Lipowitz mit breiter Brust in seine zweite Tour

Lipowitz mit breiter Brust in seine zweite Tour

Lipowitz mit breiter Brust in seine zweite Tour

Dieses Jahr ist das siebte Radsportjahr des früheren Biathleten Florian Lipowitz. Und es ist alles andere als ein verhextes. Ausgerechnet in Slowenien, der Heimat des Radsportdominators Tadej Pogacar, holte er sich zwei Wochen vor dem Start der Tour de France Selbstbewusstsein durch zwei Etappensiege, den Gesamterfolg und auch das Bergtrikot. Das war ein lange vermisstes Gefühl für den Laichinger. Der letzte Sieg liegt bereits zwei Jahre zurück, im Juli 2024 herausgeholt bei der recht dünn besetzten Sibiu Tour in Rumänien. Auch in Slowenien waren die großen Stars abwesend. Lipowitz, Tour de France-Dritter im letzten Jahr, war selbst das Aushängeschild dieser Rundfahrt. Aber auch dieses Peloton muss man ersteinmal bezwingen, muss sich zum Besten von allen krönen. Dem 25Jährigen gelang das herausragend. Und so konnte er konstatieren: „Ich bin happy mit der Saison jetzt. Ich konnte ein paar Ergebnisse einfahren. Und das ist gut für das Selbstvertrauen.“
Psychologisch dürfte ihm dies extra Flügel verliehen haben. Denn er hat gezeigt, dass er ein Rennen bestimmen und als Kapitän seine Teamkollegen gut einsetzen kann. Den Entwicklungsschritt vom Talent mit Freiheiten zum Anführer mit Verantwortung hat er vollzogen. 
Bei der Tour wird er sich die Anführerrolle mit dem Belgier Remco Evenepoel teilen. Probleme dabei sind nicht zu erwarten. Lipowitz hat großen Respekt vor dem Belgier: „Er ist Doppel-Olympiasieger, Weltmeister und hat die Vuelta gewonnen – da bin ich noch weit von entfernt und kann noch einiges von ihm lernen“, meinte er. Er weiß aber auch, dass Evenepoel ihn schätzt und ihn, sollte er an einem Tag stärker sein, auch bedingungslos unterstützt. Bei der Katalonienrundfahrt im Frühjahr war dies zu beobachten. Evenepoel schwächelte in den Bergen etwas, unterstützte dann aber Lipowitz und verhalf diesem zum starken 3. Rang im Klassement. „Da war ja zu sehen, dass wir gut miteinander auskommen und uns unterstützen. Das ist bei der Tour das Wichtigste“, lautete Lipowitz’ wichtigste Erkenntnis über den Co-Kapitän, der in dieser Saison neu ins Team kam.
Mit Aussagen über konkrete Ziele hält er sich freilich zurück. Der Red Bull – Bora – hansgrohe-Profi will natürlich anknüpfen an die Leistung im letzten Jahr, als er Gesamt-Dritter wurde Diese Platzierung gelang ihm auch bei der Wahl „Sportler des Jahres“.

Man will sich beweisen, dass man die Leistung wiederholen oder sich gar verbessern kann“, kündigte er an. Er warnt aber auch, dass zuviel geschehen könne bei einer Grand Tour. Erst einmal gut durch das Teamzeitfahren am Samstag auf hügligen Kurs in Barcelona über 20km kommen, lautet der Plan. Erste Struktur ins Klassement wird bereits die 6. Etappe mit dem Aufstieg zum Tourmalet bringen. 
Dass Lipowitz bisher so gut durch die Saison kam, lag auch an einer Operation an Nasenscheidewand und Nasennebenhöhlen im letzten Jahr. Er wollte nicht mehr so häufig von Erkältungen geplagt und im Formaufbau zurückgeworfen werden. „Seit diesem Frühjahr bin ich stabil und ohne größere Komplikationen“, bilanzierte er zufrieden. Gleich vier Höhentrainingslager konnte er absolvieren, fast zwei Monate also rote Blutkörperchen aufbauen. Alles dafür, um auch am letzten Wochenende dieser Tour de France beim doppelten Aufstieg nach l’Alpe-d’Huez unter den Besten zu sein – und mit dem in Slowenien gewonnenen Selbstvertrauen vielleicht auch Superstar Pogacar und dessen Haupt-Widersacher Vingegaard zusetzen zu können.

Bild: picture alliance

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