Olympische Bilanzen wurden zuhauf erstellt. Mal positiv angesichts von 26 Medaillen und 14 vierten Rängen – aber auch den zunehmenden Abstand zu den großen Wintersportnationen konstatierend. Zu feiern gab es für das Team D dennoch viel – und wir fragen uns, wer es von Milano Cortina nach Baden-Baden schafft. Die olympischen Abräumer sind de facto die Favoriten für die 80. Wahl „Sportler des Jahres“ 2026 – bei der großen Gala im Kurhaus.
Viele haben sich bei Italien bedankt für die Giochi Olimpici. Sie waren tolle Gastgeber und die Volunteers voller Herzlichkeit und Aufmerksamkeit. Das SdJ-Team wurde am Airport von Venedig auf einer Extra-Spur bis zur Handgepäckkontrolle begleitet. Grazie nicht nur dafür. Mille Grazie aber auch an die Gastgeber im Deutschen Haus, wo nicht lamentiert wurde über ausbleibende Erfolge auf den Skiern – sondern die goldenen Momente auflebten. Mit den Sportlern im Mittelpunkt.
Zum Beispiel die Rodler, die den Eiskanal vereinnamten. Max Langenhan und Julia Taubitz, beide im Einzel und mit dem Team ganz oben, schickten ihre Bewerbung für die Wahlen zu Sportler/in an das Athleten-Gremium und die Medien-Vertreter, die ab November votieren. Dann trugen sich Tobias Wendl und Tobias Arlt in die olympischen Guinnessbücher ein: Bronze im Doppelsitzer, unschlagbar mit dem Team = insgesamt je achtmal Wintergold. Ziemlich wahrscheinlich, dass der „Tobi-Express“ am 20. Dezember an der Kaiserallee der Kurstadt einen Stopp einlegen sollte.
Nach den ebenfalls im Höchsttempo zu Tal rasenden Skeletoni übernahm die Bob-Delegation die Herrschaft über den Eiscanale Grande. Johannes Lochner und seine Anschieber zuerst mit dem kleinen FES-Kufen-ICE und dann im großen Vierer in ihrer eigenen Liga unterwegs: samt Bahnrekorden und mit großem Vorsprung. Ist das schon die Pole Position für die Umfrage zum Team des Jahres? Da müssten die DFB-Fußballer schon mit dem WM-Titel beim Turnier im Juni/Juli kontern, um dem Wintersport Paroli zu bieten.
Martin Schmitt (1999) und Sven Hannawald (2002) hatten bei der Sportler-Umfrage zuletzt die weitesten Sprünge bis auf Platz 1 hingelegt – beide verfolgten die Wettkämpfe in Predazzo als TV-Experten – und gerieten über den Coup von Philipp Raimund auf der Normalschanze völlig aus dem Häuschen. Eine mehr als deutliche Empfehlung des 25-Jährigen, in dessen „kleiner Wohnung“ sich – neben der Goldmedaille – auch ein Platz für einen SdJ-Pokal (jeweils für die Ränge 1,2,3) finden würde.
Mal ehrlich: auch die zwei Silbernen von Emma Aicher, nicht nur von Experten als künftige Vorzeige-Frau des deutschen Skisports gepriesen, machen sich gut – bei der Addition deutscher Erfolge in Cortina. Und jedes Mal fehlten nur ein paar Hundertstel zum Allergrößten. Zwölfmal fiel die Wahl „Sportlerin des Jahres“ bisher auf eine alpine Stangenkünstlerin – zuletzt vor zwölf Jahren wurde Marie Höfl-Riesch in Baden-Baden „geadelt“.
Es sind nicht nur die bekanntesten Namen, die im Goldenen Buch auftauchen. Auch Randsportarten oder Überraschungs-Coup sorgen für Notizen und Aufmerksamkeit. Einer Ski-Crosserin gelang ein solcher Streich. Von Livigno ins Kurhaus würde die Headline für Daniela Maier (29) lauten, die mit unglaublicher Souveränität alle Konkurrentinnen abhängt. Sie stammt aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis, hätte quasi ein Heimspiel. Und könnte nochmals berichten, wie sie sich nach Operationen und monatelanger Pause „immer wieder aufgerappelt“ habe. Wie Phönix aus der Asche.
Eines der vielen Märchen und Wunder deutscher Olympia-Stars, die mit ihren Erfolgsgeschichten ein wenig darüber hinwegtrösten, dass die Ausbeute in bisherigen Top-Disziplinen (Biathlon, Nordische Kombination) überschaubar ausfiel. Wenn die Besten im Dezember nochmals für ihr olympisches Werk geehrt werden, weiß man übrigens, wem der DOSB die Bewerbung für die überübernächsten Sommerspiele überträgt. Das Plebiszit dafür findet kurz vorher auch in Baden-Baden statt. Ein Anschub für den deutschen Sport?
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