Wenn es einfach wäre, dann wäre es halt nichts für sie. Denn einfach, eben wie geplant, wie trainiert, wie erhofft, wie vielleicht auch ein wenig erträumt? Nein, das war noch nie ihr Ding.
Leider, wird sie vermutlich selbst sagen. Denn die Loipen, die sie über Jahre hinweg bergauf, bergab, bewältigen musste, die Kugeln, die sie hundert- und tausendfach abfeuerte, die schienen lange nicht für sie gemacht.
Bis dann endlich dieses Jahr anbrach. 2025. Es war, als hätte man die Kalenderblätter eigens ihretwegen aufgehängt. Aber einfach? Nein, einfach, das galt auch in diesem Jahr, das scheinbar alles gut machen wollte, was ihr die vielen Monate vorher „versaut“ hatten, war es mitnichten. Am Ende aber stand es nach vielem Hoffen und Bangen, nach grandiosen Momenten, nach viel Auf und Ab schwarz auf weiß: Die Weltmeisterin in der Biathlon-Verfolgung und die Gewinnerin der Großen Glaskugel, die der Besten einer Saison gehört, heißt Franziska Preuß.
Aus Franziska, die so oft verletzungsbedingt unter dem Radar ihrer Möglichkeiten blieb, wurde auf einmal „Gold-Franzi“. Nicht nur Tausende an den Loipen und an den illuminierten Schießständen, sondern auch Millionen zu Hause im Pantoffel-Kino hatten sie auf einmal ins Herz geschlossen. Weil es kaum eine zweite Athletin, nicht nur bei den Skijägerinnen, gab, der man nach dieser Vorgeschichte diesen Erfolg so sehr gewünscht, ihn ihr so sehr gegönnt hatte, wie Franziska, die zur Franzi mutierte.
Mit 15 als talentierte Leichtathletin zum Wintersport gekommen, fand die in Wasserburg am Inn geborene Franziska nur durch einen glücklichen Umstand zum Wintersport: Als sie einen Gutschein für „Biathlon erleben“ im Trainingscamp von Fritz Fischer einlöste, den ihr ihre Eltern geschenkt hatten, erkannte der Olympiasieger und ehemalige Weltmeister das Potenzial der jungen Dame, die da in seinem Camp auftauchte. Der Rohdiamant wurde beim Stützpunkt-Training in Ruhpolding geschliffen, und so nahmen die Dinge ihren Lauf.
Jetzt wird sie als „Sportlerin des Jahres“ 2025 zu den Olympischen Spielen 2026 nach Mailand und Cortina anreisen. Und vielleicht packen die Fans an der Loipe und am Schießstand dann noch einmal einen Song aus, der in den 1970ern zum Gassenhauer wurde. Mit einem zumindest ähnlich klingenden Namen: „Franzi, Franzi, noch einmal. Es war so wunderschön…“