17 Medaillen, zwei davon in Gold: Nach den Paralympics in Mailand und Cortina d’Ampezzo zog das deutsche Team eine positive Bilanz – und doch wären „mehr Ausreißer nach ganz oben“ wünschenswert gewesen.
Gold in der Abfahrt, Gold im Riesenslalom, Silber in der Super-Kombination: Für Monoskifahrerin Anna-Lena Forster waren die Winterspiele in Cortina ein Novum. Wieder wurde sie zwei Mal Paralympics-Siegerin, wie 2018 und 2022. Aber statt in der Super-Kombination und im Slalom wie bei den vergangenen beiden Auflagen siegte sie nun in zwei anderen Disziplinen.
Die Freiburgerin, die am Bodensee aufgewachsen ist, musste aber auch ein Ausscheiden im Super G und einen hauchdünnen vierten Platz in ihrer Paradedisziplin Slalom verkraften, resümierte aber: „Ich habe krass performt. Hätte mir vor ein paar Jahren jemand gesagt, dass ich vor allem im Riesenslalom die Goldmedaille hole, hätte ich dem den Vogel gezeigt.“ Der Eintrag in die Nominierungsliste zur „Sportlerin des Jahres“ 2026 ist der 30-Jährigen schonmal sicher.
Ansonsten gefiel im Para Ski alpin Andrea Rothfuss mit zwei vierten Plätzen im Super G und Riesenslalom – nachdem sie aufgrund von Depressionen fast zwei Jahre kein Rennen fahren konnte und erst im Dezember wieder in den Weltcup zurückgekehrt war. „Wie im Traum“ fühle sie sich bei ihren sechsten Paralympics, nachdem sie 2006 in Turin mit 16 Jahren erstmals dabei war.
Die meisten Einzel-Medaillen sammelte Anja Wicker mit Silber und zwei Mal Bronze im Biathlon und ihrer ersten Langlauf-Medaille überhaupt: Am Abschlusstag gab es Bronze über 20 Kilometer. „Hier jetzt auf dem Podium zu stehen, ist die Krönung“, sagte die Stuttgarterin über ihre Premieren-Medaille und auch ihr Para Ski nordisch-Team lieferte: 14 Medaillen kamen in den Loipen des Val die Fiemme zustande.
Silber gab es für Sebastian Marburger und Linn Kazmaier mit Guide Florian Baumann sowie in der offenen Staffel, in der neben den beiden noch Theo Bold mit Guide Jakob Bold und Marco Maier starteten. Letzterer gewann dazu drei Mal Bronze, genau wie Leonie Walter mit Christian Krasman. Die sehbehinderte Athletin wäre fast auch auf vier Medaillen gekommen, Silber im Klassik-Sprint wurde ihr aufgrund eines Vergehens ihres Guides aber aberkannt.
Im Medaillenspiegel bedeuteten zwei Gold-, sechs Silber- und neun Bronzemedaillen Rang elf für Deutschland – und doch gewannen sie die viertmeisten Medaillen: „Das zeigt, dass wir hier ein starkes Team am Start hatten, wenngleich wir uns natürlich noch mehr Platzierungen auf dem Podium und auch Ausreißer nach ganz oben gewünscht hätten“, sagte der Chef de Mission, Marc Möllmann – und verweist auf zehn vierte Plätze und 31 Platzierungen auf den Rängen 4 – 8. „Es muss einfach alles passen, wenn man ganz oben stehen will“, sein Fazit.
Foto: Daniel Kopatsch / VOIGT / DBS