„Jedes Spiel ein Finale“ – so könnte das Motto in der Hauptrundengruppe der Handball-Europameisterschaft der Männer lauten. Denn hier kämpfen nur Hochkaräter mit dem DHB-Team um den Einzug ins Halbfinale. Als da sind: Der Olympiasieger und viermalige Weltmeister Dänemark, Titelverteidiger Frankreich, Co-Gastgeber Norwegen und Portugal. Die Männer von der iberischen Halbinsel warfen bekanntlich Deutschland bei der WM im vergangenen Jahr mit 31:30 Tore nach Verlängerung im Viertelfinale aus dem Rennen und wurden Vierte. Den zweimaligen Europameister (2018, 2020) Spanien konnten Kapitän Johannes Golla und Co. ja beim Vorrundenabschluss mit einer Spitzenleistung besiegen – die beiden Zähler dieses 34:32-Erfolges nahm die Truppe von Bundestrainer Alfred Gislason mit in die Hauptrunde.
Für die erste Sensation der EM sorgte Portugal, das Team um die Gebrüder Costa, bereits im letzten Spiel der Vorrunde: Es bezwang die „Übermannschaft“ Dänemark um Superstar Mathias Gidsel (Füchse Berlin) sensationell mit 31:29 Toren und versetzte den Hausherren in der Jyske Bank Boxen von Herning vor 15.000 Zuschauern einen herben Dämpfer. Portugals Angriff mit Francisco und Martim Costa (jeweils neun Treffer) dominierte, denn „Danish Dynamite“ offenbarte ungewohnte Schwächen: „Unsere Leistung war nicht gut genug, es waren nur 80 Prozent“, bekannte Gidsel. „Das können wir nicht akzeptieren, erst recht nicht zu Hause – es tut verdammt weh und ist eine riesige Enttäuschung.“ Der Welthandballer stemmte sich mit acht Toren gegen die Pleite, aber das war nicht genug.
Übrigens stellt Deutschland mit 104 Spielern aus der Bundesliga, neun aus der Zweiten Liga und sogar noch fünf aus der dritten Liga mit insgesamt 118 Akteuren das mit Abstand größte Kontingent der 24 teilnehmenden Nationen, gefolgt von 41 Spielern aus Frankreich sowie 28 Ballwerfern aus Dänemark. Die meisten EM-Teilnehmer stellt der SC Magdeburg (13), aus der HBL kommen außerdem zwölf Handballer von den Füchsen Berlin, elf vom VfL Gummersbach und zehn vom THW Kiel.
„Jetzt erwartet uns die vielleicht härteste Hauptrunde, die es je gab, es wird wirklich brutal“, blickt der Hannoveraner Justus Fischer auf die kommenden Aufgaben, denn nach dem Duell gegen Portugal (22. Januar) folgt zwei Tage später die Begegnung mit dem zweimaligen WM-Zweiten (2017, 2019) Norwegen, ehe es gegen die Dänen (24. Januar) und abschließend gegen die „Equipe Tricolore“ (28. Januar) geht. Nur die beiden Besten der Sechser-Gruppe erreichen das Halbfinale, das am 30. Januar ansteht, ebenso in Herning wie die Medaillenspiele am 1. Februar. Die DHB-Delegation müsste also nicht einmal mehr reisen und könnte – bis zum Schluss? – in ihrem gewohnten Hotel bleiben…