Rodel-Legenden vor epischem Coup

Rodel-Legenden vor epischem Coup

Rodel-Legenden vor epischem Coup

Die erfolgreichsten Winterolympioniken hierzulande sind sie schon. Dennoch streben sie mit bewundernswerter Akribie und Leidenschaft nach weiteren Triumphen. In Cortina d‘Ampezzo wollen Tobias Wendl und Tobias Arlt nun das vierte Kapitel ihrer olympischen Heldentaten schreiben. Dreimal haben die „Rodel-Tobis“ vom Königssee jeweils im Doppel und mit der Staffel gewonnen – 2014 in Sotchi, 2018 in Pyeongchang und 2022 in Peking, schon das ist einzigartig in ihrer Sportart. Die glorreiche Fortsetzung soll nun am 11. und 12. Februar folgen – erst in ihrer Paradedisziplin danach dann noch mit dem Team.

Unter Druck setzen sich die 38 Jahre alten Dauerbrenner aber nicht. „Wir wollen die beiden schönsten Läufe, die wir jemals gefahren sind, runterreißen. Mehr liegt nicht in unseren Händen“, sagt Wendl, der zwei Wochen jünger ist als sein Untermann, mit dem er seit über einem Vierteljahrhundert durch die Eisrinnen prescht. Die neue Bahn in den Dolomiten liegt ihnen, obwohl sie anfangs doch „mächtig Herzklopfen“ vor dem tückischen Eislabyrinth hatten. „Doch letztlich überwog das Glücksgefühl und die Vorfreude auf das, was kommt“, sagt Arlt.

Nicht anders empfanden Dajana Eitberger, die schon 2018 Olympiasilber als Solistin gewann, und ihre 14 Jahre jüngere Partnerin Magdalena Matschina die Premierenfahrten auf dem „Sliding Centre Eugenio Monti“. Sie gewannen im November das Testevent und möchte nun auch für einen historischen Akt sorgen. Im Doppelsitzer der Damen werden erstmals Olympiamedaillen vergeben, „da wollen wir natürlich mit auf dem Podest stehen“, macht Eitberger keinen Hehl aus ihren Ambitionen.

Und auch Felix Loch könnte bei seinem fünften Olympiastart etwas Einmaliges vollbringen. Wenn der Rekordweltmeister noch einmal ganz oben auf dem Treppchen stehen würde, wäre es sein vierter Olympiasieg – ein Novum für einen Einzelstarter. Vieles spricht dafür, dass der 36-Jährige in Topform antreten wird. In vier von sieben Weltcuprennen war er in dieser Saison nicht zu bezwingen. Er führt auch in der Gesamtwertung. Insofern verwundert es nicht, wenn der Bundespolizist sagt: „Ich reise mit viel Optimismus nach Cortina.“

An Zuversicht mangelt es auch den deutschen „Bobbies“ nicht, die nach den Rodlern ihre Spuren in der 1440 Meter langen Eisrinne ziehen werden. Sowohl die Frauen im Mono- und Zweierbob als auch die Männer im kleinen und großen Schlitten dominierten die Weltcuprennen. Wobei Laura Nolte und Johannes Lochner mit ihren Crews sämtliche Trophäen einheimsten. Womit sie für ihre beiden Konkurrenzen als Favoriten gelten – allerdings mit einem gravierenden Unterschied.

Nolte weiß bereits, wie sich ein Olympiasieg anfühlt. Die 27 Jahre alte Pilotin vom BCS Winterberg durfte sich vor vier Jahren mit Deborah Levi über Gold freuen. Ihren Erfolg wollen sie nun wiederholen. „Die Vorzeichen stehen sehr gut, dass Ihnen das gelingen könnte“, sagt Bundestrainer René Spies. Lochner derweil hofft noch auf den ultimativen Coup. Der zweimalige Olympiazweite von Peking präsentiert sich in seiner Abschiedssaison in blendender Verfassung. Seine ärgsten Rivalen kommen aus dem eigenen Lager – Youngster Adam Ammour und vor allem Routinier Francesco Friedrich.

Der einstige Dominator aus Sachsen hat nach seinen zuletzt wenig überzeugenden Vorstellungen vollmundig angekündigt: „Wir wissen, was wir tun müssen. Wir schlagen bei Olympia zurück. Das Imperium hat immer zurückgeschlagen.“ Nach Friedrichs Doppelerfolgen 2018 und 2022 ist der goldene Hattrick sein erklärtes Ziel. Es wäre auch eine historische Leistung.

Bild: picture alliance

Teilen Sie diesen Beitrag