12 von 21 möglichen Medaillen, fünf aus Gold, vier aus Silber und drei Bronzeplaketten – und als Krönung die elfte WM-Einzel-Medaille für den neuen Rekordhalter Felix Loch (Berchtesgaden): Ein Jahr vor den Winterspielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo (6. bis 22 Februar 2026) dominierten die deutschen Rodel-Asse die Weltmeisterschaften im kanadischen Whistler unerwartet deutlich. „Das war eine megageile Teamleistung“, freute sich der neue Bundestrainer Patric Leitner, „ich kann mich nicht erinnern, dass wir in Whistler schon einmal so erfolgreich waren!“
Der neue „Chef“ der Kufenstars des Bob- und Schlittensportverband für Deutschland (BSD), früher mit seinem Partner Alexander Resch im Doppelsitzer selbst vier Mal Weltmeister sowie Olympiasieger (Salt Lake City 2002), hätte sich seinen Einstand nicht besser vorstellen können. Im Sommer hatte er den langjährigen Bundestrainer Norbert Loch abgelöst – und jetzt fuhren seine Schützlinge mit der Konkurrenz regelrecht „Schlitten“.
Im Einsitzer verteidigte der 25 Jahre alte Max Langenhan (Arnstadt), der sich im November den Fuß gebrochen hatte, aber dennoch in einer eigenen Liga und in beiden Läufen Bestzeit fuhr, seinen WM-Titel von vor zwei Jahren in Altenberg vor „Altmeister Felix Loch“ (35), der seine elfte WM-Einzelmedaille holte. Er überflügelte damit die italienische Rodel-Ikone Armin Zöggeler und zog mit Georg Hackl gleich. Der „Schorsch“, 1998 nach seinem Olympia-Gold in Nagano „Sportler des Jahres“, ist seit Mai 2022 als Trainer für Fahr- und Schlittentechnik Teil des Trainerteams des Österreichischen Rodelverbands.
Langenhan war nach der Titelverteidigung im Einzel völlig begeistert: „Sensationell. Es war ein richtig hammergeiles Rennen. Jetzt stehen wir hier auf eins und zwei. Was wollen wir mehr?“, sagte Loch. „Ein Traumtag.“, schwärmte er. „Am Ende ist es einfach genial, mit Felix wieder oben zu stehen.“
Mindestens genauso groß war der Jubel bei Felix Loch. Der Routinier, der in einer internen Ausscheidung die Qualifikation für die Einsitzer-Mixed-Staffel verpasst hatte, schob sich nach einem famosen zweiten Lauf noch auf den Silberrang vor und verdrängte den Österreicher Nico Gleirscher.
Bei den Frauen sicherte sich im „Whistler Sliding Centre“ auf der Olympiabahn von 2010 im Einsitzer Julia Taubitz (Oberwiesenthal) die Goldmedaille vor Merle Fräbel (Suhl), die sich damit neben Silber auch den WM-Titel der U23 sicherte. Langenhan und Taubitz holten zudem Gold im Mixed-Einsitzer sowie mit der Teamstaffel, zu der außerdem die Doppelsitzer Jessica Degenhardt (Altenberg) / Cheyenne Rosenthal (Winterberg) sowie Hannes Orlamünder / Paul Gubitz (Oberhof) gehörten. Letztere standen bei der Siegerehrung der Doppelsitzer ebenfalls auf dem obersten Treppchen, gefolgt von den Letten Martins Bots und Roberts Plüme sowie den beiden „Tobis“ Wendl und Arlt.
Die Messlatte für die Spiele in Italien im kommenden Februar hängt nun sehr hoch. Dabei war die erste WM unter Leitners Leitung mit einigem Bangen erwartet worden. Österreich, unter anderem mit Deutschlands Rodel-Legende Georg Hackl als Trainer, hatte sich im bisherigen Saisonverlauf als starker Gegner erwiesen. Jetzt muss man jedoch noch abwarten, ob der olympische Run in den Dolomiten auch rechtzeitig fertiggestellt werden kann.
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