Goldjunge Neugebauer, Bronze-Staffel glänzt

Goldjunge Neugebauer, Bronze-Staffel glänzt

Goldjunge Neugebauer, Bronze-Staffel glänzt

Sein Name hat sich geändert: Leo Neugebauer heißt jetzt „Leo, the German, Weltmeister“. In einer der spannendsten Entscheidungen der Zehnkampfgeschichte holte der 25-jährige Schwabe aus Leinfelden-Echterdingen (bei Stuttgart) mit 8804 Punkten die Goldmedaille und krönte sich in Tokio zum „König der Athleten“.

Nach dem abschließenden 1500 Meter-Lauf lag er am Ende des Zehnkampfs mit einer neuen überragenden persönlichen Bestzeit von 4:31,89 Min. ganze 20 Punkte vor dem Puerto Ricaner Ayden-Owens Delerme. Das sportliche Drama nahm nach dem Lauf seine Fortsetzung, weil sich Neugebauer für Gold völlig verausgabt hatte und minutenlang am Boden lag, um nach Luft zu ringen. Die Kampfrichter boten ihm den Rollstuhl an, doch der 2,01-Meter große Hüne wollte sich die Ovationen der 65000 Zuschauer im Tokioer Nationalstadion nicht entgehen lassen. Er mühte sich aus dem Rollstuhl in die Siegerpose und durfte sich im Stehen die Goldmedaille umhängen lassen. Es war seit Malaika Mihambo die erste deutsche Goldmedaille, die Leichtathletik-Deutschland gewinnen konnte.

„Es war ein krasser Zehnkampf, ein geiler zweiter Tag, ich bin extrem glücklich“, diktierte er in die Blöcke und Mikrofone, „ich war so fertig, aber es hat sich gelohnt“. Niklas Kaul, „Sportler des Jahres“ 2019 und 2022, arbeitete sich vom 19. Platz auf Rang vier vor.

Mit einem starken zweiten Tag – WM-Meeting-Rekord im Diskuswerfen (56,15 Meter) und Bestleistungen im Speerwurf (64,34 Meter) sowie den abschließenden 1500 Meter, hatte sich Neugebauer auf den Zehnkampf-Thron vorgekämpft. Bei seiner Goldjagd profitierte er allerdings von zahlreichen Ausfällen während und vor dem Wettkampf. So war Olympiasieger Markus Rooth aus Norwegen verletztungsbedingt nicht dabei. Auch weitere Favoriten wurden ihrer Rolle aufgrund von Verletzungen oder Disqualifizierungen nicht gerecht. Trotzdem gehuldigt von Ex-Weltrekordler Guido Kratschmer: „Jetzt ist Neugebauer ein richtiger Zehnkämpfer“. Das will Neugebauer auch bei den kommenden Großveranstaltungen beweisen, der Weg dahin führt aber sicher auch über Baden-Baden, denn am 21. Dezember entscheidet sich die Wahl zum „Sportler des Jahres“ 2025, bei der Leo, the German sicher eine Rolle spielen wird.

Für einen versöhnlichen Abschluss der WM aus deutscher Sicht mit insgesamt fünf Medaillen sorgte auch die 4×100 Meter-Staffel mit Sina Mayer, Rebekka Haase, Sophia Junk und Gina Lückenkemper, die als Schlussläuferin furios zur Bronzemedaille hinter den USA und Jamaika stürmte. Die wie entfesselt auflaufende Lückenkemper trug entscheidend zur zweitschnellsten Zeit (41,87 Sek.) seit der Wende bei. Die überglücklichen Frauen fanden sich in den Armen von Neugebauer wieder.

Bild: picture alliance

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