Isaac Bonga nannte die Europameisterschaft vor ihrem Beginn eine „Klassenfahrt mit Basketball“, was jedoch keinesfalls bedeutete, dass man die Spiele mit der Nationalmannschaft auf die leichte Schulter nahm. Zugleich betonten die Akteure, dass es noch viel Wichtigeres als den Sport gibt. Besonderes Gespür bewiesen die Spieler im Umgang mit der Erkrankung von Chef-Trainer Alex Mumbru – der spanische Coach musste aufgrund gesundheitlicher Probleme ins Krankenhaus und verpasste damit die Gruppenphase in Riga.
Zum Achtelfinale stieß er wieder zum Team und füllte gegen Portugal erstmals die ihm eigentlich zugedachte Rolle als Head Coach aus. Nach dem Spiel gab er das Zepter gleich wieder an seinen Vertreter Alan Ibrahimagic ab. Gerüchte um einen Rücktritt machten die Runde, doch spätestens als sich das gesamte Team bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz versammelte und Maodo Lo das Wort ergriff, wurde deutlich, was in dieser Mannschaft steckt. „Man muss anerkennen, was das für eine wahnsinnige Leistung ist, dass Alex trotz seiner gesundheitlichen Situation hier ist und uns weiterhin unterstützt“, fand Lo klare Worte, die den tief in Mannschaft und Betreuerstab des DBB verwurzelten Teamgeist dokumentierte.
Und so hatte die DBB-Auswahl nach einer der stärksten Gruppenphasen in der EuroBasket-Geschichte die Teams aus Portugal und Slowenien in der K.o.-Phase niedergerungen, im Halbfinale das Überraschungsteam aus Finnland klar bezwungen – und im Finale gegen die starke Türkei die Krönung folgen lassen. Bei keinem Sportjahres-Rückblick werden die Heldentaten von Dennis Schröder in den entscheidenden Minuten des Finales fehlen: Nach fast ständigem Rückstand, erzielte der Kapitän die letzten sechs Punkte in Folge und machte so aus einem 82:83-Rückstand noch den 88:83-Triumph.
Auf und neben dem Platz strahlte die Mannschaft um Dennis Schröder in Lettland eine unverwechselbare Geschlossenheit aus. Er und Franz Wagner wurden nach dem Finale zwar für ihre überragenden individuellen Leistungen geehrt – Schröder als „MVP der EuroBasket 2025“, Wagner ins „First Team des Turniers“ gewählt. Doch der große Erfolg wurde noch wertvoller angesichts der Tatsache, dass im Vorfeld zahlreiche Ausfälle zu beklagen waren. Moritz Wagner, Isaiah Hartenstein, David Krämer fielen schon vor der EM aus, Johannes Voigtmann dann auch noch nach der Gruppenphase – das sorgte für weitere Kopfschmerzen. Doch die Mannschaft rückte noch näher zusammen, Daniel Theis, Isaac Bonga, Franz Wagner und Co. lösten die Probleme.
Damit ist Deutschland jetzt erstmals in seiner Basketball-Geschichte amtierender Welt – und Europameister, kletterte nach der EM erstmals auf dem zweiten Platz der Weltrangliste, nur getoppt vom Basketball-Mutterland USA. Nun folgte der Titel „Team des Jahres“ 2025 – als „Sahnehäubchen“ eines grandiosen Jahres.