf meinem Weg, ich komme mit sowas klar. Wir alle streben nach Normalität. Wenn es nicht anders geht, schaffe ich auch eine qualitativ gute Vorbereitung daheim in Offenburg. Natürlich würde ich mir ein paar Trainingslager in der Wärme wünschen. Da muss unser Verband so schnell es geht aktiv werden!

Siehst du eine Problematik aufgrund von nicht erfolgten Dopingkontrollen und den verschiedenen Trainingsverzögerungen deiner internationalen Konkurrenz?

Wir haben da in Deutschland eine Vorreiterrolle. Ich selbst hatte in den letzten Wochen wieder einige Kontrollen. Wie es international aussieht weiß ich nicht. Fakt ist, wer dopen will, findet immer Wege, egal ob mit oder ohne Corona.

Welche Chancen siehst du für Sportdeutschland nach dieser schwierigen Phase?

Die DFL hat uns mit der Aufnahme der Fußball-Bundesliga recht schnell gezeigt, dass Leistungssport wieder möglich ist. Da frage ich mich natürlich, warum der DOSB und andere Verbände erst viel später reagierten Ich bin mir sicher, dass man mit einer besseren und engeren Zusammenarbeit schneller Lösungen finden kann. Das würde ich mir für die Zukunft wünschen.

Wir arbeiten an Lösungen für eine Auszeichnung am 20.12.2020 in Baden- Baden. Wie ist deine Einschätzung und was glaubst du wird in diesem Jahr wichtig sein, um „Sportler des Jahres“ zu werden?

Ich bin mir ganz sicher, dass wir wieder eine tolle Veranstaltung erleben werden. Was dieses Jahr zu einer Auszeichnung beiträgt, überlasse ich den fachkundigen Sportjournalisten (lacht). Wir werden auch in einem solchen Jahr tolle sportliche Leistungen sehen und in Baden-Baden sicherlich die eine oder andere Überraschung erleben. Aber genau das ist es doch, was eine solche Veranstaltung attraktiv macht.

Haben Dich besondere Aktionen von Sportlern während des Lock-Downs beeindruckt?

Mich beeindruckt derzeit jede Sportlerin, jeder Sportler, der in dieser außergewöhnlichen Situation weiter macht, weiter trainiert, weiter kämpft. Es ist bemerkenswert, wie viele an ihren Zielen festhalten und sich nicht unterkriegen lassen! Wir sind große Vorbilder in unserer Gesellschaft, vor allem für die Jüngeren.

Bild: Daniel Merkel/BNN

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Sabine Spitz: Sit & Wait in Südafrika

Es könnte alles so schön sein. „Der Winter zeigt sich von seiner guten Seite“, berichtet Sabine Spitz aus George an der südafrikanischen Traum-Straße Garden Route, oft klettert das Thermometer auf 25 Grad. Und doch fühlt sich die MTB-Olympiasiegerin von Peking wie in einem Käfig. Eigentlich hatte sie wieder den Mountainbike-Klassiker Cape Epic bestreiten wollen, der dann drei Tage vor dem Startschuss abgesagt wurde. Und seither hat die Corona-Krise das Land am Kap im Griff. Das bedeutet derzeit: keine Chance auf einen Rückflug in die Heimat – um am Freitag ihrem Vater zum 80. Geburtstag zu gratulieren. 

Eigentlich hatte die erfolgreichste deutsche Cross-Fahrerin, die ein komplettes Olympia-Medaillen- Set gewann, ihre Karriere im letzten Herbst beendet, der gnadenlose Marathon durch die Wildnis sollte noch den Schlusspunkt setzen. „Aber dann kamen fünf Wochen Hauspflicht, erst im Mai durfte man sich wieder von 6 bis 9 Uhr innerhalb eines Radius von fünf Kilometer sportlich betätigen.“ Jetzt kann sie, den „Passierschein“ immer in der Tasche, sich wieder mehr bewegen, auch erste Abschläge mit dem Golfschläger (George gilt als Mekka dieses Sports mit den angeblich schönsten Plätzen des Kontinents) waren möglich. „Aber am Handicap konnte ich noch nicht arbeiten.“

Kontakte zur Botschaft und dem Auswärtigen Amt halfen Sabine Spitz (48) nur wenig, lediglich einige deutsche Ingenieure konnten mit einem One-Way-Rückflug versorgt werden. „Sit & wait“ nennt sie ihre derzeitige Situation, Beanstandungen ob des am 18. Juni abgelaufenen Touristen- Visums muss sie jedoch nicht befürchten. Also geht der Blick zurück. Im letzten Dezember durfte sie bei der Gala „Sportler des Jahres“ den Vorbildpreis der Sparkassen entgegennehmen. „Das kam für mich völlig überraschend und war ein wunderschöner Moment.“ Der Förderpreis ermöglichte ihr, zwei Vereine am Oberrhein zu unterstützen und kam Charity-Projekten ihrer „In Via“-Stiftung zu Gute. 

„Wie viele hoffe ich, dass die Veranstaltung in Baden-Baden stattfindet, dort andere Sportler zu treffen ist ein Erlebnis – die Gala ein familiäres Zusammenstehen.“ Die Community ihrer Stock-und- Stein-Spezies muss aktuell nur Absagen verkraften. Die Weltcups in Lenzerheide, Les Gets, Val di Sole wurden gecancelt. Vielleicht gelingt eine Doppel-Veranstaltung an zwei Wochenenden im tschechischen Nove Mesto im September. Dann würde Sabine Spitz wieder den Live-Stream begleiten – und endlich ehemalige Konkurrentinnen sehen. „Für sie ist die Situation extrem. Wie kann man beim intensiven Training seinen Schweinehund überwinden, wenn ich nicht weiß, wofür?“

Im heimischen Bad Säckingen wollte die Weltmeisterin von 2003 (Cross Country) und 2009 (Marathon) im Spätsommer Fahrtrainings organisieren, Intensiv-Coachings anbieten. Aber alle Pläne hängen vom weiteren Verlauf der Pandemie ab. „Hier ist noch keine Abflachung der Kurve zu beobachten, zuletzt verdoppelte sich die Zahl der Infektionen innerhalb von anderthalb Wochen.“ Die Nationalparks bleiben geschlossen, ihr Bike steht vorwiegend in der Garage. „Aber wir sind dieser Lage doch alle ausgeliefert.“ Sabine, die in ihrer Karriere Höhen und Tiefen in teilweise brutaler Folge erlebte, bleibt zuversichtlich. „Ich bin mental positiv.“

Bild: Sabine Spitz

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Willi Holdorf: Der Mann, der in das Geschichtsbuch taumelte

Man stelle sich einmal vor, Niklas Kaul sitzt irgendwann nach einer großen Zehnkampf-Karriere im Viererbob von Francesco Friedrich, führt  nebenbei die Stabhochspringer des USC Mainz zu olympischen Ehren,  trainiert den Fußball-Zweitligisten Darmstadt 98 und sitzt auch noch im Aufsichtsrat der Rhein-Neckar-Löwen. Unmöglich?  Bei ihm hier nicht. Willi Holdorf war 1964 nicht nur Deutschlands erster Olympiasieger im Zehnkampf. Er gewann  im Viererbob von Horst Floth 1973 auch noch EM-Bronze.  Als Trainer des „silbernen“ Stabhochspringers Claus Schiprowski machte er sich ebenso einen Namen wie als Coach des Fußball-Zweitligisten Fortuna Köln. Und als Aufsichtsrar führte er mit die Geschicke von Deutschlands erfolgreichstem Handballclub, dem THW Kiel.
Willi Holdorf, der vor wenigen Tagen fünf Monate nach einem 80. Geburtstag nach langer Krankheit starb, war im wahrsten Sinne des Wortes ein Zehnkämpfer. Der Mann aus Schleswig-Holstein, der 1964 auf den letzten Metern des abschließenden olympischen 1500-m-Laufes quasi in die Geschichtsbücher des deutschen Sports taumelte, war ein sportlicher Tausendsassa.  Kein Wunder, dass in den zahlreichen Nachrufen zu Beginn der Woche auch die Rede davon war, dass nicht nur die deutsche Leichtathletik, deren König er mit diesem historischen Sieg wurde, sondern der ganze deutsche Sport um einen großen Athleten trauere.
Der hagere Mann von der Küste, dem ein trockener, aber zielsicherer no5rddeutscher Humor nachgesagt wurde, war niemand für Glanz und Glamour in der Öffentlichkeit. Die eigene Karriere beendete er schon kurz nach dem Gold von Tokio. Damals war er gerade 24 und musste eine Familie ernähren. Heute wäre das mit Hilfe von Wirtschaft und Staat sicherlich machbar. Vor mehr als einem halben Jahrhundert aber eben nicht. Holdorf baute sich neben seinen Trainertätigkeiten eine Laufbahn als Vertreter eines  großen deutschen Sportartikel-Herstellers auf.
Und er hinterließ seine Spuren im Geschichtsbuch des „Sportlers des Jahres.“  Im Jahr seines großen Triumphes, 1964, wählten ihn die deutschen Sportjournalistinnen und Sportjournalisten zum „Mann des Jahres“. Es war, wie so oft bei Olympia, ein Jahr der Leichtathletik. An Holdorfs Seite stand als Gewinnerin der Damenwahl Helga Hoffmann. Die Weitspringerin war damals als „Miss sechs Meter“ zum Begriff geworden. Eine Weite, die im Zeitalter digitaler und wissenschaftlicher Rundum-Betreuung eines Athleten keiner Erwähnung mehr bedürfte.

Bild: picture alliance

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Tür auf zum Sommer-Eis in Inzell

Der Sport kommt langsam wieder in Gang – das gilt auch für das Eisschnelllaufen. Deshalb ist die Nachricht, dass Inzell für vier Wochen wieder Sommer-Eis anbieten kann für die DESG-Sportlerinnen und Sportler ein dickes Plus. Nach viel Engagement daheim und Training in kleinen Gruppen sind ab dem 4. Juli schnelle Runden auf dem 400-m-Oval in der Max-Aicher-Arena möglich. Der Start in die vorolympische Saison, die Anfang November mit dem ersten Weltcup beginnen soll. Und vielleicht können sich Skater, dank Inzell-Power, für die Wahl „Sportler des Jahres“ empfehlen. Patrick Beckert sorgte bei der letzten WM für die einzige Medaille – für die Vorschlagsliste ist der Erfurter damit schonmal gesetzt.
„Das war eine echte Herausforderung“, sagt Hallen-Chef Hubert Kreutz und schnauft kräftig durch. Sein Team, in der ersten Etage des Bürokomplexes neben der Halle untergebracht, ließ dort die Drähte glühen, bis das GO des Landesratsamtes einging. Noch Mitte Mai stand vieles in den Sternen, selbst Insider bezweifelten den Re-Start auf dem 400-m-Oval. Kreutz, jemand der anpackt, legte den Behörden ein Betreiberkonzept vor, das überzeugte. Die Größe der Max-Aicher-Arena mit 4800 qm Eisfläche und einer hochmodernen Belüftungsanlage, die innerhalb von nur Stunden die gesamte Luft von innen nach draußen umwälzt, waren bautechnische Pluspunkte. „Es ging bei uns schon immer fast klinisch rein zu, aber natürlich muss man auch darstellen, mit welchen Filtern man arbeitet“, so der Österreicher.
In diesen Tagen werden die exakten Laufpläne eingezeichnet, auf dem sich die Sportler bewegen können. „Man kann nicht mehr immer den kürzesten Weg nehmen, Eingang und Ausgang sind getrennt, die Kabinen und Duschen bleiben geschlossen, Zuschauer haben natürlich keinen Zutritt.“ Auch die Kassen bleiben geschlossen, „Jedermann“ muss noch auf sein Eis-Vergnügen warten. Maximal 80 Personen dürfen sich auf der spiegelglatten Fläche aufhalten, die Quadratmeter-Zahl pro Athlet ist größer als im Supermarkt, die Trainerzahl minimiert. Der Vorteil: im Eisschnelllaufen geht es immer in eine Richtung, linksherum, aber natürlich gelten dabei die Abstands-Vorgaben. Kreutz und sein Team werden Extra-Schichten leisten, um die Einhaltung der Regeln zu kontrollieren. Fakt ist: „Wer mehrfach dagegen verstößt, muss die Halle verlassen, im besonderen Fall gilt das auch für die gesamte Gruppe.“
Gutes Eis in der warmen Jahreszeit, das ist nicht nur technisch anspruchsvoll, sondern auch kostenintensiv. Die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft unterstützt das Projekt monetär, doch ohne ausländische Skater wäre das Sommer-Märchen im Chiemgau unmöglich. Frühzeitig gingen Anmeldungen aus anderen Nationen ein. Traditionell buchen Sportgruppen aus dem Schaatser-Mekka Holland Eiszeiten, Skandinavier, Österreicher, Italiener kommen in den bayerischen Süden. Pro Person werden 120 Euro pro Woche – und täglich 60 Minuten auf Kufen - veranschlagt, das entspricht einem kleinen Aufschlag aufgrund der nötigen Zusatzkosten für vor allem hygienische Maßnahmen, u.a. intensive Reinigung von Toiletten, Türen, Handläufen. Das Interesse ist immens, weil Inzell für seinen guten, vor allem flexiblen Service bekannt ist – und in Mitteleuropa sonst kaum Anlagen zur Verfügung stehen. Alternativen gäbe es wahrscheinlich nur in Norwegen (Hamar) und Polen (Tomaszow). Parallel zu den Rochaden an der Verbandsspitze ermöglicht das Sommer-Eis den deutschen Skater die Konzentration auf den Sport - der Sieger des Winters werden im Sommer gemacht - lautet eine bekannte Losung.

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