Sportlich erfolgreich, bemerkenswerte Töne neben der Bahn

Sportlich erfolgreich, bemerkenswerte Töne neben der Bahn

Sportlich erfolgreich, bemerkenswerte Töne neben der Bahn



„Man muss Erfolge feiern, wenn sie fallen“, hatte DLV-Leistungssport-Direktor Jörg Bügner am Ende der sieben EM-Tage von Birmingham als Devise ausgegeben. Die deutschen Leichtathleten haben mit 21 Medaillen eine Sternstunde hingelegt. 2018 in Berlin waren es 20 Medaillen, 2022 in München sprach man mit 16 Medaillen von einem „Sommermächen“. Bei der Rekord-EM 1998 in Budapest hatte es 23 Mal Edelmetall gegeben.
Nach dem enttäuschenden Abschneiden der deutschen Fußballer im Sommer bei der WM war das Abschneiden in Birmingham ein Ausrufezeichen für den deutschen Leistungssport.
Sechs Goldmedaillen durch Zehnkämpfer Leo Neugebauer, die Hindernisläufer Frederick Ruppert und Gesa Krause, Speerwerfer Julian Weber, Marathonläufer Amanal Petros und Sprinter Owen Ansah brachten Glanz von der Insel nach Deutschland.
Stellvertretend für Newcomer, die man vorher kaum kannte und die mit Silbermedaillen ins Blickfeld gerieten, stehen die beiden Speerwerfer Nick Thumm und Julia Ulbricht. Die Tatsache, dass Ulbricht von keiner Leistungsförderung des DLV unterstützt wird, stimmt nachdenklich.
Bemerkenswert ist das veränderte Selbstbewusstsein und das Auftreten der Athleten neben der Bahn. Die Botschaft lautet: der Anspruch der Aktiven ist gestiegen und stellt die Basis für die Leistungen dar, die zahlreichen Erfolge sind das Resultat.
Nicht immer allerdings waren die Auftritte gelungen. Hindernisläuferin Lea Meyer hatte nach ihrem zweiten Sturz in den Wassergraben im TV-Interview die Siegerin Gesa Krause wegen derer Renntaktik heftig kritisiert und sich als die beste europäische Hindernisläuferin bezeichnet.
Karl Bebendorf zeigte sich nach seiner Bronzemedaille total enttäuscht. „Ich war bestens vorbereitet und bin hierher gekommen, um zu gewinnen“, meinte der Dresdner.
800 Meter-Läuferin Smylla Kolbe war nach einer Bestzeit im Halbfinale nur um ein Hundertstel am Finale gescheitert. Am Mikrofon lieferte sie dann ein bemerkenswertes Statement zu Rassismus-Aussagen v.a. in den Sozialen Medien gegen dunkelhäutige Teamkollegen. „Das ist nicht angebracht, ich erwarte da einfach einen gewissen Respekt“, lautet ihr Appell. Diese Hasswellen seien inzwischen zur Normalität geworden. Kolbe bedankte sich für ihre Unterstützung, die sie als Sportlerin erfahre, „was wäre, aber wenn ich nicht so weiß wäre“?
Der DLV hat in Birmingham das einstige Prädikat „Deutscher Läuferverband“ aus den 70er und 80er Jahren, das inzwischen verloren gegangen war, zumindest teilweise zurückgewonnen. Fredrick Ruppert, Gesa Krause, Amanal Petros, Florian Bremm und Mohamed Abdilaahi stehen für diese jüngste Entwicklung.

Bild: picture alliance

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