Malaika Mihambo und Leo Neugebauer führen ein aussichtsreiches deutsches Team zu den Leichtathletik-Europameisterschaften in Birmingham vom 10. bis 16. August an. Neugebauer, „Sportler des Jahres“ 2025, ist die größte Goldhoffnung des DLV. Spannend ist: wie weit kann sich der Zehnkampf-Weltmeister und Zweite der Weltjahres-Bestenliste seinem eigenen deutschen Rekord von 8961 Punkten nähern? Ex-Weltmeister und „Sportler des Jahres“ 2019, Niklas Kaul, könnte als drittbester Europäer des Jahres in die Medaillenvergabe eingreifen. Mit den Worten „Ich habe Bock“ verabschiedete sich der Olympia-Zweite nach England. Das lässt einiges erwarten.
Malaika Mihambo, dreifache „Sportlerin des Jahres“, ist zuletzt in London mit einem Sprung auf 7,05 Meter wieder in den Kreis der Medaillenkandidaten zurückgekehrt. „Jetzt will ich auch bei der EM mein Bestes geben“, sagt Mihambo und denkt dabei an ihre zwölfte internationale Medaille.
Die Finals in Hannover und Wattenscheid haben es gezeigt: Die deutschen Leichtathleten sind gerüstet. „Rekordsommer“ heißt derzeit die Devise in der deutschen Laufszene. Insgesamt 17 DLV-Rekorde wurden in den letzten zwölf Monaten gebrochen – das ist einmalig in der Geschichte des Verbandes. Allein Robert Farken (Leipzig) hat zuletzt insgesamt sechs Bestmarken aufgestellt und ist zum „Rekordläufer“ avanciert. In London lief er in einem Rennen gleich zwei Rekorde: den über die Meile und im „Vorbeilaufen“ über 1500 Meter. „Die Rekorde waren überfällig“, signalisiert er großes Selbstbewusstsein.
Rekordläufer sind auch Mohamed Abdulaahi (Köln), Frederick Ruppert (Tübingen), Amanal Petros (Hannover) und Emil Agyekum (Berlin). Abdilaahi entriss über 3000, 5000 und 10 000 Meter Dieter Baumann, dem „Sportler des Jahres“ von 1992, gleich drei Deutsche Rekorde. Ruppert unterbot bei seinem Coup über 3000 Meter Hindernis mit 7:57,80 Min. als erster Europäer die Acht-Minuten-Schallmauer. Zusammen mit Karl Bebendorf sind zwei Deutsche Kandidaten für EM-Gold. Marathon-Überraschungs-Vize-Weltmeister Petros setzte im Marathon, Halbmarathon und über 10 Kilometer auf der Straße neue Bestmarken und könnte mit Ex-Europameister Richard Ringer weit vorne landen. Agyekum enttrohnte nach 39 Jahren den fünffachen Europameister Harald Schmid, „Sportler des Jahres“ 1987, als 400 Meter-Hürden-Rekordler.
„Wir sind schlagartig wieder in der Weltspitze angekommen“, ist auch Bundestrainerin Isabelle Baumann von der Entwicklung überrascht und kündigt für die EM an: „Alle fünf Läufer können in Birmingham um die Medaillen laufen“.
Hindernisspezialistin Gesa Krause zeigt sich auch nach der Geburt ihrer Tochter in der Form ihres Lebens, um nach vier EM-Medaillen ihr fünftes Edelmetall zu gewinnen. Holt die 33-jährige „Königin von Wattenscheid“ ihren dritten EM-Titel?
Nach Gold in München und Silber in Rom strebt Speerwerfer Julian Weber seine dritte EM-Medaille in Folge an. Mit zuletzt 87,04 Metern (in Luzern) hat sich Weber an die Spitze der europäischen Bestenliste katapultiert.
Die Disken der deutschen Athleten könnten aufs Podium fliegen, denn Steven Richter landete mit 74 Metern in den USA auf Platz zwei der Weltjahresbestenliste. Zurück aufs Treppchen will auch die wiedererstarkte Olympiasiegerin Yemisi Mabry (Ogunleye) im Kugelstoßen.
Sprinterin Gina Lückenkemper möchte die deutsche 4×100 Meter-Staffel zurück aufs Podium führen, so wie beim Gewinn des EM-Titels 2022 in München. Dort feierten die deutschen Leichtathleten mit 16 Medaillen ein „Sommermärchen“. Ein Dutzend Medaillen sollten in Birmingham durchaus möglich sein.