Viel wilder, anspruchsvoller, aber auch urwüchsig-romantischer geht es eigentlich kaum mehr: Die Lenzerheide im schweizerischen Graubünden ist so etwas wie ein Eldorado für herausfordernde Aktivitäten zu allen Jahreszeiten. Beschauliche und bizarre Wanderwege, 225 Kilometer Skipisten, rasante Mountainbike-Abfahrten. Und mittendrin in dieser alpinen Märchenkulisse wollen sich Deutschlands beste Biathletinnen und Biathletinnen ab Mittwoch bei der Weltmeisterschaft ihre Medaillen-Träume in Erfüllung gehen lassen.
Im Blickpunkt des DSV-Frauenteams steht die derzeitige Weltcup-Führende Franziska „Franzi“ Preuß. Die 30-Jährige kennt aus eigener Erfahrung beide Seiten des harten Geschäfts auf höchstem Niveau, hat in ihrer Karriere Höhen und Tiefen mitgemacht. „Eine WM-Einzelmedaille fehlt mir noch, das ist mein großes Ziel für dieses Jahr“, verriet die Lebensgefährtin des ehemaligen Biathleten Simon Schempp und Markenbotschafterin von Ruhpolding nach der Generalprobe in Antholz/Südtirol.
Preuß wird es mit ihren Mannschaftsgefährtinnen Selina Grotian, Sophia Schneider, Julia Tannheimer und Johanna Puff, die für die erkrankte Vanessa Voigt, die die Saison bereits vorzeitig beendet hat, nachrückte, vor allem mit der leistungsstarken „sélection francaise“ um die treffsichere und laufstarke Lou Jeanmonnot zu tun bekommen. Auch in den Staffelwettbewerben, was Herzschlag-Rennen im Stadion und an den Bildschirmen im frei empfangbaren Fernsehen verspricht.
Bei den Männern setzt der Deutsche Skiverband bei der mittlerweile 55. WM-Auflage auf das Quintett Philipp Horn, Johannes Kühn, Philipp Nawrath, Danilo Riethmüller und Justus Strelow. Sie müssen vor allem am Schießstand zulegen, um Podestplätze aufs Korn zu nehmen. Die Erwartungen an das deutsche Team bei den insgesamt 12 Wettbewerben sind hoch. Bei der Mixed-Staffel am Mittwoch können beide Teams schon einmal für Rückenwind für die bis zum 23. Februar andauernden Wettbewerbe sorgen. Dann kommt es traditionell zum Höhepunkt eines jeden Championats, dem Massenstart.
Im Olympiafreien Jahr 2025 kommt einer Weltmeisterschaft zudem erhöhte Bedeutung für die Wahl zu den Sportlerinnen, Sportlern und dem Team des Jahres zu. Namen wie Michael Greis (2006), Denise Herrmann (2023), Uschi Disl, Magdalena Neuner, Kati Wilhelm (2005 bis 2007) vergoldeten in den vergangenen 20 Jahren bereits den Benazét-Saal im Kurhaus von Baden-Baden. Als vorletzte Biathletin hatte Doppel-Olympiasiegerin Laura Dahlmeier – 2017 – das Punkte-Maximum erreicht, jetzt steht sie als ZDF-Expertin in Lenzerheide an der Strecke. Ihr Tipp: „Franzi (Preuß) kann in jedem Rennen aufs Podium laufen.“
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