Hai-flyer Wellbrock

Hai-flyer Wellbrock

Hai-flyer Wellbrock

Nach dem Absturz von Paris schwingt sich der Schwimmstar mit vier WM-Titeln in unerwartete Rekordhöhen. 

7. August 2024 Pont Alexandre III in Paris. Florian Wellbrock steigt aus der schlierig-grünen Seine. Platz acht im olympischen Freiwasser-Wettbewerb über 10 Kilometer. Gut, er lag knapp vor seinem Dauerrivalen Gregorio Paltrinieri, aber das war jetzt kein Trost mehr. Zuvor hatte er im Becken als Mitfavorit über 800 und 1500 Meter Freistil das Finale verpasst und auch in der Seine war er weit weg von den Medaillen. Für den damals 26-jährigen Magdeburger endeten die Spiele von Paris in einem Desaster. Statt der Krönung der Laufbahn des Zweiten bei der Wahl zum „Sportler des Jahres“ 2023 (Dritter 2022) war plötzlich seine Zukunft im Spitzensport völlig offen.

Der gebürtige Bremer zog sich erst mal zurück. Knapp ein Jahr später ist er wieder zurück auf der ganz großen Bühne des Weltsports. Und wie. 21. Juli 2025, Schwimm-Weltmeisterschaft in Singapore.  Florian Wellbrock schlägt im Meer vor dem Palawan Beach als Erster an die Zeitmesser-Tafel. Vierter Start im Freiwasser, vierter WM-Titel. In dem Fall gemeinsam mit Celine Rieder, Oliver Klemet und Isabel Gose in der 4 x 1500 Meter Staffel. Vier Siege bei einer Freiwasser-WM – das hat es noch nie gegeben. Das lag allerdings auch daran, dass neben den fünf und den olympischen zehn Kilometern erstmals ein neues Format geschwommen wurde. Beim sogenannten Knockout-Sprint werden drei für die Freiwasser-Spezialisten eher kurze Strecken (1500, 1000 und 500 Meter) nacheinander „gesprintet“ wobei nach jeder Strecke einige ausscheiden mussten. Auch in dem Format verpasste der gebürtige Bremer seiner Konkurrenz den K.o. Zuvor gelang ihm die Olympiarevanche über zehn Kilometer und auch über die fünf Kilometer gegen den Italiener Paltrinieri, der zweimal Silber holte. 

Florian Wellbrock ist also wieder zurück. Und das mit einer Power, mit der man nach dem olympischen Tiefpunkt nicht rechnen konnte. „Ich habe absolut nicht mit viermal Gold gerechnet. Ich konnte gestern nicht gut schlafen, weil ich so nervös war. Ich wusste schließlich, wir können heute Geschichte schreiben“, sagte der Champion nach der Siegerehrung der Staffel, bei der er versonnen in den Himmel schaute. Vielleicht zog da alles noch einmal an ihm vorbei: Die Zweifel nach Paris, das beinharte Training vor der WM, bei dem er sich mit seinem Trainer Bernd Berkhahn auch in Höhen- und Hitzekammern auf die extremen Bedingungen im Meer vor Singapore vorbereitete. Wassertemperaturen über 30 Grad, Wellen und auch der für das saubere Singapore ungewohnte Müll im Wasser verlangten einen schier unmenschlichen Kraftakt, vor allem über die zehn Kilometer, also knapp zwei Stunden Vollgas. „Es freut mich, dass sich das Nicht-Aufgeben nach Paris gelohnt hat“, sagte er zufrieden.

Jetzt hat Hai-flyer Wellbrock eine lange Pause. Erst am 2. August, dem vorletzten Tag der Beckenwettbewerbe, geht es für Wellbrock im Vorlauf über 1500 Meter Freistil weiter. Das Finale ist dann einen Tag später. Titel Nummer 5? Wäre noch so ein Ausrufezeichen für die Sportlerwahl 2025.

Bild: picture alliance

Teilen Sie diesen Beitrag